Konflikt im Jemen – Huthi-Milizen belagern strategisch wichtige Stadt Tais

Seit Wochen belagern Huthi-Milizen die Stadt Tais, das Tor zum Süden Jemens. Die Offensive droht, die fragile Waffenruhe zu beenden und den Krieg neu zu entfachen.
Autor:
16.10.2026, 20:45
Explosionen hallen durch das Stadtzentrum von Tais, die Front ist nur noch wenige Kilometer entfernt. Das berichten Anwohner der Stadt. Die drittgrösste Stadt Jemens ist seit Wochen von den Huthi-Milizen eingekesselt. Für die rund 600'000 Einwohner wird die Lage immer bedrohlicher.
«Es gibt Engpässe bei lebensnotwendigen Gütern», berichtet ein Mann per Sprachnachricht. Er möchte, wie andere auch, aus Sicherheitsgründen anonym bleiben, falls die Huthis die Stadt übernehmen. Die Preise für Lebensmittel und Benzin hätten sich verdreifacht, erzählt ein anderer. «Die Transportkosten sind so hoch, dass wir uns eine Flucht gar nicht mehr leisten können.»
Die Menschen seien gefangen zwischen dem täglichen Überlebenskampf und der Angst vor einer Ausweitung der Gefechte. Diese weckten Erinnerungen an die Zerstörung des Bürgerkriegs.
Das strategische Tor zum Süden
Die Belagerung von Tais ist mehr als nur eine lokale Auseinandersetzung. Die Stadt liegt auf der strategischen Verbindungsachse zwischen der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa im Norden und der Hafenstadt Aden, der Hochburg der Regierungstruppen.
«Wenn die Huthis Tais einnehmen, könnten sie ihren Vormarsch auf Aden fortsetzen», erklärt die Jemen-Expertin Maysaa Shuja Al-Deen vom Sanaa Center für strategische Studien. Eine vollständige Eroberung Adens hält sie zwar für unwahrscheinlich, doch der Fall von Tais sei in den nächsten Tagen durchaus möglich.
Laut der Expertin haben die Regierungstruppen den Huthis wenig entgegenzusetzen und verlieren weiterhin an Boden. Die Hafenstadt Mokka und grosse Teile der Küste am Roten Meer seien nach wie vor fest in der Hand der Milizen aus Sanaa. Dies, obwohl die Regierungstruppen das Gegenteil behaupten würden.
Ein Konflikt mit regionaler Dimension
Das erneute Aufflammen der Gewalt kommt nicht unerwartet. Nach über sieben Jahren Bürgerkrieg mündete der Konflikt 2022 in eine fragile Waffenruhe. «Die Huthis sind auf eine Eskalation aus. Sie planen, die Pattsituation nach dem Waffenstillstand aufzubrechen, da dieser ihnen nichts gebracht hat», so Al-Deen.
Diese Offensive geschehe in Abstimmung mit dem Iran. Teheran betrachte die Kontrolle über wichtige jemenitische Gebiete als strategischen Hebel im regionalen Konflikt mit den USA, insbesondere durch die Blockade der Handelsrouten im Roten Meer. Damit überlappen sich der lokale Bürgerkrieg und der regionale Konflikt.
Eine militärische Lösung hält die Expertin für ausgeschlossen: «Das Land ist zu gross und gebirgig, um es zu erobern.» Sie befürchtet einen langen und schwierigen Abnutzungskrieg. Diese Befürchtung teilen auch viele Menschen in der Regierungshochburg Aden. «Mit Gottes Hilfe ist ihr Vorhaben zum Scheitern verurteilt», meint ein Anwohner der Hafenstadt.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.