Teufelsstatue sorgt für Morddrohungen gegen Bürgermeister

- Fast 6000 Menschen haben eine Online-Petition für die Entfernung der Figur unterschrieben.
- Wegen Morddrohungen gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer ermittelt die Polizei; er will die Statue behalten.
- Die Debatte lockt Neugierige an, Souvenir-Shops verzeichnen mehr Nachfrage nach Teufelsmotiven.
Seit rund zwei Wochen steht auf dem Rathausplatz in Esslingen eine ungewöhnliche Bronzestatue: Der Künstler Tim Bengel hat einen Teufel mit langer, ausgestreckter Zunge dargestellt, der eine Zwiebel anstarrt. Sie soll die «Zwieblinger»-Sage verewigen. Diese besagt, dass der Teufel einst Esslingen besuchte und dort auf dem Markt einen Apfel probieren wollte. Die Marktfrau jedoch erkannte ihn und gab ihm stattdessen eine Zwiebel. Seither nennen sich die Esslinger Einwohner selbst «Zwieblinger».
Doch dass das Stück Stadtgeschichte nun in dieser Form verewigt wurde, kommt nicht bei allen gut an, berichtet der SWR. So findet jemand: «Eine Satansfigur auf dem Rathausplatz ist keine Bereicherung, sondern geschmacklos.» Andere sind der Meinung, man solle lieber die Marktfrau darstellen. Eine Online-Petition zur Beseitigung der Teufelsfigur wurde von fast 6000 Menschen unterschrieben.
Was ist dir bei Kunst im öffentlichen Raum wichtiger?
Massiver Widerstand aus der Bevölkerung
«Ein christlich geprägtes Land, ein Weihnachtsmarkt-Stadtzentrum, Familien mit Kindern – die goldene Teufelsfigur sendet Signale, die viele Esslinger nicht mit ihrer Identität verbinden können. Kunst darf provozieren – aber auf einem zentralen Platz sollte sie niemanden ausschliessen oder verletzen», heisst es in der Petition.
Weil neben zahlreicher unsachlicher Kritik auch Morddrohungen gegen den Oberbürgermeister niedergeschrieben wurden, ermittelt inzwischen sogar die Polizei. Oberbürgermeister Matthias Klopfer sagt gegenüber dem SWR derweil: «Keine Frage, die Statue bleibt stehen. Sie bereichert den öffentlichen Raum. Jeder kann stehen bleiben, nachdenken und seine eigene Haltung dazu entwickeln.» Er wünsche sich «Offenheit für Kunst und keine Überhöhung».
Die harsche Kritik wird auch von Klaus-Peter Lüdke, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Esslingen, verurteilt: «Die Kräfte, die dort jetzt die Empörung befeuern, tun unserer Stadt nicht gut. Wir Kirchen in Esslingen, katholisch oder evangelisch, fürchten uns nicht vor dem Teufel.» Und Bengel als Künstler sagt: «Es ist ein bisschen absurd. Vor Ort bekomme ich nur gutes Feedback, und im Internet ist eine ganz andere Welt, als wäre dort eine Parallelwelt entstanden.»
Der Tourismus profitiert
Die Debatte rund um die Teufelsstatue hat laut SWR jedoch positive Auswirkungen auf den Tourismus. Weil die Thematik im Internet grosse Aufmerksamkeit erhält, zieht es unzählige Neugierige nach Esslingen. Souvenir-Shops verzeichnen zudem eine erhöhte Nachfrage nach Mitbringseln mit Teufelsmotiven.
«Ich finde das einfach grandios. Es passt zur Esslinger Geschichte. So ist die Geschichte von der Marktfrau und der Zwiebel so lebendig wie seit hundert Jahren nicht mehr», sagt ein Passant.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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