Angespannte Finanzen – Moutier bringt Jura in Geldnot, doch reiche Kantone wollen helfen

Rund 50 Millionen Franken: So viel Eigenkapital weist der Kanton Jura aus. Was nach viel Geld aussieht, ist in der Realität ein knappes Gut. Der Jura ringt nämlich seit Jahren um ausgeglichene Budgets und kämpft gegen strukturelle Defizite. Und nun kommt ein weiterer monetärer Kraftakt hinzu: die Finanzierung der Gemeinde Moutier. Zwar ist die jurassische Bevölkerung dank Moutier um zehn Prozent gewachsen, die Übernahme der Gemeinde kostet den Jura gemäss seiner Berechnung in den kommenden fünf Jahren aber 140 Millionen Franken.
Der Kanton Bern zahlt dem Jura 75 Millionen Franken. Geld, das Bern für Moutier noch bis 2032 aus dem Topf des Nationalen Finanzausgleichs (NFA) bekommt, bevor dann der Ressourcenindex angepasst und der Jura direkt NFA-Gelder für Moutier bekommt.
Der Kantonswechsel von Moutier
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Seit dem 1. Januar 2026 gehört die Gemeinde Moutier offiziell dem Kanton Jura an.
Den Weg für diesen Meilenstein ebneten die Stimmberechtigten von Moutier bereits am 28. März 2021, als sie in einer Volksabstimmung dem Kantonswechsel von Bern zu Jura zustimmten.
Dieser historische Wechsel setzt einen endgültigen Schlusspunkt im jahrzehntelangen Jurakonflikt.
Kompromiss gescheitert, Kantone reagieren
Der Jura hätte von Bern eigentlich mehr Geld erwartet, aber Fanny Noghero, Aussenbeauftragte des Kantons Jura, bilanziert: «Die Erwartungen lagen zu weit auseinander. Ein Kompromiss kam nicht zustande.» Dafür springen nun aber finanzkräftige Kantone wie Zürich, Basel und Genf ein. Kleinere Beträge sollen auch die Waadt, Zug und Schaffhausen beisteuern. Die Geberkantone haben sich in einer schriftlichen Vereinbarung dazu verpflichtet, bis 2032 insgesamt 65 Millionen Franken an den Jura zu zahlen.
Das ist ein Akt im Sinn der helvetischen Solidarität.
Mit über 22 Millionen Franken kommt der grösste Betrag aus dem Kanton Genf. Finanzdirektorin Nathalie Fontanet erklärt, sie habe das Geld bei der Finanzkommission des Kantonsrats beantragt und sei guter Dinge, dass der Kantonsrat dem Betrag zustimme. «Das ist ein Akt im Sinn der helvetischen Solidarität», so Fontanet.
Dieser Gedanke hat auch bei der baselstädtischen Finanzdirektorin Tanja Soland einen hohen Stellenwert. Sie hebt hervor: «Wir sind zwar Finanzdirektorinnen unserer Kantone. Aber am Ende arbeiten wir auch für das Wohl des Landes.» Auch Tanja Soland wurde bereits beim Parlament vorstellig. Dieses soll den Jura wegen Moutier mit 9 Millionen Franken unterstützen.
Bund macht Druck
Die Finanzdirektorinnen Fontanet und Soland sind zuversichtlich, dass die Kantonsparlamente die Millionen bewilligen. Im Hintergrund macht der Bund nämlich Druck. Sollten die bevölkerungsreichen Zentrumskantone den Landkanton Jura in dieser Situation nicht unterstützen, drohen ihnen Leistungskürzungen von jährlich 140 Millionen Franken. Nathalie Fontanet warnt, dass dem Kanton Genf durch den Wegfall des sogenannten «soziodemografischen Lastenausgleichs» jährlich 45 Millionen Franken verloren gingen.
Fanny Noghero betont: «Der Jura ist den Geberkantonen für die Finanzhilfe dankbar. Rein rechtlich könnten sie nicht dazu verpflichtet werden.» Einen Plan B habe der Jura aber nicht, so Noghero.
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