Die alte Migros ist tot – es lebe die Migros!

Warum die Revolution beim orangen Riesen für die Schweiz wichtig ist
Die alte Migros ist tot – es lebe die Migros!
Der orange Riese steht vor dem grössten Umbau seiner Geschichte. Die Migros ist mehr als ein Detailhändler, sie ist ein Stück Schweiz. Wer sie erhalten will, muss sie jetzt verändern: Die alte Migros ist tot – es lebe die Migros. Der Kommentar.
Publiziert: 00:08 Uhr
- Die Migros gehört 2,3 Millionen Genossenschaftern und ist Teil der Schweizer Identität
- Beim Mega-Umbau verlieren die zehn Regionalgenossenschaften ihre Macht
- Nur mit einer radikalen Reform hat die Migros eine Zukunft
Rolf CavalliChefredaktor Blick
Die Migros ist so schweizerisch, dass sie kein Schweizerkreuz braucht.
Das ist nicht mehr selbstverständlich. Toblerone gehört einem amerikanischen Konzern und musste das Matterhorn von der Verpackung nehmen. Ovomaltine ist mittlerweile britisch. Die Swiss ist Teil der deutschen Lufthansa. Novartis, UBS und Nestlé gehören internationalen Aktionären. Wer sie führt, entscheidet der Weltmarkt.
Das ist Globalisierung. Man muss sie nicht verdammen. Aber ein Land braucht auch Unternehmen, die mehr sind als Arbeitgeber, Steuerzahler und Dividendenmaschinen. Unternehmen, mit denen sich die Leute identifizieren. Sie gehören zum Kitt dieses Landes.
Es gibt nicht mehr viele davon: die SBB. Die Post, aber immer weniger. Coop. Und eben: die Migros.
1925 fuhr Gottlieb Duttweiler mit seinen Verkaufswagen durch Zürich. 1941 schenkte er sein Unternehmen der Kundschaft. Heute gehört es 2,3 Millionen Genossenschaftern. Die Migros hat Generationen geprägt, mit der Klubschule, dem Kulturprozent, ohne Alkohol und Tabak im Regal. Sie ist im ganzen Land präsent, von Genf bis an den Bodensee, vom Jura bis ins Tessin. Service public, ohne Staat.
Und jetzt der radikale Umbau. Am Montag hat die Migros angekündigt, ihre zehn Regionalgenossenschaften zu einer Einheitsgenossenschaft zusammenzulegen. Hunderte Stellen werden wegfallen. Das tut weh.
Aber es ist richtig.
Die Migros ist kein Museum. Ihre regionalen Königreiche passten in Duttweilers Zeit. Heute bremsen sie. Im Supermarkt, ihrem Kerngeschäft, ist der Wettbewerb gnadenlos geworden. Die Migros verliert seit Jahren Marktanteile. Coop hat den Schritt vor 25 Jahren gemacht. Ohne Reform landet der orange Riese im Ballenberg, als Erinnerung an die gute alte Zeit.
Auch beim Umbau tickt die Migros wie die Schweiz. Die Genossenschaften sind ihre Kantone, die Genossenschafter ihr Stimmvolk. Entschieden wird an der Urne. In jeder der zehn Genossenschaften braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Wie ein Ständemehr, nur strenger. Das letzte Wort hat das Migros-Volk. Hoffentlich siegt die Zukunft über die Nostalgie.
Es geht um alles. Die Migros muss sich verändern, um nicht unterzugehen. Damit sie bleibt, was sie seit über 100 Jahren ist: ein Laden, der den Leuten gehört. Und den die Leute mögen.
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