SRF-Legende Hans Jucker war verurteilter Sexualstraftäter

- Der verstorbene SRF-Kommentator Hans Jucker wurde 1971 wegen sexuellen Übergriffs auf Buben verurteilt.
- Das Gericht verhängte acht Monate Gefängnis bedingt wegen 20 Vorfällen.
- SRF lässt den Fall extern aufarbeiten und entfernt Videoclips mit Jucker von den eigenen Plattformen.
Hans Jucker gilt als Kommentatoren-Legende in der Schweizer Sportszene. Unvergessen sind Sätze wie «Iz chömed ja zersch no di Schiiss-Ponys» oder seine Aufregung über «di dumme huere Ruederer da». 2011 verstarb er im Alter von 65 Jahren nur wenige Tage nach seiner Pensionierung. Der «Tages-Anzeiger» publizierte am Montagmorgen einen Bericht, der eine dunkle Seite des Mannes enthüllt: 1971 wurde Hans Jucker wegen eines sexuellen Übergriffs verurteilt. Geschrieben steht das in der Biografie «Ich bin ein Unfall» von Willi Fegble, heute 71 Jahre alt.
Fegble schreibt, er sei von Jucker in den 1970er-Jahren missbraucht worden, damals war das Opfer 15 Jahre alt. Aber nicht nur er war Opfer. Gemäss dem vom «Tages-Anzeiger» geprüften Gerichtsurteil wurde der Reporter im Mai 1971 wegen 20 einzelner Vorfälle zu acht Monaten Gefängnis bedingt verurteilt. Opfer waren Buben unter 20 Jahren, in einem Fall war das Opfer jünger als das Schutzalter 16.
Umfeld soll von Taten gewusst haben
Jucker bekannte sich schuldig, zeigte aber offenbar keine Reue. «Der Angeklagte ist der Meinung, dass bereits gestrauchelte Menschen ohne Bedenken in ihrer Situation belassen werden und missbraucht werden können», werden die Richter im Artikel zitiert. «Er konnte Karriere bei SRF machen und wird in bester Erinnerung gehalten – und wir leiden ein Leben lang wegen seiner Taten», sagt Fegble. Juckers Verhalten gegenüber den Minderjährigen soll in seinem Umfeld bekannt gewesen sein.
SRF reagiert mit externer Aufarbeitung
In einer am Montagmorgen versandten Medienmitteilung nimmt auch das SRF als spätere Arbeitgeberin Juckers Stellung. Man habe erst «vor einigen Wochen» Kenntnis von der Verurteilung erhalten. Juckers Handlungen stünden nicht im Zusammenhang mit seiner Arbeitstätigkeit beim Medienunternehmen. Man habe eine Nulltoleranz-Politik gegenüber sexueller Gewalt sowie Verletzungen der persönlichen Integrität eines jeden Menschen.
SRF-Direktor Roger Elsener sagt: «SRF verurteilt jede Form von sexueller Gewalt sowie Verletzungen der persönlichen Integrität. Die Berichte über die damalige Verurteilung sowie die bekannt gewordenen Straftaten erschüttern uns und machen uns tief betroffen. Wir bedauern das Leid, das den Opfern zugefügt wurde. Unser Mitgefühl gilt ihnen und den Angehörigen.»
Das SRF kündigt an, «als Medienunternehmen mit öffentlichem Auftrag und Arbeitgeberin mit Vorbildfunktion diese Ereignisse sehr ernst» zu nehmen. Der damalige Umgang von SRF als Arbeitgeberin in diesem Fall werde sorgfältig analysiert. Es wird eine externe Aufarbeitung gestartet. «SRF wird allfällige Erkenntnisse aus dem vorliegenden Fall nutzen, um die heute bestehenden Massnahmen zu prüfen und gegebenenfalls weiter zu stärken.» Aufgrund des grossen zeitlichen Abstands werde sich SRF die nötige Zeit für eine sorgfältige Aufarbeitung nehmen.
SRF entfernt Videoclips
Das SRF schreibt, künftig werde man auf die Publikation von Videoclips, die Hans Jucker als Kommentator in den Mittelpunkt stellen, verzichten. Bereits publizierte Clips wurden zudem von den eigenen Plattformen sowie von den SRF-Kanälen auf Drittplattformen entfernt. Als Teil der dokumentierten Programm- und Zeitgeschichte von SRF bleiben entsprechende Archivbeiträge weiterhin zugänglich. Dazu gehören etwa journalistische Berichte von Hans Jucker wie Zusammenfassungen von Sportereignissen oder kommentierte Wettkämpfe.
Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?
Hier findest du Hilfe:
Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter
Clickandstop.ch, Online-Meldestelle der Stiftung Kinderschutz Schweiz
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.
Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?
Hier findest du Hilfe:
Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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