Umweltskandal Blausee – Chef: «Wir mussten mit den Preisen am Markt konkurrieren»

Was ist passiert? Über Jahre wurde im Steinbruch Mitholz im Berner Oberland mutmasslich tonnenweise belastetes Material abgeladen. Das Material kam aus Waschanlagen für Kies und Beton.
Wer steht vor Gericht? Der Chef einer Berner Transportfirma muss sich ab Mittwoch vor dem bernischen Wirtschaftsstrafgericht verantworten.
Wie lautet die Anklage? Der Mann soll seine Chauffeure dazu angestiftet haben, belastetes Aushubmaterial nicht in einer regulären Deponie zu entsorgen, sondern im Steinbruch Mitholz und in anderen Gruben in der Schweiz. Das haben Recherchen der SRF‑Sendung «Rundschau» und der Tamedia-Zeitungen 2021 öffentlich gemacht. Im Auftrag des Chefs sollen die Chauffeure Lieferscheine gefälscht und damit das belastete Material als sauberen Aushub deklariert haben. Dem Mann werden unter anderem Betrug, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Gewässerschutzgebiet vorgeworfen. Das Urteil wird am 10. November erwartet, es gilt die Unschuldsvermutung.
Was sagt der Angeklagte? Vor Gericht sagt der Angeklagte, ihm sei bewusst gewesen, dass im Material «manchmal etwas Ziegel oder Beton drin sein könnte». Aber er habe gedacht, wenn auch Schotter im Steinbruch verlocht werde, könne es wohl nicht so schlimm sein, wenn im Material auch mal Ziegel oder Beton drin seien. Auf die Frage, weshalb er das Material in den Steinbruch Mitholz gebracht habe, antwortet der Geschäftsführer: Er habe immer auch Material aus dem Steinbruch verkauft und die Lastwagen sollten nicht leer dorthin fahren. «Wir mussten mit den Preisen am Markt konkurrieren.»
Weshalb führte das zu einem Umweltskandal? Der Steinbruch Mitholz ist keine Deponie. Um ihn wieder aufzufüllen, dürfte nur unverschmutzter Aushub verwendet werden. Denn der Steinbruch ist in einem Gebiet, das in einer Gewässerschutzzone liegt. Eineinhalb Kilometer oberhalb des Tourismusmagnets und der Forellenzucht Blausee. Dort sind ab 2018 Tausende von Forellen gestorben. Die Besitzer des Blausees sind überzeugt, dass das Fischsterben auch mit dem belasteten Material zusammenhängt. Allerdings ist dieser Vorwurf bis heute nicht bewiesen.
Nicht der einzige Fall: Bereits 2020 kam ans Licht, dass der Steinbruch Mitholz illegalerweise als Deponie benutzt wurde. Und zwar für belastetes Material der BLS-Baustelle beim Lötschbergtunnel. Allerdings blieb dieser Fall ohne strafrechtliche Konsequenzen. Das Verfahren gegen die BLS wurde vergangenes Jahr eingestellt. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern begründete dies damit, dass die zuständigen Personen nicht hätten wissen können, dass im Steinbruch keine verschmutzten Materialien gelagert werden dürfen.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 4.11.2026, 6:31 Uhr ; swak;buec;liea
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