Nach den Waldbränden – Feuerwehrleute aus Europa schlagen Alarm

«Wenn es einen Waldbrand gibt, dann reden zwei, drei Tage alle über uns», sagt Gerrit Wyns, Feuerwehrmann aus dem belgischen Flandern. «Aber danach ist niemand mehr da, um uns zu helfen.»
Im Süden Europas, an der französischen Atlantikküste oder in Belgien kam es im Sommer zu verheerenden Bränden, teilweise den schlimmsten seit Jahrzehnten. Gefeiert wurden damals die Feuerwehrleute aus ganz Europa, die sich gegenseitig zu Hilfe eilten.
Doch jetzt, wo die Feuer aus sind, fühlen sich viele im Stich gelassen. Tatsächlich zeigen jüngst veröffentlichte Zahlen: Viele Staaten sparen ausgerechnet bei der Feuerwehr.
Europas Feuerwehren demonstrieren
In Brüssel sind deshalb diese Woche Feuerwehrleute aus über einem Dutzend Länder auf die Strasse gegangen – viele mit Helm und jener Vollmontur, mit der sie im Sommer gegen die Waldbrände gekämpft haben. Knapp tausend sind zusammengekommen, von Schweden bis Griechenland und von Slowenien bis Frankreich.
«Wir haben zu wenig Geld bei den Feuerwehren. Europaweit werden Feuerwehrleute entlassen. Dabei nimmt die Zahl der Unglücke, Waldbrände und Überflutungen immer mehr zu», sagt Hardi Tiitus, Gruppenführer bei der Feuerwehr in Mõniste, Estland.
Für die Budgets sind zwar nicht die EU, sondern die Mitgliedstaaten zuständig. Doch die Probleme, sagen die Feuerwehrleute, seien fast überall die gleichen.
Fünf Prozent weniger Feuerwehrleute
Wie Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigen, nimmt die Zahl der Feuerwehrleute in Europa ab – um knapp fünf Prozent zwischen 2024 und 2025. In Bulgarien sank sie um mehr als 20 Prozent, Polen zählt Tausende Feuerwehrleute weniger.
Wir haben Budgets, die nicht mit dem Einsatzwachstum der Feuerwehren Schritt halten.
Auch Frankreich, das in der Gironde mit einem der schwersten Waldbrände in der Geschichte des Landes zu kämpfen hatte, verzeichnete einen überdurchschnittlichen Rückgang um fast 4000 Feuerwehrleute innerhalb eines Jahres.
«Wir haben Budgets, die nicht mit dem Einsatzwachstum der Feuerwehren Schritt halten», sagt deshalb Thibaut Rappe, Organisator der Demonstration und Feuerwehr-Gewerkschafter aus Belgien.
Sparen trotz wachsender Gefahr
Vielerorts stehen die öffentlichen Ausgaben unter Druck, wegen hoher Staatsschulden und weil verstärkt in die Verteidigung investiert wird. Doch selbst im Falle eines Angriffs seien die Feuerwehren zentral, betonen die Einsatzkräfte: Auf den ersten Bildern nach Raketen-Einschlägen in der Ukraine seien immer Feuerwehr-Uniformen zu sehen, erklären sie in Brüssel.
Der Leidensdruck ist inzwischen so gross, dass die Feuerwehren selbst Alarm schlagen. Auf Kartons im Brüsseler Nordquartier steht: «Helden in Not». Und: «Weniger Applaus, mehr Investitionen.»
Ich spüre das Feuer, wenn es vorbei ist.
Feuerwehrfrau Malin Karlsson aus dem schwedischen Småland sagt es so: «Wenn du im Feuer bist, spürst du das nicht, weil du so fokussiert bist.» Aber wenn das Feuer aus sei, fühle man den Körper umso mehr. «Ich spüre das Feuer, wenn es vorbei ist», so Karlsson.
Und jetzt, wo die Feuer vorbei sind, verlangen Europas Feuerwehrleute mehr Unterstützung.
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