– Gekommen, um wieder zu gehen

Rund 40'000 Personen der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung haben die Schweiz seit Anfang Jahr verlassen. Das sind 4.3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gemäss dem Staatssekretariat für Migration (SEM) setzt sich damit ein Trend fort: Seit 2023 steigt die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer, die die Schweiz wieder verlassen.
Rund drei Viertel der Ausgewanderten stammen aus einem EU- oder EFTA-Land. Gemessen an der Bevölkerungsgrösse wanderten im ersten Halbjahr Personen mit indischer oder chinesischer Staatsangehörigkeit überdurchschnittlich häufig aus.
Kategorisierung ausländische Wohnbevölkerung
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Zur ständigen ausländischen Wohnbevölkerung gehören Personen mit einer Niederlassungsbewilligung C, einer Aufenthaltsbewilligung B, einer Kurzaufenthaltsbewilligung von mehr als 12 Monaten sowie anerkannte Flüchtlinge. Zur nichtständigen ausländischen Wohnbevölkerung zählen Personen mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung, die weniger als ein Jahr in der Schweiz wohnhaft sind. Personen im Asylprozess (Ausweis N, S oder F) zählen rechtlich zum Asyl- und nicht zum Ausländerbereich.
Dass bestimmte Gruppen besonders mobil sind, beobachtet auch der Migrationsforscher Gianni D'Amato. Besonders häufig verlassen hochqualifizierte Fachkräfte aus Ländern wie den USA, China, Japan oder Kanada die Schweiz. Rund 70 bis 80 Prozent der Personen aus OECD-Staaten ausserhalb der EU und EFTA gehen laut D'Amato innerhalb von drei bis fünf Jahren wieder. Viele von ihnen werden von einem Unternehmen für ein befristetes Projekt in die Schweiz geschickt – und wüssten deshalb von Anfang an, dass ihr Aufenthalt ein Ablaufdatum hat.
Wirtschaftliche Lage als wichtigster Faktor
Wie lange jemand in der Schweiz bleibt, hängt vor allem von der wirtschaftlichen Situation ab. Viele Menschen kommen wegen einer Arbeitsstelle in die Schweiz, erklärt Gianni D'Amato. Entsprechend spiele die berufliche Situation auch eine wichtige Rolle dafür, ob sie bleiben oder weiterziehen. Wer gute berufliche Perspektiven hat, bleibt eher. Umgekehrt steigt die Wahrscheinlichkeit eines Wegzugs, wenn sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert oder sich anderswo bessere Möglichkeiten bieten.
Die gängige Vorstellung, dass Menschen in die Schweiz kommen und dann sesshaft werden, stimmt so nicht. Viele kommen für eine bestimmte Zeit – und gehen wieder, sobald sie ihre Projekte realisiert haben.
Auch soziale Bindungen spielen eine Rolle: Wer Familie und Freunde im Ausland hat, denkt eher ans Weggehen. Wer hingegen mit Partnerin, Partner oder Kindern in der Schweiz lebt, bleibt eher.
Die Pensionierung als Wendepunkt
Die Pensionierung sei ein weiterer Zeitpunkt, an dem viele Zugewanderte die Schweiz wieder verlassen würden, sagt Gianni D'Amato. Denn mit einer Schweizer Rente kann man sich hierzulande schlicht weniger leisten als in Ländern mit tieferen Lebensunterhaltskosten. Besonders deutlich zeigt sich das beispielsweise bei den Portugiesinnen und Portugiesen, die in den 1980er-Jahren eingewandert sind. Ein Grossteil von ihnen kehrt heute im Rentenalter wieder in ihr Heimatland zurück – weil die Kaufkraft ihrer Schweizer Rente dort höher ist.
Viele Menschen seien sich nicht bewusst, wie mobil Migration tatsächlich sei, sagt D'Amato. Das zeige sich deutlich bei der Betrachtung einzelner Einwanderungskohorten: Von jenen, die 2011 in die Schweiz kamen, waren nach zwei Jahren rund 20 Prozent wieder weg. Nach fünf Jahren waren es 35 Prozent, nach zehn Jahren fast die Hälfte.
«Die gängige Vorstellung, dass Menschen in die Schweiz kommen und dann sesshaft werden, stimmt so nicht. Viele kommen für eine bestimmte Zeit – und gehen wieder, sobald sie ihre Projekte realisiert haben», sagt der Migrationsforscher.
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