Regisseur Terrence Malick – Wer ist der Mann hinter dem Jesus-Film, der nie fertig wird?

Die Jesus-Verfilmung «The Way of the Wind» soll Terrence Malicks Opus Magnum werden, doch ob der Film je zu sehen sein wird, weiss wohl nur der Regisseur selbst. Der Film ist abgedreht, seit sieben Jahren wird geschnitten, und die Premiere wird von Festival zu Festival verschoben. Die Mostra di Venezia, die diese Woche läuft, hätte den Film sicher gerne gezeigt.
Dank eines Interviews mit Schauspieler Géza Röhrig ist bekannt, wer im Film zu sehen sein wird, sofern ihre Szenen es in die Endfassung schaffen: Er selbst als Jesus, Matthias Schoenaerts als Petrus und Mark Rylance als Satan, um nur einige der Stars zu nennen.
Religion ist zentral für Malick
«Dass sich Malick Jesus zuwendet, überrascht mich überhaupt nicht», sagt Norbert Busè, der soeben den Dokumentarfilm «Terrence Malick – Suche nach dem Unsichtbaren» über Malick gedreht hat: «Malicks Filme sind seit Jahrzehnten von religiösen und philosophischen Fragen durchzogen: Woher kommen wir, was bedeutet Gut und Böse, was bedeutet Gnade? Und wo ist Gott in einer Welt, in der es zugleich überwältigende Schönheit und unvorstellbare Grausamkeit gibt?» Busè hat sich Malick mithilfe von Schauspielerinnen und Weggefährten angenähert, da der Regisseur seit 1979 keine Interviews mehr gibt.
Malick wird als warmherziger Mensch und guter Zuhörer charakterisiert: «Ich glaube, der Reiz an seiner Arbeit liegt ganz einfach an der Art und Weise, wie die Geschichten erzählt werden. Das hat einen so starken Sog auf mich gehabt», erinnert sich Valerie Pachner, die in «A Hidden Life» die weibliche Hauptrolle spielt.
Das auf wahren Begebenheiten basierende Filmdrama von 2019 spielt in einem abgelegenen Bergdorf in Österreich mitten im Zweiten Weltkrieg. Ein Soldat beschliesst, keinen Eid auf Hitler zu schwören, obwohl ihn diese Entscheidung das Leben kosten wird. Seine Frau erkennt, dass sie ihn nicht retten kann, ohne ihm das zu nehmen, was ihn ausmacht und nimmt seine Entscheidung an. «Für mich», sagt Busè, «liegt darin etwas sehr Zentrales in Malicks Werk: Liebe als bedingungslose Annahme des anderen.»
Sternstunde Religion Terrence Malick – Suche nach dem Unsichtbaren
Kultur Laufzeit 57 Minuten.
Die Wurzeln dazu wachsen bereits in Malicks Kindheit, so Busè weiter. Dieser wächst in einem christlich geprägten Elternhaus in Texas auf und besucht als Jugendlicher eine religiös geführte Schule. «Religion ist für ihn also nicht erst ein Thema seiner späteren Filme. Die christliche Vorstellungswelt – Schöpfung, Sünde, Gnade, Erlösung, die Frage nach Gut und Böse – gehört zum Umfeld, in dem er aufwächst.»
Später kommt die Philosophie hinzu. In Harvard und Oxford beschäftigt er sich intensiv mit den Schriften Martin Heideggers und übersetzt «Vom Wesen des Grundes» ins amerikanische Englisch. All das, so Busè, fliesse in seine Filme ein, die in immer grösseren Abständen das Licht der Welt erblicken.
Kiffender Jesus
Und was ist denn jetzt mit diesem Jesus-Film? Wir wissen es nicht. Und wie immer, wenn man etwas nicht weiss, schiessen die Gerüchte ins Kraut. 3000 Stunden Material sollen gedreht worden sein, Petrus im Film einen 28-seitigen Monolog halten, und Jesus ab und zu einen kiffen.
Ob das wohl letzte Werk des Meisters ein Meisterwerk wird, ist also gänzlich offen. Trotzdem wäre es schade, wenn sich Malicks einzigartige visuelle Poesie nicht noch ein letztes Mal entfalten würde, und die Jesus-Verfilmung «The Way Of The Wind» bald in einem Kino in Ihrer Nähe zu sehen sein wird.
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