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Monday, August 24, 2026

Strafen mit KI berechnet: Richter testet umstrittenes Tool

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  • Jonas Achermann, Richter am Luzerner Kriminalgericht, hat ein KI-Tool entwickelt, das Strafen berechnen soll.
  • Die Software ist bereits für Drogen-, Diebstahl- und Wirtschaftsdelikte kalibriert; eine Erweiterung für Sexualdelikte befindet sich in der Testphase.
  • Strafverteidiger Thomas Fingerhuth und Alt-Bundesrichter Hans Mathys warnen vor dem Einsatz des Algorithmus.

2025 verurteilte das Zürcher Obergericht einen Kosovaren zu einer reinen Bewährungsstrafe. Er hatte eine Frau in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Das Gericht begründete das Urteil damit, dass die Tat nur «kurz» gedauert habe und «einwilligungsnah» gewesen sei. Damals war die Rede von einem «Skandal». Das Bundesgericht forderte dann eine härtere Strafe für den Mann.

Bei ähnlichen Delikten fallen Urteile oft sehr unterschiedlich aus. Bei Vergewaltigungen etwa sind Freiheitsstrafen von einem bis zehn Jahren möglich. Richter Jonas Achermann ist überzeugt: Mit künstlicher Intelligenz liessen sich Strafen konsistenter und damit fairer festlegen, wie er gegenüber der «Sonntagszeitung» sagt.

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Sein Algorithmus stützt sich auf rechtskräftige Urteile und ist online öffentlich zugänglich. Bei identischen Eingaben liefert er laut Achermann stets dasselbe, nachvollziehbare Resultat – anders als etwa Chat-GPT. Bislang ist das Tool für Drogendelikte, Diebstahl und Wirtschaftsdelikte kalibriert. Die neue Erweiterung für Sexualdelikte befindet sich noch in der Testphase, wie Achermann sagt. Er nutze sie noch nicht für echte Urteile.

Kritik von Strafverteidigern

Zürcher Strafverteidiger Thomas Fingerhuth ist skeptisch: «Ich habe grösste Zweifel, dass die Urteile dann gerechter würden», erklärt er gegenüber der «Sonntagszeitung». Ein gutes Urteil lasse sich nicht mit ein paar objektiven Parametern fällen, so Fingerhuth. Entscheidend seien auch subjektive Faktoren wie das persönliche Verschulden oder der Eindruck des Beschuldigten vor Gericht. Auch Alt-Bundesrichter Hans Mathys warnt davor, sich zu stark an früheren Urteilen zu orientieren: «Wenn ich Rücksicht nehmen muss auf alte Urteile, bin ich in meiner Freiheit als Richter eingeschränkt.»

Unterstützung aus der Wissenschaft

Rückendeckung erhält Achermann von Bundesgerichtsschreiber Luca Ranzoni. Dieser hat in seiner Doktorarbeit gezeigt, dass Richter bei identischen Fällen zu sehr unterschiedlichen Strafmassen kommen. Wie Achermann ist er überzeugt, dass künstliche Intelligenz die Gerichte gerechter machen könnte. Achermann selbst betont, dass er den finalen Entscheid stets selber fälle und bei Bedarf korrigierend eingreife.

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Florian Osterwalder

Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.

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