Nach Macklemore-Rauswurf – Wie Ed Sheeran in die Defensive geriet

Wegen des pro-palästinensischen Statements «Free Palestine» wurde der US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Ed Sheeran gestrichen. Bereits früher hatten Äusserungen seinerseits Debatten ausgelöst. Aus Solidarität haben nun alle vier Vorbands ihre Auftritte abgesagt. SRF-Musikredaktor Gregi Sigrist ordnet ein.
Gregi Sigrist
Musikredaktor
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Sigrist ist Musikredaktor beim Radiosender SRF 3. Online schaut er in seinem Musik-Blog auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.
Was ist genau passiert?
Macklemore wurde vom Tour-Veranstalter ausgeladen. Daraufhin stiegen alle anderen Support-Acts inklusive der eigenen Begleitband aus. Es war ein Akt der Solidarität gegenüber Macklemore. Sheeran versuchte, so kommunizierte er auf Social Media, zu schlichten und zu vermitteln. Jedoch ohne Erfolg. Weiter schrieb er: Seine Konzerte seien ein Ort des Zusammenkommens – kein politisches Forum. Trotzdem betonte er, dass er Macklemores Haltung respektiere – aber eben einen anderen Ansatz habe, mit der Situation umzugehen.
Diese Vorbands solidarisieren sich mit Macklemore
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Bild 1 von 5. Finneas O'Connell, Bruder und Produzent von Weltstar Billie Eilish, schrieb: «Künstlerinnen und Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden.». Bildquelle: Jordan Strauss / Invision / AP.
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Bild 2 von 5. Der Ire Aaron Rowe begründete seinen Ausstieg auf den sozialen Medien unter anderem wie folgt: «Ich würde jeglichen Respekt vor mir selbst verlieren, wenn ich einfach so weitermachen würde wie bisher.». Bildquelle: Scott A Garfitt / Invision / AP.
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Bild 3 von 5. Die dänische Popband Lukas Graham (im Bild: Sänger Lukas Forchhammer) sagte ebenfalls ihre Teilnahme ab. «Wir sollten über Krieg sprechen können, über getötete Zivilisten, über Kinder, die es verdienen, aufzuwachsen. Wo auch immer sie leben. Welche Flagge auch immer über ihnen weht», schrieb Forchhammer in den sozialen Medien. Bildquelle: EPA / HELLE ARENSBAK.
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Bild 4 von 5. Die irische Gruppe Beoga, die mit Sheeran mehrere Songs geschrieben hat, erklärte: «Wir sind Iren, die Kolonialismus kennen.». Bildquelle: Instagram / beogamusic.
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Bild 5 von 5. Sänger Ed Sheeran (rechts im Bild) tourt derzeit mit seiner «Loop»-Tour durch die USA. Als Vorband war unter anderem der Rapper Macklemore engagiert – bekannt durch Hits wie «Thrift Shop», aber auch für seinen politischen Aktivismus. Bildquelle: AP Photo.
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Warum ist die Empörung über Ed Sheeran so gross?
Im Statement von Ed Sheeran fehlte eine klare Haltung und das wird ihm nun zum Verhängnis. Und damit meine ich nicht, dass er sich über den Nahostkonflikt klar hätte äussern müssen – das ist nicht der Punkt. Er hätte sich aber zur «Free Speech»-Debatte klarer äussern müssen. Die Situation ist nun mal so, dass Robert Kraft, Multimilliardär, Sportfunktionär und Stadionbesitzer, darüber entschieden hat, was auf seinen Bühnen gesagt werden darf – und was eben nicht.
Was sagt dieser Fall über politische Haltungen in der Musikbranche aus?
Es zeigt uns, dass wir in einer Zeit leben, in welcher auch ein Multimilliardär Künstlerinnen und Künstler nicht einfach kaufen kann. Das zeigt sich in der Reaktion der anderen Bands, die sich dazu entschieden haben, ebenfalls aus der Tour auszusteigen. Wir leben in einer hochpolitischen Zeit und das geht auch an der Pop-Welt nicht vorbei.
Ist dieser Fall besonders kontrovers, weil es um den Nahostkonflikt geht, oder hätte das auch bei anderen politischen Themen passieren können?
Natürlich ist dieser Konflikt und die damit verbundene Debatte ganz besonders aufgeheizt. Die Geschichte ist daher sicher heikler als andere politische Themen. Die Thematik, was auf eine Bühne gehört, ist gerade sehr aktuell. Kürzlich war das Glücksgefühle-Festival in Deutschland in den Schlagzeilen. Dort wurde die Band Alphaville ausgeladen, weil sie sich auf der Bühne regelmässig politisch äusserte. Ein Aufschrei im Netz folgte, die Band erlebte eine Welle der Solidarität. Ein Festival, das nicht politisch sein wollte, wurde letztlich umso politischer.
Wie nachhaltig kann der Schaden für eine Musikerin oder einen Musiker sein?
Im Fall von Ed Sheeran kann man sagen, dass er im Moment klar als Verlierer dasteht. Er wollte sich irgendwie clever aus der Affäre ziehen. Das ist ihm nicht gelungen. Daher verliert er im Moment auch an Followern auf den sozialen Medien, während die Zahlen bei Macklemore und den anderen Bands, die aus Solidarität ausgestiegen sind, eher zunehmen. Ich gehe allerdings davon aus, dass sich die Aufregung um Ed Sheeran in den nächsten Tagen und Wochen legen wird. Gerade, weil er als Musiker für unbeschwerten, unpolitischen Pop steht. Er ist eine Hitmaschine, die nicht aneckt – seine Songs sind Teil der DNA der weltweiten Hit-Radios und ich denke nicht, dass dieser Vorfall nachhaltig schädigend an ihm hängen bleibt.
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