Schweizer Firmen erpresst: Polizei schnappt Hacker-Anführer (16)

- Bei der internationalen Operation «KillSwitch» wurden drei Mitglieder der Ransomware-Gruppe KillSec verhaftet, darunter der 16-jährige mutmassliche Anführer.
- Die Ermittler übernahmen die Kontrolle über die Leak-Seite der Gruppe und sicherten mindestens 110 Terabyte Daten.
- Auch mehrere Schweizer Unternehmen wurden zwischen Oktober 2023 und Juni 2025 von KillSec angegriffen; Fedpol war an der Operation beteiligt.
Bei einer internationalen Operation gegen eine Cybercrime-Gruppierung hat die Polizei drei Tatverdächtige, darunter einen 16-Jährigen, festgenommen. Zudem seien in Griechenland, Rumänien, Spanien und Grossbritannien acht Objekte durchsucht worden, teilte die Polizei Hamburg mit. Dabei seien Server, Endgeräte, Datenbestände und Vermögenswerte sichergestellt worden.
Über 1000 Terabyte Daten gesichert
Die Massnahme erfolgte den Angaben zufolge im Rahmen der Operation «KillSwitch», einer internationalen Ermittlung unter der Leitung deutscher Behörden zu rund 1000 mutmasslichen Cyberangriffen weltweit, davon mindestens 70 in Deutschland und derzeit 18 mit Bezug zu Hamburg. Wie die Schweizer Bundesanwaltschaft schreibt, wurden zwischen Oktober 2023 und Juni 2025 auch «mehrere Schweizer Unternehmen» von Angriffen der Gruppe getroffen.
Die Strafverfolgungsbehörden haben den Angaben zufolge am Mittwoch die Kontrolle über die Leak-Seite der Cybercrime-Gruppierung KillSec übernommen und mindestens 110 Terabyte Daten gegen unbefugten Zugriff gesichert. Die Gruppierung hatte die Seite den Ermittlungen zufolge genutzt, um Organisationen mit der Veröffentlichung zuvor entwendeter Daten zu drohen, sofern diese kein Lösegeld zahlten. In einigen Fällen sei tatsächlich viel Geld geflossen.
Gruppe nutzte KI
Die Gruppe habe auch KI genutzt, um ihre Ransomware-Infrastruktur aufzubauen, zu betreiben und potenzielle Opfer zu identifizieren. Insgesamt seien bislang rund 500 mutmasslich erfolgreiche Angriffe identifiziert worden. Die Ermittlungen liefen seit Anfang 2025.
Als mutmasslichen Administrator und Hauptbetreiber der seit etwa 2024 aktiven Gruppierung identifizierten die Behörden einen 16-Jährigen. Ein tatverdächtiger Entwickler sei im August 18 Jahre alt geworden. Darüber hinaus identifizierten die Behörden eine Person in einer Verhandlungs- sowie eine weitere Person in einer Vertriebspartner-Rolle.
LKA Hamburg leitete Operation gegen KillSec
Geleitet wurde die Operation gegen KillSec vom Landeskriminalamt Hamburg und der Staatsanwaltschaft Hamburg. Beteiligt gewesen seien Behörden aus Belgien, Finnland, Deutschland, Griechenland, den Niederlanden, Rumänien, Spanien, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Auch Europol und Eurojust seien in die Ermittlungen eingebunden gewesen.
«Nach der «Operation Medusa» gegen sexualisierte Gewalt an sedierten Personen ist der internationale Schlag gegen die Gruppierung KillSec bereits die zweite internationale Operation innerhalb weniger Monate, an der das Hamburger LKA massgeblich beteiligt war», erklärte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Die Operation sei auch ein Signal an alle, «die sich in der scheinbaren Anonymität des Internets in Sicherheit wiegen und schwerste Straftaten verüben».
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
