Ikonisches Fresko – Köbi Kuhn muss einem Neubau weichen

Noch prangt Köbi Kuhn an der Zentralstrasse 164 in Zürich an der Gebäudefassade. Zehn Meter hoch, im weiss-blauen Trikot des FC Zürich, ist die Fussballlegende in voller Aktion dargestellt. In diesem Trikot hat Kuhn fünf Schweizer Cups gewonnen.
Das Wandbild befindet sich nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo Köbi Kuhn aufgewachsen ist. Gleich gegenüber befand sich früher der Platz des FC Wiedikon, wo der junge Zürcher seine ersten Dribblings auf den Rasen legte.
«Kuhn hat ausschliesslich beim FCZ gespielt, obwohl er auch Angebote anderer Klubs erhielt. Er ist eine Ikone der Vereinsgeschichte», sagt Michael Jucker, Sporthistoriker und Direktor des FCZ-Museums, dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Das Wandbild war 2021 anlässlich des 125. Jubiläums des FC Zürich entstanden. Während mehrerer Tage hatte ein Kollektiv aus der Südkurve mit Zustimmung des damaligen Hauseigentümers an dem riesigen Werk gearbeitet.
Ausgerechnet im 130. Jubiläumsjahr des FCZ soll es nun verschwinden. «Es ist vielleicht ein tragischer Zufall der Geschichte», sagt der Klub-Historiker Jucker dazu.
Der Grund für das Verschwinden ist sehr konkret: Ein neues Gebäude mit elf Wohnungen soll direkt vor der Fassade gebaut werden, auf der Köbi Kuhn gemalt ist. Die neue Liegenschaft wird das Wandbild vollständig verdecken.
Der FCZ-Historiker im Beitrag von RTS:
«Das sind natürlich unangenehme Gefühle, wenn ein Wandbild verschwindet, das so schön ist und eine Ikone darstellt. Die Stadt ist im Wandel, und das ist ein trauriges Zeichen dieser Entwicklung», so Jucker.
Es bleibt: Ein QR-Code
Die Idee, ein neues Wandbild zu realisieren, war zwischenzeitlich erwogen worden. Sie wurde schliesslich aufgegeben.
Für Michael Jucker wäre es ohnehin schwierig, das Werk einfach anderswo zu reproduzieren. «Diese Wandbilder sind in einem historischen Moment verankert und leben in der Gegenwart», argumentiert er. «Und es handelt sich um eine künstlerische Schöpfung. Man malt auch keinen van Gogh nach. In dieser Hinsicht darf man ohnehin nicht versuchen, eine Lösung mit einem identischen Bild zu finden.»
Stattdessen wird eine Tafel am neuen Gebäude angebracht. Sie wird einen QR-Code enthalten, der es ermöglicht, eine Fotografie des Wandbilds abzurufen.
Das monumentale Porträt wird also verschwinden, aber Köbi Kuhn wird nicht vollständig aus dem Quartier vertrieben. Seit 2020, ein Jahr nach seinem Tod, ist an seinem Elternhaus eine bronzene Gedenktafel angebracht, zur Erinnerung an eine der grossen Figuren des Zürcher Fussballs.
Und auch das Wandbild wird nicht völlig verloren sein: Eine Fotografie des Werks wurde im FCZ-Museum aufbewahrt und ist sichtbar.
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