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Sunday, November 8, 2026

Der neue Obama

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Seinen Namen muss man sich merken: Der neu gewählte Senator Abdul El-Sayed erinnert in vielem an Barack Obama.

Publiziert: vor 11 Minuten

  • Kein demokratischer Politiker wird vom Trump-Lager so verteufelt wie Abdul El-Sayed
  • Der neu gewählte Senator hat viele Gemeinsamkeiten mit Barack Obama
  • Seine Lockerheit und Schlagfertigkeit machen ihn zum Politstar
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Marco LüssiBlattmacher

Im Wahlkampf für die Midterms zeigte sich: Die Demokraten haben zahlreiche junge Talente, die die Massen begeistern können. Etwa Jon Ossoff (39), wiedergewählter Senator von Georgia. Oder James Talarico (37), der im tief republikanischen Texas sensationell einen Senatssitz erobert hat. Einer aber überstrahlt auch diese beiden Jungstars: der neue Senator von Michigan, Abdul El-Sayed (42).

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Kein Kandidat wurde von den Republikanern – und auch von Trump persönlich – so sehr angegriffen wie El-Sayed, ein in Detroit geborener Muslim mit Wurzeln in Ägypten. El-Sayeds scharfe Kritik an der israelischen Regierung wurde als Antisemitismus gedeutet, ja sogar Sympathien zur Muslimbruderschaft wurden ihm unterstellt. Geschadet hat es ihm nicht.

Selbstischer und schlagfertig

El-Sayed, ein studierter Mediziner, verfügt über viel Charisma und eine unerschütterliche Selbstsicherheit – und schlägt seine Gegner mit einer effektiven Waffe: seinem Humor. Auf den Vorwurf, er wolle die Gesetze der Scharia einführen, erwidert er wahlweise, er glaube vielmehr an «Shakira Law» – «die Hüften lügen nicht» – oder er wolle lieber «Shawarma Law» – «es gehört kein Kopfsalat rein, sonst ist es kein Schawarma, sondern ein Sandwich», sagt er mit Bezug auf die arabische Fleischspezialität.

Als Trump El-Sayed als «Dschihadisten» bezeichnete und sagte, wenn dieser gewählt werde, brauche es vor dem Senat einen Metalldetektor, antwortete der: «Ich gehe gern durch den Metalldetektor, wenn Trump sich bereit erklärt, sich an einen Lügendetektor zu setzen.»

Obama machte El-Sayed Mut

Auch seine Siegesrede nutzte El-Sayed, um seine Gegner zu schmähen: An die Adresse von Vizepräsident J. D. Vance (42), der ihn besonders hart attackiert hatte, sagte er, es sei von einer «köstlichen Ironie», dass ausgerechnet Vance die Aufgabe haben werde, ihn für sein neues Amt zu vereidigen. Und gerichtet an Trump, der es nie schafft, seinen Namen richtig auszusprechen, sagte El-Sayed: «Es ist kein Problem, Donald, künftig kannst du mich einfach Senator nennen.»

Die Lockerheit und die rhetorische Brillanz, mit der El-Sayed auftritt, erinnert viele an Barack Obama. Tatsächlich sei es Obama gewesen, der ihn überhaupt auf die Idee gebracht habe, eine politische Karriere einzuschlagen, erzählt El-Sayed. «Dass jemand namens Barack Hussein Obama zum Präsidenten gewählt wurde, liess mich erst daran glauben, dass auch jemand mit meinem Namen eine Chance haben würde.»

Einst von Clinton entdeckt

Obama hat El-Sayed im Wahlkampf in Michigan unterstützt. Als seinen Entdecker kann man jedoch einen anderen Ex-Präsidenten bezeichnen: Bill Clinton war anwesend, als El-Sayed vor 23 Jahren an der University of Michigan die studentische Abschlussrede hielt. Daraufhin habe Clinton ihn aufgefordert, in die Politik zu gehen, erzählt El-Sayed.

El-Sayed gehört dem progressiven Flügel der Demokraten an und ist dem Establishment der eigenen Partei ein Dorn im Auge. Doch sein Wahlerfolg zeigt, dass er breite Wählerschichten ansprechen kann.

«Er lässt sich von niemandem etwas vorschreiben»

Könnte der nächste Präsident der USA also Abdulrahman Mohamed El-Sayed heissen? Abwegig ist diese Frage nicht. Entscheidet er sich für eine Kandidatur, könnte er überraschen wie einst Obama. El-Sayeds Ehefrau Sarah Jukaku, eine Muslimin mit Wurzeln in Südindien, sagt über ihren Mann: «Abdul lässt sich von niemandem vorschreiben, was er tun oder sagen soll. Ausser vielleicht von mir. Manchmal.»

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