Vitznauer sauer: «Gemeinde will nur reiche Steuerzahler anziehen»

- In Vitznau LU soll ein 400-jähriges Holzbauernhaus abgerissen werden, um zwei sechsgeschossigen Blöcken mit 27 Eigentumswohnungen Platz zu machen.
- Das Projekt der deutschen «Schultheiss Holding Schweiz AG», in deren Verwaltungsrat alt SVP-Bundesrat Ueli Maurer sitzt, sorgt im Dorf für Kritik.
- Nun äussert sich der Gemeindepräsident Herbert Imbach zum Bauvorhaben.
- Das Dorf verfüge im Zentrum über «erhebliche Nutzungsreserven», die nicht ausgeschöpft werden.
Seit 400 Jahren prägt es die Landschaft von Vitznau LU am Vierwaldstättersee, nun soll es abgerissen werden: Ein hölzernes Bauernhaus soll zwei sechsgeschossigen Wohnblöcken mit insgesamt 27 Eigentumswohnungen weichen. Das Baugesuch wurde kürzlich veröffentlicht und sorgt im Dorf für hitzige Köpfe.

Das Bauprojekt läuft über die Firma «Schultheiß Holding Schweiz AG» – der Ableger eines grossen Immobilienunternehmens aus Süddeutschland. Was zusätzlich für Kritik sorgt: Im Verwaltungsrat der AG sitzt ausgerechnet alt SVP-Bundesrat Ueli Maurer.
Das wird teuer
Fünf Millionen Franken hat das Immobilienunternehmen für das rund 1100 Quadratmeter grosse Grundstück gezahlt. Der Slogan der Firma? «Exklusive Immobilien in der Zentralschweiz». Auf ihrer Website wirbt sie mit «Wohlfühlimmobilien für den gehobenen Geschmack» und «erlesener Qualität». Günstiger Wohnraum dürfte also wohl kaum entstehen. Die Rede ist von zwei bis vier Millionen Franken pro Wohnung.

«Die Frage ist nicht, ob, sondern wie verdichtet wird»
Nun äussert sich der Gemeindepräsident Herbert Imbach zum Bauvorhaben. Gegenüber dem Onlineportal «Watson» sagt er, dass die Kernzone des Dorfes schon seit Jahrzehnten über «erhebliche Nutzungsreserven» verfüge, die bis jetzt nicht ausgeschöpft worden seien.
Gleichzeitig sei die innere Verdichtung eine Vorgabe des Bundes, an die sich das Dorf halten müsse. «Die Frage ist dabei nicht, ob, sondern wie verdichtet wird», betont Imbach. Genauer dürfe er sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht zum konkreten Projekt äussern.
Kein Denkmalschutz
Ein Anwohner kontert: «Wenn die Gemeinde Verdichtung über alles stellt und ihr eigenes Konzept unterläuft, um reiche Steuerzahler anzuziehen, fühlen wir uns nicht mehr gebunden.» Das Baureglement schreibe ausdrücklich vor, dass Neubauten gut in das Orts- und Landschaftsbild passen sollen. Die originale Gassenstruktur sollte als identitätsstiftendes Merkmal erhalten und aufgewertet werden.
Unter Denkmalschutz steht das rund 400 Jahre alte Haus allerdings nicht. Durch bauliche Eingriffe in der Vergangenheit habe es an Originalität, ursprünglicher Gestaltung und Authentizität verloren. Aus diesem Grund sei im Jahr 2013 darauf verzichtet worden, das Gebäude ins Bauinventar der Gemeinde aufzunehmen.
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