The Jerusalem PostRussians vote in election that Putin sees as barometer of public support for his war in UkraineESPN DeportesRed Sox sorprende a Rangers con jonrón en la octava y evita la barridaESPN'That place was electric': Bills marvel at new stadium after 41-point nightDaily MaverickConsistency proved key in Sinesipho Dambile’s remarkable yearInquirerGatchalian flags P295-M fees paid due to transport project delaysRTP DesportoAdeptos do Torreense falam em vitória históricaוואלהבית המשפט קיבל את עתירת אגם צרפי ומתח ביקורת על שב"סAntara NewsTomorrow, Jakarta to turn off lights for 60 minutes for Ozone DayVanguardLagos youths trained to spot fake news, manipulated contentTVN24W weekend pożegnamy lato. W tej prognozie widać śniegХабрЭволюция пайплайна метрик: как менялась архитектура с ростом нагрузкиn-tvDeutsche Fahne "zurückholen"?: Warum der Kanzler sich besser nichts von Jürgen Klopp abguckt
The Daily Newsstand · Free, Always
Friday, September 18, 2026

Gastronomie: Wie Kassen zum Einfallstor für Betrug werden

Translate

Wer kennt es nicht: das Schild an der Restauranttür – "Keine Kartenzahlung möglich". Was für Gäste vor allem lästig ist, kann für die Finanzbehörden ein Hinweis sein: Werden Umsätze verschwiegen?

15.09.2026 | 9:35 min

Knöchel klopfen auf die Theke eines Restaurants in Hamburg. "Cash only", blafft der Mann dahinter. Keine Kartenzahlung? "Nein, schon seit 25 Jahren nicht", lautet seine Antwort.

ZDF frontal macht Testbesuche in der Hansestadt, begleitet von Florian Köbler. Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft vertritt Beamte und Angestellte in Finanzämtern - und kommentiert die Szene: "Dem Betrug werden die Scheunentore aufgemacht. Und die, die betrügen wollen, gehen da durch."

Bargeld als "Scheunentor" für Betrug in der Gastronomie

Bargeld sei das größte "Scheunentor". In "bargeldintensiven" Branchen wie der Gastronomie entgingen dem Staat Steuereinnahmen von 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr. Der Job des Gewerkschafters ist der Ruf nach mehr Personal. Doch die Restaurant-Besuche in seiner Begleitung decken Missstände auf, die Personal allein nicht lösen kann.

Der Job des Bundesfinanzministers ist der Kampf gegen Steuerhinterziehung. Vor dem Sommer sagte Lars Klingbeil (SPD): "Die Ehrlichen in unserer Gesellschaft dürfen nicht die Dummen sein."

Doch im Aktionsplan, den er dazu vorstellte, fehlte die Pflicht, Kartenzahlung anzubieten - "Cash only" also abzuschaffen. Nach dem Sommer legte Klingbeil nach. Doch Recherchen von ZDF frontal zeigen: Andere "Scheunentore" bleiben offen.

Nur Bargeld - da horchen Steuerfahnder auf. Auffällige Kassenbelege, seltene Kontrollen und unverhohlene Drohungen: "frontal inside" blickt hinter die Recherche.

16.09.2026 | 18:45 min

Mangelnde Kontrolle der Kassen

Das größte ist wohl der Mangel an Kontrollen. Seit acht Jahren sind unangekündigte "Kassen-Nachschauen" erlaubt, zuständig sind die Länder. "Wir können die Gesetze so gut machen als Bund, wie das eben nur geht", verteidigt Finanz-Staatssekretär Michael Schrodi (SPD) seinen Minister.

Wenn aber dann die schwarzen Schafe wissen, ich werde fast nicht entdeckt, weil kein Prüfer kommt, dann läuft das ins Leere.

Michael Schrodi (SPD), Staatssekretär im Finanzministerium

Der Bund zeigt also auf die Länder und ihre Finanzämter. Denen setzte er schon 2018 eine Zielmarke: 2,4 Prozent aller Betriebe sollen überprüft werden. Aber 2024 lag die Kontroll-Quote noch immer bei 0,22 Prozent - was der Bundesrechnungshof bereits im letzten Jahr rügte.

Testbesuche in "Cash only"-Restaurants wecken den Verdacht auf unversteuerte Einnahmen. 2024 kontrollierten Finanzämter unangekündigt nur 0,22 Prozent der Betriebe – für mehr Prüfungen fehlt Personal.

14.09.2026 | 2:29 min

Vorwurf der Länder wegen elektronischer Kassen

ZDF frontal hat bei den Bundesländern nachgefragt, ob zumindest die Tendenz nach oben weist. Doch drei melden für 2025 sogar weniger Kontrollen als im Vorjahr, Sachsen-Anhalt minus 13 Prozent. Gleich viel oder kaum mehr Kontrollen machen sieben Länder. Zehn Prozent oder mehr Steigerung schaffen sechs Länder, Thüringen sogar plus 298 Prozent.

Geht da nicht mehr? Eine Nachfrage im Juni unter den Länder-Finanzministern offenbart: Katja Wolf aus Thüringen (damals BSW, heute "Thüringen.Gerecht") sieht "den öffentlichen Dienst an der Grenze" und Berlins Finanzsenator Stefan Evers, mittlerweile CDU-Spitzenkandidat, klagt, man finde kein "besonders qualifiziertes Personal" für die Außenprüfungen.

Die Länder machen dem Bund zudem einen Gegenvorwurf. Es geht um elektronische Kassen, eigentlich gedacht, um ein "Scheunentor" zu schließen. Denn die müssen laut Gesetz über eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen, die alle Kassenvorgänge auf einem USB-Stick oder in einer Cloud speichert, dann verschlüsselt und auf den Kassenbon druckt.

Die Bundesregierung will besser als bisher gegen Steuerkriminalität vorgehen. Geplant sind höhere Strafen, eine bessere Koordinierung und zusätzliche Steuerfahnder.

16.07.2026 | 2:29 min

Auch bei modernen Kassen Tricks möglich

Doch obwohl Kassen mit TSE nur wenige 100 Euro kosten, sollen sie erst ab 2028 zur Pflicht werden. Und auch dann nur für Betriebe ab 100.000 Euro Jahresumsatz. Das binde Personal, kritisiert Niedersachsens Finanzminister Gerald Heere (Bündnis '90/Die Grünen): "Mit technischen Lösungen ist es viel einfacher, Auffälligkeiten nachzugehen." Bremens Finanzsenator Björn Fecker (Bündnis 90/Die Grünen) hofft, dass dafür "das Gesetzgebungsverfahren endlich in Gang gesetzt wird".

Doch auch elektronische Kassen mit Sicherheitseinrichtung lassen das "Scheunentor" einen Spalt offen: Bei einem weiteren Testbesuch in Hamburg spuckt so eine Kasse einen Bon mit diesem Vermerk aus: "TSE noch nicht installiert". Weil das Wochen zuvor genauso war, vermutet Florian Köbler, der Gewerkschafter und Finanzwirt, "dass hier der Betrug sehr leicht möglich ist und dass er wahrscheinlich auch durchgeführt wird."

Die Bundesregierung will entschlossener gehen Steuerbetrug und Finanzkriminalität vorgehen und stellt einen Aktionsplan mit insgesamt 26 Maßnahmen vor.

16.07.2026 | 1:42 min

Tipp: Bewirtungsbeleg und möglichst digital zahlen

Steuerprüfer in Thüringen zeigen ZDF frontal, wie leicht die TSE in manchen Kassen abgeschaltet werden kann, es reicht ein Klick auf "Deaktivieren". "Das ist merkwürdig, warum es diese Funktion überhaupt gibt", so einer der Steuerprüfer, die anonym bleiben möchten.

Auch auf einer Lebensmittelmesse gibt ein Kassenhersteller Tipps zur TSE-Abschaltung: Deaktivieren über die Software oder den USB-Stick rausziehen. Schlimm sei das im Fall einer Prüfung nicht für den Hersteller. "Wenn, dann ist es das für Sie als Gastronom bei einer Kassenprüfung", sagt der Verkäufer dem verdeckten Reporter von frontal und schränkt ein: "Es gibt Unternehmen, die sind jahrzehntelang nicht geprüft worden."

Steuer-Gewerkschafter Florian Köbler appelliert an die Kunden, öfter nach einem Bewirtungsbeleg zu fragen und möglichst digital zu zahlen, um Spuren zu hinterlassen.

Wenn Spuren vorhanden sind, dann kann auch die Steuerfahndung den Betrügern auf die Schliche kommen.

Florian Köbler, Vorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft

View the original on ZDF heute

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.