«Kind schlug Stein auf seinen Kopf – vergesse das Geräusch nie»

- Angst und Fassungslosigkeit prägen die Stimmung im Basler Vorort Riehen nach einer brutalen Jugendgewalt-Attacke.
- Drei Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren griffen einen 46-jährigen Mann an der Rauracherstrasse an und verletzten ihn schwer.
- Mehrere Anwohnende beobachteten, wie die jungen Angreifer ihr Opfer attackierten und nicht von ihm abliessen, als er am Boden lag.
- Beim Opfer handelt es sich um ein Quartier-Unikum. Der Mann sass jeden Tag vor dem Coop und hat Bier getrunken, so die Nachbarschaft. Er habe manchmal rumgepöbelt, hätte aber sonst niemandem etwas zuleide getan, so der O-Ton der Leute.
Am Sonntagabend ist es in der Basler Gemeinde Riehen zu einer Attacke auf einen 46-jährigen Mann gekommen. Die jugendlichen Täter (zwölf bis 18) griffen ihr Opfer aus dem Nichts an und verletzten es schwer. Beim Angriff seien die Kinder beziehungsweise Teenager extrem skrupellos vorgegangen, so die Basler Staatsanwaltschaft am Montag. Die Gruppe flüchtete, die Polizei fahndet nach den drei jungen Angreifern.
Am Dienstagmorgen ist die Gewalttat Thema Nummer eins in dem beschaulichen Vorort von Basel. Eine 56-jährige Nachbarin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, war da, als die Täter das Opfer in der Rauracherstrasse attackierten. Die Frau wohnt direkt neben dem Tatort.
«Ich bin mit meinem Hund dort entlanggegangen. Das Opfer sass bei den Beton-Sitzplätzen. Die Täter fuhren immer wieder mit einem E-Trottinett und einem Velo an uns vorbei und spielten mit einer Pylone», schildert sie. «Meine Hündin hat das Opfer ‹angewedelt›», erzählt sie weiter.
«Sein Stammplatz: Betonmauer vor Coop»
Das Opfer habe wahrscheinlich «etwas getrunken», merkt sie an. Der Mann ist in der Nachbarschaft bekannt. Die Leute beschreiben ihn als Mann am Rande der Gesellschaft. Solange man ihn einfach lässt, hätte er niemandem etwas zuleide getan. Sein Stammplatz war eine Betonmauer vor dem Coop, wo er Bier konsumierte, das er in einem Plastiksack aufbewahrte. Dies bestätigen verschiedene Quellen gegenüber 20 Minuten.
«Fast jeden Tag sitzt er dort, selten gibt es einen Tag, an dem er dort nicht sitzt.»
Er hat manchmal «rumgegrölt», sagt etwa Raphael (43) über das Quartier-Original. Aber dabei blieb es auch. «Wenn man nichts macht, dann tut er einem nichts», so der Vater. Seine Nachbarin erzählt: «Fast jeden Tag sitzt er dort, selten gibt es einen Tag, an dem er dort nicht sitzt.» Eine Ladenangestellte kennt den Mann vom Sehen. In der Bäckerei habe er Hausverbot. «Wenn er getrunken hat, ist er schon frech. Aber wenn man ihn in Ruhe lässt, dann lässt er einen auch in Ruhe.» Weiter sagt sie: «Er trinkt sein Bier hier, nimmt dann seinen Abfall wieder mit und geht wieder.»

«Als er auf dem Boden lag, haben sie weitergemacht»
In der Tatnacht beobachtete die 56-jährige Nachbarin mit dem Hund, wie der Mann Richtung Haustür rannte. «Dann habe ich gesehen, wie einer der Jungs den Mann getreten hat und ein anderes Kind ihm mit einem Stein auf den Kopf geschlagen hat. Dieses Geräusch werde ich in meinem Leben nie wieder vergessen.»
«Es war der Horror, so viel Gewalt»
Die Frau spricht sichtlich mitgenommen von der Tat: «Es war der Horror, so viel Gewalt». Was sie besonders schockierte: «Als er auf dem Boden lag, haben sie weitergemacht.» Sie habe nach der Polizei geschrien. «Ich konnte nicht handeln, ich stand wie angewurzelt da.» Ein Nachbarsjunge ist noch erfolglos hinterhergelaufen, so die Anwohnerin. «Ich war so schockiert. Auf der Strasse lagen drei grosse Steine.»
Unsicherheit und Fassungslosigkeit
Was nach der Attacke bleibt, ist die Fassungslosigkeit und Angst bei den Anwohnenden. «Gerade habe ich bei der Gemeindeverwaltung angerufen, damit die Laterne wieder funktioniert. Es ist einfach wirklich sehr dunkel», sagt eine der Nachbarinnen des Opfers. Nachts fühle sie sich unwohl. Besonders, wenn sie sich in der Nähe von Jugendlichen aufhalte, mache sich ein Gefühl der Unsicherheit breit.
Auf die Frage, ob die drei Angreifer gefasst wurden, schreibt die Staatsanwaltschaft, dass es «keine öffentlichkeitsrelevanten Neuheiten» gebe. Sie äussere sich nicht zu laufenden Strafverfahren.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Jeanne Dutoit ist Korrespondentin der Lokalredaktion Basel.
Pina Olivia Wiemer (pow) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist seit Mai 2026 Praktikantin bei der Lokalredaktion Basel.
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