«Ich will nicht gefilmt werden!» – Pilates-Streit eskaliert

Im Reformer-Pilates wird gern an der Haltung gefeilt. In Melyssas Kurs in Miami drehte sich die Aufmerksamkeit zuletzt aber um ein Smartphone auf einem Stativ. In einem Tiktok-Video zeigt die Creatorin, wie sie eine Mittrainierende anspricht. Die Kamera der Frau habe direkt auf sie gezeigt, so Melyssa. Sie bittet die Filmende darum, die Kamera anders auszurichten. Diese entgegnet im Clip, es handle sich um den Kinomodus, Melyssa sei gar nicht im Bild.
Für Melyssa geht das trotzdem nicht. «Es sind Frauen wie du, die viele Frauen davon abhalten, mit Fitness anzufangen», sagt sie. Gerade Einsteigerinnen und Einsteiger kämpfen im Studio oft genug mit der eigenen Unsicherheit, da braucht es keine unfreiwillige Nebenrolle in einem Reel.
Wie stehst du dazu, wenn im Fitnessstudio oder im Fitnesskurs andere Personen mitgefilmt werden?
«Ich will nicht beim Sport gefilmt werden!»
Die Kommentare unter ihren Posts zeigen, wie sehr das Thema nervt. Jemand schreibt schlicht: «Ich will nicht beim Sport gefilmt werden.» Eine andere Userin findet: «Dieser Überwachungsstaat ist so erschöpfend. Nicht einmal ein Workout kann man noch geniessen.» Weitere verlangen gleich ein Handyverbot in Kursen oder erzählen von eigenen Erfahrungen. «Ich war mal im Hintergrund eines Videos zu sehen und in den Kommentaren hat man sich über mich lustig gemacht», kommentiert jemand.
Es gibt aber auch Gegenwind: «Du bist in einem öffentlichen Raum» oder «Mach halt Sport bei dir zu Hause», liest man in den Kommentarspalten. Auch die Tatsache, dass Melyssa sich selbst filmt, aber dann so reagiert, wenn sie im Video einer anderen Person zu sehen ist, sorgt bei manchen für Unverständnis.
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Nicht gegen Social-Media-Posts, sondern gegen Rücksichtslosigkeit
In einem zweiten Beitrag stellt Melyssa klar: «Ich greife das Filmen im Unterricht nicht an.» Fitness online sichtbar zu machen, finde sie gut. Ihr Ärger richte sich jedoch gegen eine Person, die ihren Content über das Unbehagen anderer stelle. Das Studio selbst nimmt sie ausdrücklich aus der Kritik.
Aus der Konfrontation soll nun eine Regel werden. Melyssa schlug Studios kamerafreie Pilates-Lektionen ein- oder zweimal pro Woche vor und bot an, solche Angebote zu bewerben. Anschliessend schrieb sie Miamis Bürgermeisterin Eileen Higgins. In ihrem Mail regt sie «angemessene Schutzvorkehrungen für die Privatsphäre in Fitnessstudios» an, konkret gegen das Filmen anderer ohne deren Einverständnis.
Laut einem späteren Update von Melyssa teilte ihr das Büro der Bürgermeisterin mit, die Anliegen würden geprüft. Eine neue Regel ist damit noch nicht beschlossen. Die Debatte zeigt aber: Ein Fitnessstudio ist zwar kein Wohnzimmer, für viele soll es trotzdem ein Ort sein, an dem man ohne Kamerawinkel, Baucheinziehen und spätere Kommentarspalte trainieren kann.
Was gilt in Schweizer Fitnessstudios?
Fitnesspark und Activ Fitness verbieten das Fotografieren und Filmen anderer Personen in der ganzen Anlage ausdrücklich. Bei Activ Fitness ist die Handynutzung während Kursen zudem grundsätzlich untersagt. Ausnahmen müssen mit der Instruktorin oder dem Instruktor abgesprochen werden.
Das Recht am eigenen Bild zählt. Sind Menschen auf Foto oder Video erkennbar, handelt es sich laut Eidgenössischem Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) um Personendaten. Für eine Veröffentlichung braucht es in der Regel ihr Einverständnis, sofern kein überwiegendes Interesse dafür spricht. Ein regulärer Fitnesskurs lässt sich kaum mit einem öffentlichen Sportanlass vergleichen – ob eine Ausnahme greift, hängt vom Einzelfall ab.
Was tun, wenn du gefilmt wirst? Sprich die filmende Person an und zieh bei Bedarf das Personal hinzu. Bitte klar darum, die Aufnahme zu löschen und nicht zu veröffentlichen. Taucht ein erkennbares Bild trotzdem online auf, sichere den Link und verlange die Entfernung.
Hast du auch schon Erfahrungen mit Videoaufnahmen im Fitnessstudio gemacht? Machst du das selbst oder warst du ungewollt Teil eines Videos einer anderen Person?
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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