Frühstartrente beschlossen: Kinder am Kapitalmarkt

Der Bundestag hat den Zuschuss von zehn Euro pro Monat für Kinder beschlossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Am Freitag hat der Bundestag die sogenannte Frühstartrente beschlossen. Was ist das?
Ab dem kommenden Jahr erhalten alle Kinder ab sechs Jahren, die mit ihrem ersten Wohnsitz in Deutschland gemeldet sind, pro Monat zehn Euro vom Staat für den Aufbau einer Altersvorsorge. Als Erstes kommt der Geburtsjahrgang 2020 in die Förderung und erhält den Zuschuss rückwirkend schon für das laufende Jahr 2026. Danach kommt jedes Jahr ein neuer Jahrgang dazu. Das Geld gibt es bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.
Was geschieht mit dem Zuschuss?
Der Zuschuss wird am Kapitalmarkt angelegt, also zum Beispiel in einem weltweit anlegenden Aktienfonds. Dafür schließen die Eltern einen Vertrag mit einem Anbieter von Altersvorsorge-Depots ab, etwa bei einer Bank. Der Anbieter übernimmt dann die konkrete Anlage des Geldes. Verzichten Eltern auf einen Vertragsabschluss, wird automatische bei der Bundesbank ein Altersvorsorge-Depot für das Kind eingerichtet und dort verwaltet. So wird sichergestellt, das jedes Kind von der Frühstartrente profitiert.
Können Kinder das angesparte Guthaben mit 18 einfach verjubeln?
Das ist nicht der Fall. Erst mit dem vollendeten 65. Lebensjahr wird das Guthaben freigegeben. Ziel der Förderung ist, dass die jungen Leute bei Volljährigkeit den Grundstock für ein Vermögen in ein ebenfalls gefördertes Altersvorsorgedepot übertragen und so bis zum Rentenalter einen beträchtlichen Kapitalstock ansammeln.
Wie viel bringt der Zuschuss den Kindern?
Bis zum 18. Geburtstag überweist der Staat jedem Kind 1.440 Euro. Zusammen mit dem bis dahin anfallenden Erträgen soll der Depotwert auf 2.200 Euro ansteigen. Wird der Vertrag bis zum Rentenalter weiterhin mit zehn Euro aus eigener Tasche bedient, kommt am Ende nach Berechnung des SPD-Finanzpolitikers Michael Thews ein Vermögen von 53.000 Euro zusammen.
Dürfen die Eltern oder Großeltern noch etwas drauflegen?
Bis zu 6.840 Euro im Jahr dürfen privat zusätzlich eingezahlt werden. Die Erträge aus dieser Anlage bleiben ebenso wie die aus dem Zuschuss des Staates bis zur Auszahlung im Rentenalter steuerfrei. Damit können je nach Möglichkeiten der Eltern und der später erwachsenen Kinder bis zum Rentenalter sechsstellige Vermögen zusammenkommen.
Gibt es schon Angebote für Verträge für die Frühstartrente?
Das ist noch nicht der Fall. Startpunkt ist der 1. Januar 2027. Bis dahin werden Unternehmen ihre Angebote auf den Markt bringen. Neben privaten Finanzfirmen soll auch der Staat ein Standard-Depot anbieten. Wann dieses öffentlich verwaltete Depot an den Start geht, ist noch offen.
Mit welchen Kosten rechnet der Bund?
Im kommenden Jahr rechnet der Bund mit Kosten von 198 Millionen Euro. Der Aufwand steigt dann von Jahr zu Jahr an, bis alle Kinder von der Frühstartrente erfasst werden. 2030 kostet der Zuschuss schon 411 Millionen Euro.
Was verspricht sich der Staat von der Förderung?
Die Bundesregierung verfolgt zwei Ziele. Erstens soll die Finanzkompetenz von Eltern und Kindern wachsen, zweitens sollen Kinder schon frühzeitig Vermögen aufbauen und Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt machen.
Damit das auch wie erhofft klappt, will der Bund die Finanzbildung in Deutschland ausbauen. So sollen zum Beispiel die Anbieter der Frühstartrente leicht verständliche, transparente und aktuelle Informationen über die Entwicklung der Depots bereitstellen. Auch können Kinder den Stand ihres Depots jederzeit online aus ihren Renteninformationen bei der Deutschen Rentenversicherung abfragen. Anders gesagt: Das Depot soll Spaß an Finanzfragen wecken.
Gibt es auch Kritik an der Frühstartrente?
Das Gesetz wurde von den Oppositionsparteien aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Die Linke sieht darin keinen Beitrag zu mehr Chancengleichheit, weil gut situierte Eltern noch steuerlich begünstigt fast bis zu 7.000 Euro im Jahr dazugeben dürfen, was ärmere Mütter und Väter nicht können. Außerdem bemängelt die Linke eine staatliche Parteinahme für Aktien als Geldanlage.
Auch die Grünen sehen eher eine Festigung sozialer Unterschiede denn mehr Chancengleichheit aller Kinder. Ganz anders argumentiert die AfD. Sie wollte per Antrag ein Junior-Spardepot einführen, bei den der Staat jedem neugeborenen Kind bis zum 18. Geburtstag monatlich 100 Euro zuschießt. Der Antrag wurde abgelehnt.
Umweltorganisationen kritisieren wiederum, dass das Geld keine nachhaltigen Geldanlagen der Depotanbieter vorschreibt.
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