Speed-Stars im Nachteil – Sölden-Plan soll Lösung bringen

Speed-Stars fühlen sich benachteiligt
Speed-Stars im Nachteil – Sölden-Plan soll Lösung bringen
Der alpine Weltcup hat ein Timing-Problem. Vor allem im Speed. Während die Technik-Asse nächste Woche in den Winter einsteigen, müssen die Speed-Cracks lange warten. Was ist die Lösung? Blick hat sich umgehört.
Publiziert: vor 26 Minuten
- Die Speed-Fahrerinnen starten erst Mitte Dezember in die Saison – acht Wochen nach dem Weltcup-Auftakt in Sölden
- Frühe Speed-Rennen scheitern bisher an fehlendem Geld oder unsicheren Wetterbedingungen
- Sölden könnte 2027 Super-G-Rennen austragen und den Speed-Fahrerinnen mehr Chancen für die WM-Selektion bieten
Mathias GermannReporter Sport
Der Weltcup beginnt Ende Oktober in Sölden (Ö) mit zwei Riesenslaloms. Den Skifans zieht man früh den Speck durchs Maul. Bloss: Danach gibt es nichts mehr zu essen. Drei Wochen Pause bis zum nächsten Rennen. Das ist nicht neu. Und daran wird sich vorerst nichts ändern. Sölden will es so, die Ski-Industrie auch, und der Weltskiverband FIS ist ebenfalls nicht dagegen. Nur viele Athleten beklagen, dass der Saisonstart zu früh kommt.
Problematischer ist etwas anderes: die ungleiche Verteilung der Disziplinen im Kalender. Fahrer wie Franjo von Allmen (25) kommen erst fünf Wochen nach Sölden zum Zug. Vorher stehen weder eine Abfahrt noch ein Super-G im Kalender. Bei den Frauen ist es noch extremer. Corinne Suter (32) und Co. greifen erst acht Wochen nach dem Ski-Opening ins Speed-Geschehen ein. Die Olympiasiegerin sagt: «Man muss schauen, dass man nicht zu früh parat ist. Die ersten Speed-Rennen sind ja erst Mitte Dezember.»
Suter hätte gerne früher eine Abfahrt oder einen Super-G – so wie ganz viele. Am liebsten in Lake Louise (Ka), wie früher. Dort gewann sie Anfang Dezember 2022 den Super-G. Es war die Dernière des Events. Kein Geld, keine Sponsoren, keine Unterstützung. Lake Louise verschwand aus dem Kalender. Eine Wiederbelebung ist in näherer Zukunft nicht absehbar.
Welche Optionen für Rennen bestehen
Welche Optionen für frühe Speed-Rennen bleiben? Nach zwei erfolglosen Versuchen im November bleibt die Zweiländer-Abfahrt Gran Becca am Fuss des Matterhorns vor allem eines: ein Projekt auf 3000 Metern, das im wetterunsicheren November nicht funktioniert hat. Vier Rennen waren geplant, keines wurde beendet. Andere Destinationen in Europa bieten sich nicht an.
«Panorama wäre eine Möglichkeit», sagt Swiss-Ski-CEO Walter Reusser. Er meint das Ski-Resort im kanadischen British Columbia. Hier wurden 1992 letztmals Speed-Rennen ausgetragen. Der Churer Daniel Mahrer gewann damals die Abfahrt. Heute ist er 64 Jahre alt – das zeigt, wie lange das her ist. «Man müsste aber die Piste ausbauen», sagt Reusser. Auch das kostet einiges.
Bleibt die dritte Möglichkeit. Sie ist die naheliegendste. Sölden könnte bereits 2027 neben den zwei Riesenslaloms je einen Super-G für Frauen und Männer durchführen. Jack Falkner, der Erfinder des Saison-Openings im Ötztal, brachte die Idee zuletzt ins Spiel. «Der Zielraum bliebe gleich, gestartet würde oberhalb des Riesenslaloms – der Abschnitt dort eignet sich für einen Super-G sehr gut», findet Reusser.
Das Problem mit dem späten Start
Nun könnte man argumentieren: Spielt ja keine Rolle, dass die Speed-Fahrer etwas länger auf ihr erstes Rennen warten. Stimmt. Aber eine Abwechslung bei den Disziplinen würden auch die Zuschauer schätzen. Und für die Speed-Fahrerinnen geht es um mehr als Abwechslung.
Bis zur WM in Crans-Montana (1. bis 14. Februar) gibt es bei den Frauen zehn Riesenslaloms, acht Slaloms sowie je fünf Abfahrten und Super-G. Einer Speed-Spezialistin von Swiss-Ski bleiben pro Disziplin nur eine Handvoll Chancen, um die Selektionskriterien zu erfüllen – einmal Top 7 oder zweimal Top 15. Krankheiten, kleine Verletzungen und Rennverzichte liegen da kaum drin. Die Technikerinnen haben deutlich weniger Stress.
Für Reusser ist klar: «Das ist nicht gut. Und ganz sicher nicht das, was wir für die Zukunft wollen.»
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