«Niemand glaubt, dass er sich bis Ende der Amtszeit halten kann»

- Nach den Wahlschlappen der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern steht Kanzler Friedrich Merz massiv unter Druck.
- Internationale Medien warnen vor einem Machtvakuum in Europa – belgische «De Tijd» schreibt: «Die Schwäche von Merz ist die Schwäche Europas.»
- Merz schloss einen Rücktritt aus, sagte aber seine Reise zur UNO-Generalversammlung in New York ab.
Nach den Wahlschlappen der CDU steht Deutschlands Kanzler Friedrich Merz massiv unter Druck. Internationale Medien sehen nicht nur seine Zukunft gefährdet – sondern warnen auch vor Folgen für ganz Europa.
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Italien
«Corriere della Sera»
Die CDU sei «eine Partei auf der Suche nach einer Leitfigur», die «immer weiter Stimmen verliert und nicht mehr weiss, wofür sie eigentlich steht». Gleichzeitig klammere sie sich noch immer an Merz. Die Krise der Union sei nun «offiziell ausgebrochen» – eine «Krise der Führung, des Programms und der Zustimmung».
Merz sei dabei der «eigentliche Verlierer der Wahl». Entscheidend könnte die Sitzung der Bundestagsfraktion am Dienstag werden, wo «Nervosität und Entmutigung Hand in Hand gehen». Dafür sagte Merz sogar seine Reise nach New York zur UNO-Generalversammlung ab.
Belgien
«De Tijd»
Merz stehe nach den Wahlergebnissen «schwächer denn je» da. Das sei nicht nur für seine Reformagenda ein Problem, sondern für ganz Europa. Der Kanzler habe europäische Führungsstärke versprochen, sich jedoch «vor allem als unentschlossen» erwiesen. Dadurch sei ein «Machtvakuum» entstanden. Das Fazit der Zeitung: «Die Schwäche von Merz ist somit die Schwäche Europas.»
Niederlande
«De Telegraaf»
Deutschland erleide «erneut einen politischen Tiefschlag». Für Merz seien die neuen Wahlergebnisse «äusserst schmerzhaft», nachdem in seiner eigenen Partei bereits «offen über einen Kanzlertausch gesprochen» worden sei. Merz stellte kurz nach Schliessung der Wahllokale klar, dass er nicht zurücktreten wolle und stattdessen sein Reformprogramm umsetzen werde.
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Spanien
«El Mundo»
Die Ergebnisse bestätigen einen «besorgniserregenden Trend»: «Die traditionellen Parteien im Zentrum verlieren an Boden, während extreme Kräfte Aufwind haben.» Die Krise der deutschen Mitte betreffe den ganzen Kontinent. Die Wahlergebnisse seien eine «Warnung» an die etablierten Parteien, mit Reformen auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren.
Polen
«Polityka»
Die Wahlen zeigten, dass sich Deutschlands Mainstream-Parteien «in einer sehr tiefen Krise befinden». In den Augen vieler Wähler sei der politische Mainstream «austauschbar und handlungsunfähig geworden». Obwohl es um Landtagswahlen ging, richte sich der Blick nun auf Merz. Ein Rücktritt des Kanzlers sei aber weiterhin «ein eher unwahrscheinliches Szenario».
«Rzeczpospolita»
Merz selbst habe das Ergebnis seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern als «Desaster» bezeichnet. Trotzdem wolle er sowohl Kanzler als auch CDU-Chef bleiben. Die Zeitung sieht darin ein Problem über Deutschland hinaus: «Die Schwäche des Bundeskanzlers bedeutet eine Schwäche der deutschen Politik.» Ihre düstere Prognose: «Das wahre Erdbeben steht noch bevor.»
Grossbritannien
«The Times»
Merz sei ein «angeschlagener Bundeskanzler» mit nur noch einer Handvoll «unerschütterlich loyaler Freunde». In Berlin wirke die Unterstützung durch seine Vertrauten inzwischen wie «die letzte Verteidigungslinie für einen Kanzler, dem Energie, Ideen und Unterstützer ausgegangen sind».
Trotzdem könnte Merz im Amt bleiben: Es gebe keinen «überragend überzeugenden Kandidaten», der ihn ersetzen könnte. Merz sei «noch lange nicht über den Berg», könnte aber mangels ernsthafter Herausforderer verschont bleiben.
Deutschland
«Bild»
«Die Frage ist inzwischen grösser als Friedrich Merz», schreibt «Bild»-Chefredakteurin Marion Horn. Sie fragt, wie lange die Union dabei zusehen wolle, «wie die politischen Ränder rechts wie links immer stärker werden und sie selbst immer schwächer». Ihr Fazit: «Anhaltende Erfolglosigkeit ist selbstverständlich ein Grund, über die Frau oder den Mann an der Spitze zu reden.»
Mit Material von dpa
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Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
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