Proteste eskalieren auch in Italien

Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte und zahlreiche Verletzte – in Mailand sind Proteste in schwere Ausschreitungen umgeschlagen.
Publiziert: vor 27 Minuten
- In Mailand demonstrierten am Samstag Tausende Menschen
- Am Nachmittag eskalierte die Situation
- Vermummte Chaoten zündeten Mülltonnen an, attackierten die Polizei und plünderten Geschäfte
Angela RosserJournalistin News
Eigentlich wollten die Menschen gegen steigende Preise, niedrige Löhne und die schwierige Situation im Bildungs- und Gesundheitswesen demonstrieren. So wie es in Frankreich bereits seit Wochen an der Tagesordnung ist.
Am Samstagnachmittag aber eskalierte die Lage in der italienischen Metropole Mailand. Mehr als 5000 Menschen hatten sich zu einer zunächst friedlichen Kundgebung versammelt. Später kam es zu massiven Zusammenstössen zwischen teilweise vermummten Jugendlichen und der Polizei.
Geschäfte geplündert
Die Randalierer bewarfen die Einsatzkräfte mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern. Im Stadtzentrum errichteten sie Barrikaden, setzten Gegenstände in Brand und beschädigten Polizeifahrzeuge.
Mehrere Geschäfte, darunter Filialen von Nike, Foot Locker und Decathlon, wurden gestürmt und geplündert. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke gegen die Chaoten ein.
«Kriegsähnliche Szenen»
Ein Blick-Leser vor Ort beschreibt die Situation ebenfalls als äussert gewaltgeladen: «Was als Schülerprotest angekündigt war, entwickelte sich gestern nach eigener Beobachtung zu kriegsähnlichen Szenen.»
Auch er habe die Ausschreitungen insbesondere im Bereich des Mailänder Doms und der Einkaufsstrassen miterlebt. «Dies hat nichts mehr mit Schülerprotesten zu tun. Wer Steine auf Polizisten wirft, Geschäfte plündert oder fremdes Eigentum in Brand setzt, missbraucht das Recht auf Demonstration und gefährdet andere Menschen», sagt er.
Er bestätigt auch, dass Geschäfte wie Louis Vuitton, Dior und Nike geplündert wurden, Mülltonnen und Autos angezündet und Palästina-Flaggen an historischen Gebäuden zu sehen waren. «Touristen und Passanten gerieten in die unübersichtliche Situation und mussten sich in Sicherheit bringen», sagt er.
Viele Jugendliche aus Mailänder Vororten
Zwar wurde in den letzten Wochen in vielen italienischen Städten demonstriert, dies aber ohne grosse Beachtung. In Mailand hingegen brach am Samstag regelrecht Chaos aus, wie der «Corriere» berichtet.
Wie die italienischen Medien schreiben, gehörten zu den gewalttätigen Gruppen zahlreiche Jugendliche aus Mailänder Vororten und umliegenden Provinzen. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund, darunter junge Menschen mit nordafrikanischen Wurzeln.
In Italien werden solche Jugendgruppen häufig mit dem Begriff «Maranza» in Verbindung gebracht. Dieser beschreibt eine bestimmte urbane Jugendkultur, wird allerdings auch abwertend verwendet. Zu erkennen sind sie oft daran, dass sie Schlauchschals, Kapuzen, Trainingsanzüge und Turnschuhe tragen.
Premierministerin verurteilt Ausschreitungen
Die Ausschreitungen ausschliesslich als Migrationsproblem einzuordnen, greift jedoch zu kurz. Laut Polizei waren sowohl Jugendliche aus Familien mit Migrationsgeschichte als auch Italiener ohne Migrationshintergrund an den Gewalttaten beteiligt. Eine offizielle Aufschlüsselung nach Herkunft liegt bislang nicht vor.
Premierministerin Giorgia Meloni (49) verurteilt die Gewalt auf den Strassen. «Demonstrieren ist ein Recht», sagt sie, «aber unsere Städte in Brand zu setzen nicht. Ich wiederhole meinen Appell an die Opposition: Seien Sie in dieser Frage nicht zweideutig. Jedes Zögern wird als Rechtfertigung ausgelegt.»
Parallelen zu den Unruhen in Frankreich
Die Ereignisse erinnern an die jüngsten Ausschreitungen in Frankreich. Auch dort kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei.
In beiden Ländern stehen damit auch Fragen nach sozialer Ausgrenzung, fehlenden Perspektiven und dem Verhältnis zwischen Jugendlichen und staatlichen Institutionen im Raum. Ob diese Faktoren die Gewalt in Mailand tatsächlich ausgelöst haben, ist allerdings noch unklar.
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