TV-Koch rechnet mit ZDF ab: «Tief frustriert und traurig»

- TV-Koch Sebastian Lege verlässt das ZDF nach fast zehn Jahren und wechselt 2027 zu RTL.
- Im Gespräch mit der «Bild» wirft er dem ZDF vor, seine Sendung inhaltlich beeinflusst und neue Ideen blockiert zu haben.
- Die Marke «Besseresser» bleibt beim ZDF – Lege will bei RTL mit seiner eigenen Produktionsfirma «Pausenclown Media» arbeiten.
Fast zehn Jahre lang war Sebastian Lege (47) eines der bekanntesten Gesichter des ZDF. Mit seiner Sendung «Besseresser» deckte er die Tricks der Lebensmittelindustrie auf und erreichte besonders beim jungen Publikum hohe Einschaltquoten. Doch hinter den Kulissen soll es zunehmend Konflikte gegeben haben. Nun erklärt Lege, weshalb er 2027 zu RTL wechselt.
Im Gespräch mit der «Bild»-Zeitung erhebt der TV-Koch und Lebensmittelentwickler heftige Vorwürfe gegen seinen bisherigen Sender.
«Ich habe ein Jahr nicht gut geschlafen»
Lege zufolge habe das ZDF zunehmend Einfluss auf die Sendung nehmen wollen. Anfangs sei ihm sogar Humor verboten worden. Vor zwei Jahren habe man ihm dann vorgeschrieben, was er sagen solle. «Ich sollte negative Dinge dramatisieren und aufplustern», so Lege. Er habe jedoch stets auf sachliche Berichterstattung bestanden. Daraufhin seien entsprechende Aussagen einfach von einem Sprecher vorgetragen worden. «Da wurde ich stinkig», sagt der 47-Jährige.
Auch neue Ideen seien abgelehnt oder gar nicht erst angehört worden. Lege habe stärker über alltägliche Ernährung informieren wollen, positive Beispiele zeigen und so lokale Bäckereien und Metzgereien unterstützen wollen. «Irgendwann war ich tief frustriert und auch richtig traurig. Ich habe ein Jahr nicht gut geschlafen», sagt er.
ZDF habe erst kurz vor seinem Wechsel reagiert
Nachdem Lege Verhandlungen mit RTL aufgenommen hatte, habe er das ZDF informiert. Doch zunächst sei ihm der Sender weiterhin ablehnend begegnet. Erst drei Tage vor der Vertragsunterzeichnung habe das ZDF das Gespräch gesucht. Da seien die Differenzen bereits zu gross gewesen.
Dass man ihn trotz seiner Erfolge beim jungen Publikum ziehen liess, habe ihn erschüttert. Schliesslich kämpfe das ZDF mit einem alternden Publikum.
«Das Finanzielle war nicht ausschlaggebend»
Mehr Geld sei nicht der Grund für seinen Wechsel gewesen. Die höhere Gage bei RTL bezeichnet Lege als «nur ein Schnapsglas mehr». Entscheidend sei die kreative Freiheit. Bei RTL könne er seine Vorstellungen umsetzen und fühle sich menschlich besser behandelt.
Als Beispiel nennt er auch die Geburtstagsgrüsse: RTL habe ihm jedes Jahr gratuliert, vom ZDF habe er dagegen nie etwas gehört.
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Abschied von «Besseresser» schmerzt
Trotz der Kritik fällt Lege der Abschied schwer. Die erfolgreiche Marke «Besseresser», die er gemeinsam mit dem ZDF aufgebaut hat, bleibt beim Sender. «Da steckt ganz viel Herzblut von mir drin. Natürlich tut es weh, das zurückzulassen», sagt er.
Ab 2027 will Lege seine Sendungen für RTL mit seiner neu gegründeten Produktionsfirma «Pausenclown Media» selbst produzieren. Bereits seit 2023 moderiert er bei Vox «Lege kommt auf den Geschmack». Eine Stellungnahme des ZDF zu Leges Vorwürfen liegt im Bericht nicht vor.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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