«Kuh Odisey ist unberechenbar, deshalb will ich mit ihr gewinnen»

Darum gehts
- Selina (23) trainiert für das Kuhrennen am Alpchäsmarkt in Flumserberg für diesen Sonntag.
- Sie reitet auf der Kuh Odisey, die sie als «unberechenbar» beschreibt, und will damit gewinnen.
- Tierquälerei sei das Kuhreiten nicht: «Die Kuh entscheidet selbst, wie schnell sie rennen will.»
Gemütlich auf der Wiese stehen, saftiges Gras kauen und ab und zu ein zufriedenes «Muh» von sich geben – so sieht der Alltag vieler Kühe aus. Doch auf einer Wiese in Flums SG ist Schluss mit Gemütlichkeit: Hier machen sich blumengeschmückte Kühe mit Glocken um den Hals für ihren grossen Auftritt bereit.
Diesen Sonntag treten sie beim Kuhrennen in Flumserberg gegeneinander an – mit Reiterinnen auf dem Rücken. Reiterin Selina (23) zeigt 20 Minuten, wie das Kuhreiten geht, und erklärt, warum sie ein solches Tier trotz Training nicht trainieren kann.
«Zu meinem 20. Geburtstag erhielt ich Holly»
Selina nimmt seit sechs Jahren am Kuhrennen in Flumserberg SG teil. «Zuvor schaute ich immer zu und wollte das unbedingt selbst ausprobieren.» Sie hatte nicht alle Jahre Glück: «Vor einiger Zeit lief es mit einer Kuh im Training super, aber beim Rennen hatte sie plötzlich keinen Bock mehr.»
«Das ist keine Tierquälerei.»
Die 23-Jährige ist der Ansicht, dass Kuhreiten moralisch korrekt ist: «Die Kuh entscheidet selbst, wie schnell sie rennen will – ich zwinge sie zu nichts.» Selina sagt klar: «Das ist keine Tierquälerei.»
Sie ist mit Kühen aufgewachsen. «Zu meinem 20. Geburtstag erhielt ich ein Kälbchen als Geschenk», sagt die 23-Jährige. Die Kuh trägt den Namen Holly. «Zu ihr habe ich eine spezielle Verbindung, wir kuscheln oft.» Doch am Kuhrennen nimmt sie mit Odisey teil. «Die ist unberechenbar – und genau deshalb will ich gewinnen.»
«Mein Mann hat mich dafür belächelt»
Das Kuhrennen in Flumserberg wird seit 2006 durchgeführt – Brigitta Kurath (61) ist die Erfinderin. «Mein Mann hat mich für meine Idee belächelt», sagt sie. Deshalb dürfen nur weibliche Jockeys teilnehmen: Frauen reiten auf den Kühen, die Männer rennen nebenan mit. «Das ist reiner Feminismus.»
Für Remo Rupf (56), OK-Präsident des Alpchäsmarkts, hat der Anlass diesen Sonntag Tradition: «Alle Bauern können ihre Alpprodukte verkaufen und das Highlight ist dann das Kuhrennen.»
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«Werden weder dafür genutzt noch gezüchtet»
Laut Esther Geisser, Präsidentin und Gründerin der Tierschutzorganisation ‹Network for Animal Protection› in Esslingen ZH, sind Kühe anatomisch gesehen nicht als Reittiere geeignet. «Sie werden weder dafür genutzt noch gezüchtet», so Geisser gegenüber 20 Minuten.
Das Gewicht der Reiter und das ständige Schlagen mit den Schuhen seien für die Tiere ungewohnt und schmerzhaft. Kühe können sich zudem durch die ungewohnte Umgebung, das Gejohle der Menschenmassen und die laute Musik gestresst fühlen. «Allenfalls werden sie sogar in Angst versetzt.»
«Sie zahlen die Rechnung für diesen Spass»
Die Nutzung der Tiere diene bei diesem Anlass einzig zur Unterhaltung des Menschen. «Berücksichtigt man alle Nachteile, sehen wir das nicht nur generell, sondern hier im Besonderen kritisch», sagt Geisser. Insgesamt solle deshalb von diesem Anlass abgesehen werden. «Nicht weil wir Spielverderber sind, sondern weil andere die Rechnung für diesen Spass bezahlen müssen.»
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Daniela Bertuzzi (dbe) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten im Ressort Regionen-Netzwerk
Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.
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