Wieso wollen Frauen Sex mit einem Korb-Mann?

- Der Film «Wicker» löst auf Social Media die Frage aus, ob man Sex mit einem Korb-Mann hätte.
- Darin lässt sich eine einsame Fischerin den perfekten Mann aus Korb flechten, um den sie alle Frauen im Dorf beneiden.
- Alexander Skarsgård spielt den Korb-Mann, der die Frau gleichgestellt behandelt und glücklich machen will.
- In der Schweiz kommt der «Wicker» erst am 11. Februar in die Kinos.
«Würdest du Sex mit einem Korb-Mann haben?», fragen sich viele gerade auf Social Media. Auslöser ist der Film «Wicker». Darin lässt sich eine einsame Fischerin (gespielt von Olivia Colman) den perfekten Mann aus Korb flechten. Er trägt sie nicht nur auf Händen, sondern befriedigt sie auch im Bett. Alle Frauen im Dorf beneiden die Fischerin um ihren holzigen Mann – und auch in den Kinosälen in den USA, wo der Film bereits seit dieser Woche läuft, löst er Sehnsucht und Verlangen aus.
Ein Teil des Hypes um «Wicker» lässt sich sicher damit erklären, dass Alexander Skarsgård die Rolle des Korb-Mannes spielt. Trotz aufwendigem Ganzkörper-Kostüm verpasst er dem Charakter eine gewisse konventionelle Attraktivität. Der «Wicker»-Mann ist gross und gut gebaut. «Alexander Skarsgård macht sogar einen Korb sexy», lautet ein Kommentar auf Tiktok.
Was hältst du von der Fantasie, dass ein künstlicher Partner der perfekte Lover sein könnte?
«Wicker» löst mit Sex-Szenen heisse Fantasien aus
Hinzu kommen die zahlreichen intensiven Sex-Szenen im Film, durch die man sich fast gezwungenermassen die Frage stellt, ob ein Korb-Mann der perfekte Lover ist. In der Fantasie spielt es zum Glück keine Rolle, inwiefern Sex mit einem Penis aus geflochtenem Holz befriedigend wäre. Für alle, die diese Frage dennoch beschäftigt, hat das Magazin «Vulture» mit einer Gynäkologin darüber gesprochen. Das grösste Risiko ist laut der Expertin, dass der geflochtene Penis in der Vagina zerbrechen könnte.
«Wicker» regt aber nicht nur die sexuellen Fantasien der Kinogäste an. Auch charakterlich ist der Korb-Mann scheinbar einfach perfekt. Anders als die anderen Männer im mittelalterlichen Dorf behandelt er seine Frau als gleichgestellt, schmeisst den Haushalt, hört ihr zu und will sie glücklich machen. «Ich wurde gemacht, um dich zu lieben», sagt er ihr in einer besonders romantischen Szene.
Der Film wird deshalb online als «feministische Fabel» betitelt. Der «Wicker»-Mann hat keinen Funken Misogynie in sich, da er kein Produkt der Gesellschaft ist, sondern eines Korbflechters. Genau dieser Charakterzug macht ihn bei den Frauen zum Objekt der Begierde. Ein Mann aus Korb ist plötzlich attraktiver als ein Mann aus Fleisch und Blut.
Wieso stehen Frauen auf Monster?
«Wicker» hat diese Sehnsucht nicht erfunden und macht auch nicht als erster Film darauf aufmerksam. Schon «Die Schöne und das Biest», «Edward mit den Scherenhänden» oder «Shape of Water» zeigen Frauen, die sich in Monster verlieben. Die Filme weisen unmissverständlich darauf hin: Die grössten Monster sind oft nicht diese, die unserer Fantasie entspringen, sondern jene, die real sind und mitten in der Gesellschaft leben.
Am Zurich Film Festival feierte «Wicker» Ende September seine Europa-Premiere. Hauptdarsteller Olivia Colman und Alexander Skarsgård stellten den Film persönlich vor. Der reguläre Kinostart in der Deutschschweiz wurde auf den 11. Februar 2027 angesetzt.
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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