Betrug im Rohstoffhandel – ZKB mit gefährdetem Kredit im Rohstoffgeschäft

Worum geht es? Die Zürcher Kantonalbank ZKB soll der Rohstoffhandelsfirma Radiant World ungesicherte Kreditlinien von rund 100 Millionen Dollar gewährt haben. Darüber hat die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Solche Kredite gelten allgemein als riskant. Wenn ein Unternehmen wie Radiant World in Schieflage gerät, drohen hohe Verluste. Die Rohstoffhandelsfirma aus Singapur soll sich Kredite aufgrund gefälschter Unterlagen bei verschiedenen Banken erschlichen haben.
Was sagt die ZKB? Auf Anfrage von SRF gibt die Zürcher Kantonalbank keine Auskunft über den Kredit. Die Höhe der Summe wird weder bestätigt noch dementiert. Die Bank beruft sich auf das Bankgeheimnis. Bestätigt wird von der Kantonalbank allerdings, dass sie den Rohstoffhandel mit Krediten finanziert, also in der Branche aktiv ist.
Passt Rohstoffhandel zur Kantonalbank? Die Aufgabe einer Kantonalbank ist in erster Linie, die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Die ZKB fasst dies nun etwas breiter: «Der Rohstoffhandel ist Teil der Schweizer Wirtschaft und ist von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Entsprechend sind auch wir in der Rohstoffhandelsfinanzierung tätig», schreibt eine Sprecherin der ZKB auf Anfrage von SRF. Und weiter: «Insgesamt ist unser Engagement in diesem Bereich verhältnismässig gering.» Die Finanzierung des Rohstoffhandels mache nur 1.6 Prozent der Gesamtgeschäfte aus. Per Ende 2025 hatte die ZKB im Bereich des Rohstoffhandels ausstehende Kredite von 667 Millionen Franken. Das Portfolio werde laufend überwacht und derzeit gebe es keine Hinweise auf ausserordentliche Ausfallrisiken, betont die Bank.
Das ist Radiant World
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Die beschuldigte Firma gehört zu den weltweit grössten Händlern von Eisenerz. Radiant World ist vor gut 20 Jahren von dem Inder Pinkesh Nahar gegründet worden, der die Firma weiterhin kontrolliert. Auffallend ist der rasche Aufstieg mit immer grösseren Handelsvolumen. Der Umsatz hat sich jüngst auf 12 Milliarden Dollar verdoppelt.
Radiant World übernimmt von Minen das Eisenerz und bringt es zu den Kunden in China und anderen Ländern. Pro Jahr sind es 80 Millionen Tonnen. Aus Eisenerz machen die Firmen Stahl.
Was sind die Vorwürfe? Radiant World wird vorgeworfen, Unterlagen für Kredite gefälscht zu haben. Sie habe Rohstoffgeschäfte vorgetäuscht, die es gar nicht gab. Im Rohstoffhandel sind Kredite entscheidend. Damit werden die Risiken im Transport abgedeckt. Im Geschäft geht es um riesige Summen, weil Rohstoffe so teuer sind.
Welches sind die betroffenen Banken? Der Rohstoffhändler hat ausstehende Kredite bei mehr als 20 Banken. Die Deutsche Bank und die belgische KBC Group haben Teile der Konten von Radiant gesperrt, wie Bloomberg berichtet. Zu den weiteren Kreditgebern gehören Jeffries, Barclays, Sociéte Génerale, Intesa Sanpaolo, die österreichische Raiffeisen und andere. In der Schweiz haben laut Bloomberg verschiedene Banken ausstehende Kredite. Neben der ZKB sind es die Kantonalbank von Genf, die Arab Bank Switzerland sowie Nexent Bank Suisse.
UBS nirgends genannt
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Erstaunlicherweise taucht die Grossbank UBS nirgends auf einer Liste der geldgebenden Banken auf. Das ist insofern bemerkenswert, da die Bank, respektive die Vorgängerin CS, traditionell eng mit der Rohstoffbranche verbunden war. Möglicherweise profitiert die Grossbank nun von der Erfahrung und ist der beschuldigten Firma fern geblieben.
Standbein in der Schweiz: Radiant World hat vor sieben Jahren in Genf an bester Lage am See eine Niederlassung aufgebaut. Damit verschaffte sich das Unternehmen eine direkte Nähe zu den Schweizer Rohstoffhändlern wie Glencore und Vitol, von welchen es lukrative Aufträge gab. Nach den Meldungen zu gefälschten Unterlagen haben die Geschäftspartner neue Aufträge gestoppt.
Was machen die Behörden? Das US-Justizministerium untersucht den Fall. Die Finanzmarktaufsicht Finma in der Schweiz wiederum will sich nicht zu Einzelfällen äussern. Unabhängig vom Fall hält die Finma fest, dass sie jeweils Hinweisen auf mögliche Verstösse gegen aufsichtsrechtlich relevante Unregelmässigkeiten nachgehe. «Dabei prüft die Finma, ob sich aus einem Sachverhalt Hinweise auf Mängel bei einem beaufsichtigten Institut ergeben, beispielsweise im Risikomanagement, in der Organisation oder im internen Kontrollsystem.»
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