Ausstellung in Reykjavik – Botanisch bis animalisch: Björks Masken verwischen die Grenzen

Masken, die aussehen, als würden sie gerade noch wachsen. Die das Gesicht umranken, teilweise verdecken, teilweise erweitern. Die isländische Musikerin Björk verwandelt sich mit den Masken – zusammen mit ihren ausgefallenen Kostümen – in Wesen, die schwer einzuordnen sind. Halb Mensch, halb Pflanze oder halb Tier.
Die Perle vor dem Auge
«Ich suche die Unschärfe, das Verwischen von Grenzen», sagt James Merry, der Macher von Björks Masken. «Ich bin dann fertig mit einer Maske, wenn man sie anschaut und nicht richtig sagen kann, was es ist.» Seine Werke hätten nicht zum Ziel, das Gesicht zu verstecken, wie etwa venezianische Masken. Es gehe vielmehr um eine Transformation.
«Das Gesicht fasziniert mich, weil es so eine sensitive Stelle für die Wahrnehmung ist – in der kleinsten Regung erkennt man Emotionen», so Merry. «Darum macht es Spass, damit zu spielen.» So lässt er goldene Drähte scheinbar aus Nase und Mund wachsen oder platziert irisgrosse Perlen direkt vor den Augen.
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Bild 1 von 6. «Metamorphlings», so heisst die aktuelle Ausstellung in Reykjavik. Darin zu sehen? Etwa die Maske «Greenman», 2017, hier getragen vom Künstler selbst. Die stilisierten Laubblätter sind zwar nicht grün, dafür aber aus feinstem Edelmetall. Bildquelle: Courtesy of the artist/Photo Tim Walker.
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Bild 2 von 6. Eigentlich kreiert er seine Masken aber für Björk, eine der eigenwilligsten Stimmen der zeitgenössischen Musik. Hier im Orchideen-Dress. Und natürlich: mit Orchideen-Maske. Bildquelle: Getty Images/Santiago Felipe/Kontributor.
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Bild 3 von 6. James Merry hat seine Wurzeln in der Stickerei. Das zeigt sich bei Masken wie «Vocal Chord» hier in der Mitte, bei der das Zentrum der Maske vom Stimmorgan ausgeht. Bildquelle: James Merry/National Gallery of Iceland.
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Bild 4 von 6. «Ghost Orchid», 2016: Orchidee, Farn oder Teufelshorn? Gerade diese Uneindeutigkeit macht den Reiz von James Merrys Masken aus. Bildquelle: James Merry/Sadie Cook.
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Bild 5 von 6. «Gold Medusa», 2021. James Merry bezieht sich gerne auf Mythologie. Hier sind die Schlangen des griechischen Medusenkopfes in goldenen Haarwellen zu erahnen. Aber ob das kombiniert mit Scheinwerferlicht nicht etwas arg heiss wird? Bildquelle: James Merry/Sadie Cook.
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Bild 6 von 6. So wirkt die güldene Maske im Bühneneinsatz: getragen von Björk bei einem Konzert im norwegischen Bergen. (3.8.2022). Bildquelle: Getty Images/Santiago Felipe/Kontributor.
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Die Inspiration für seine Masken komme fast immer aus der Pflanzen- oder Tierwelt. «Ich habe Hunderte von Ordnern mit botanischen oder anatomischen Abbildungen. Sehr spezifische Dinge, Mikroskopisches, oft auch Verborgenes. Das versuche ich zu externalisieren.»
James Merry arbeitet für die Masken mit verschiedensten Materialien, hat seine Wurzeln aber in der Stickerei. «Für mich ist die Arbeit mit Draht, als wäre es immer noch ein Faden. So bin ich zum Metall gekommen, und von da zum 3D‑Druck», erklärt er. «Ich bin etwas rastlos und will immer Neues ausprobieren. Bei praktisch jeder Maske bringe ich mir etwas Neues bei.»
Eintauchen in Björks Welten
Seit 2015 kreiert der britische Künstler, der in Island lebt, die Masken für Björk. Die Faszination für Natur und neue Technologie verbinde die beiden. In einer Doppelausstellung von James Merry und Björk sind sie derzeit in der Isländischen Nationalgalerie in Reykjavik zu sehen.
Für Björk waren die Masken das fehlende Puzzlestück in ihrem «World Building» – dem Aufbau ganzer visueller Welten rund um ihre Musikalben. James Merry arbeitet mit den Farben und Formen aus dieser Welt und setzt damit Björks Vision in immer neuen Masken um.
Für das Album «Utopia» (2017) etwa habe Björk sich Masken gewünscht, die aussähen, als wären sie Teil ihrer Haut – entstanden sind anatomisch-florale Silikon-Masken, die tatsächlich aus der Nasenwurzel oder Stirn zu wachsen scheinen. Musikvideos aus Björks jüngstem Schaffen sind in der Ausstellung als Installationen im Raum erlebbar, zu «Sorrowful Soil» und «Ancestress» (Album «Fossora», 2022).
Kleine Insel, kreative Zusammenarbeit
Für Pari Stave, leitende Kuratorin der isländischen Nationalgalerie, ist das Ausdruck dafür, wie Björk ihr Schaffen auch durch die Zusammenarbeit mit anderen weitertreibt – so wie mit James Merry auch mit Filmemachern, Kostümdesignern oder Toningenieuren. Das sei typisch für Island: «Die Insel ist klein, da ist es nur natürlich, dass man voneinander weiss, wer was kann und sich zusammentut.» Björk sei für sie die wichtigste Künstlerin des Landes. «Sie ist eine unglaublich innovative Musikerin und lotet immer wieder neue Grenzen aus – von sich selber und ihrer Musik.» 2027 erscheint Björks nächstes Album.
Ausstellungshinweis
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Die Ausstellung «Metamorphlings» ist noch bis zum 18. Oktober in der Nationalgalerie Islands in Reykjavik zu sehen.
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