Kreative Bewerbung? Darauf schauen Verwaltungen wirklich

- Die grössten Schweizer Immobilienverwaltungen Wincasa und Livit machen klar: Kreative Dossiers, Motivationsschreiben oder Videos erhöhen die Chancen bei der Wohnungssuche nicht.
- Entscheidend seien bei ihnen Bonität, vollständige Unterlagen, passende Belegung und ein geeigneter Einzugstermin.
- Bei mehreren gleich geeigneten Bewerbungen gelte bei Wincasa das Prinzip «First come, first serve».
Der Wohnungsmangel spitzt sich weiter zu: Schweizweit standen am 1. Juni 45’493 Wohnungen leer, darunter 34’690 Mietwohnungen. Das entspricht 0,93 Prozent des gesamten Wohnungsbestands, inklusive Einfamilienhäusern. Wer eine Wohnung sucht, will also mit der Bewerbung herausstechen. Online kursieren zahlreiche Tipps: Ein persönliches Motivationsschreiben soll erklären, weshalb man umzieht und was einen mit dem Quartier verbindet. Andere empfehlen, dem Dossier mit Anekdoten, einem Deckblatt oder einem Foto eine kreative, persönliche Note zu geben.
Doch hilft ein besonders kreatives Dossier oder sogar ein Bewerbungsvideo tatsächlich? 20 Minuten hat bei den zwei grössten Verwaltungen nachgefragt, worauf es bei einer Wohnungsbewerbung wirklich ankommt.
Bonität statt Kreativität
Wincasa betont: Nicht die kreativste oder aufwendigste Bewerbung entscheidet, sondern die finanzielle Tragbarkeit, die Bonität, eine zur Wohnungsgrösse passende Belegung sowie ein Mietbeginn, der möglichst gut mit dem Bezugstermin übereinstimmt. Bonität beschreibt dabei, ob jemand die Miete voraussichtlich zuverlässig bezahlen kann. Dafür wird etwa geprüft, ob es Hinweise auf unbezahlte Rechnungen oder Schulden gibt. Die konkreten Kriterien könnten je nach Liegenschaft und Vorgaben der Eigentümerschaft variieren.
Auch Livit stellt die Bonität in den Vordergrund. Die Verwaltung vermietet Wohnungen über einen standardisierten digitalen Bewerbungsprozess mit automatischer Bonitätsprüfung. Dieser soll ein hohes Mass an Objektivität und Gleichbehandlung gewährleisten. Entscheidend seien vor allem eine positive Bonität sowie eine vollständig und korrekt eingereichte Bewerbung.

Beide Verwaltungen betonen: Ein aufwendig gestaltetes Dossier, ein persönliches Motivationsschreiben oder kreative Elemente wie Videos erhöhen die Chancen grundsätzlich nicht. Laut Livit haben solche Zusatzinformationen keinen Einfluss auf die Beurteilung einer Bewerbung.
Bei privaten Vermieterinnen und Vermietern kann das anders sein: Dort zählt der persönliche Eindruck oft stärker, weshalb eine freundliche und kreative Bewerbung eher positiv auffallen kann.
Diese Unterlagen musst du mitschicken
Die Anforderungen an eine Wohnungsbewerbung unterscheiden sich je nach Verwaltung und Eigentümerschaft. Diese Unterlagen werden jedoch häufig verlangt:
Bewerbungsformular: Dieses stellt die Verwaltung oder die Eigentümerschaft zur Verfügung. Oft erhältst du es bei der Besichtigung in Papierform oder als Link. Alternativ findest du es als Link im Inserat oder auf der Website der Verwaltung. Gefragt werden in der Regel persönliche Angaben, Informationen zu Beruf, Arbeitgeber und Einkommen sowie Referenzen. Wichtig ist, das Formular vollständig und korrekt auszufüllen.
Betreibungsregisterauszug: Das Dokument zeigt, ob gegen eine Person Betreibungen eingeleitet wurden. Damit verschafft sich die Verwaltung einen Eindruck davon, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin die Rechnungen und die Miete voraussichtlich zuverlässig bezahlen kann. Den Auszug erhältst du beim Betreibungsamt deines Wohnorts. Viele Verwaltungen verlangen ein Dokument, das nicht älter als drei Monate ist. Die Kosten sind kantonal unterschiedlich, liegen aber meist bei rund 20 Franken.
Ausweiskopie: Eine Kopie der Identitätskarte oder des Passes gehört oft zur Bewerbung. Wer nicht Schweizer Staatsbürger ist, sollte zusätzlich eine Kopie der Aufenthaltsbewilligung beilegen.
Referenzen: Viele Verwaltungen fragen nach Kontaktpersonen, etwa beim aktuellen Arbeitgeber oder bei der bisherigen Verwaltung. Informiere deine Referenzen am besten vorab, damit sie auf eine mögliche Anfrage vorbereitet sind.
Geschwindigkeit zählt
Was aber, wenn mehrere Bewerbungen gleichermassen geeignet sind? Bei Wincasa zähle dann laut eigenen Angaben der Zeitpunkt des Bewerbungseingangs nach dem Prinzip «First come, first serve».
Beide Verwaltungen empfehlen deshalb, die Bewerbung vollständig und möglichst rasch einzureichen. Wincasa rät zudem, darauf zu achten, dass die Wohnung hinsichtlich Mietzins, Grösse und Einzugstermin zur persönlichen Situation passt.
Diese Angaben darf ein Vermieter nicht von dir verlangen
Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.
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