Bundespräsident zum Klima – Guy Parmelin zum Hitzesommer: «Muss von Schock sprechen»

Die Hitzewelle hat diesen Sommer die Schweiz hart getroffen. Die Bauern kämpfen gegen Trockenheit und Futtermangel. In den Städten leiden die Menschen unter Rekord-Temperaturen. Bundespräsident und Landwirtschaftsminister Guy Parmelin wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, der Bundesrat habe den Klimawandel verschlafen.
Guy Parmelin
Amtierender Bundespräsident
Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen
Guy Parmelin ist seit 2016 Bundesrat. Der SVP-Politiker wurde 2015 als Nachfolger der zurückgetretenen Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) in die Regierung gewählt. Seit 2019 ist Parmelin Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Er ist 1959 geboren und war bis zu seiner Wahl in den Bundesrat als Meisterlandwirt und -weinbauer tätig. 2003 wurde er für den Kanton Waadt in den Nationalrat gewählt.
SRF News: Bundesrat Albert Rösti sagte kürzlich in einem Interview, er hätte eine derart heftige Hitze nicht erwartet. Das, obwohl Klimaforscher vor solchen Szenarien warnten.
Guy Parmelin: Wir wussten, dass es den Klimawandel gibt. Diese Hitzewelle ist aussergewöhnlich. Und natürlich müssen wir uns auf künftige Trockenperioden vorbereiten, die noch häufiger sein werden.
Sie waren also auch überrascht?
Was die Dauer angeht, ja, was die Intensität angeht, ja. Aber ich lebe in einer Region, die unter Trockenheit leidet. Wir hatten bereits vor dreissig Jahren investiert, um Wasser aus dem Genfer See zu leiten, damit wir bewässern können. Wir hatten die Unterstützung des Bundes. Ich glaube, dass der Schock der aktuellen Trockenheit – denn man muss von einem Schock sprechen in diesem Jahr – dazu führen wird, dass weitere solche Bewässerungs- und Speicherprojekte auf den Tisch kommen. Und man muss alles dafür tun, damit es vorwärtsgeht.
Ich laufe täglich bis zu vier Kilometer. So spare ich CO₂ und tue etwas für meine Gesundheit.
Geht das zu langsam?
Hören Sie, im Leben versucht man, sich an Situationen anzupassen. Derzeit sieht man, dass es diese Art von Trockenheit alle vier oder fünf Jahre gibt. Das ist viel häufiger als früher. Mit dem Klimaphänomen El Niño ist es möglich, dass sich solche Ereignisse weiter häufen.
Klimaforscher Reto Knutti auch: «Wenn wir so weitermachen, sind noch ein paar Grad mehr drin.» Müsste man also nicht nur die Symptome, sondern den Klimawandel intensiver bekämpfen?
Man muss beides tun. Kurzfristig und langfristig. Jetzt bin ich Bundespräsident in einem Jahr, in dem es extreme Hitzewellen und Trockenheit gibt. In meinem letzten Präsidialjahr 2021 waren es die Überschwemmungen. Ich erinnere mich an Luzern, wo die Reuss kurz vor dem Überlaufen war. Auch das sind Auswirkungen des Klimawandels. In einem Jahr ist es also die extreme Hitze, in einem anderen Jahr haben wir zu viel Niederschlag. Das muss uns alle beschäftigen – die Politik, die Bevölkerung, aber auch die Versicherungsbranche und die Forschung. Und genau das versucht der Bundesrat zu koordinieren und künftig besser zu machen.
Der Bundesrat hat die Finanzplatzinitiative abgelehnt. Da geht es darum, dass Schweizer Finanzinstitute weniger in klimaschädigende Projekte investieren sollen. Ist das eine verpasste Chance?
Nein, das glaube ich nicht. Genau dieses Beispiel zeigt: Man kann nicht im Alleingang vernünftig handeln und Normen erlassen, die international nicht anerkannt sind. Dann hat man ein Problem. Was würde passieren? Die Investitionen würden nicht mehr in der Schweiz getätigt, sondern anderswo. Sie würden nach Singapur, nach London oder an andere Finanzplätze fliessen. Erst wenn es internationale Standards gibt, ist der Kampf wirksam und der Wettbewerb zwischen allen Finanzplätzen fair.
Was machen Sie selbst um das Klima zu schonen?
Ich versuche, so viel wie möglich zu tun. Beispielsweise gehe ich morgens zu Fuss ins Büro anstatt mit dem Auto und abends wieder zurück, das macht insgesamt 1,8 Kilometer. Wenn ich dann noch den Bundesplatz überquere und zwei- oder dreimal zum Bernerhof gehe, laufe ich täglich bis zu vier Kilometer. So spare ich CO₂ und tue etwas für meine Gesundheit.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.