Daily MaverickAFTER THE BELL: The fall of Numsa’s Irvin Jim — when institutions outgrow their eternal leadersESPNPower Rankings: How did an action-packed Week 8 change the top 25?The Jerusalem PostLikud files police complaint against Eisenkot campaign manager over Polymarket postESPN DeportesA qué hora es la entrega del Balón de Oro 2026The Hollywood ReporterAMC Global Media Chief Communications Officer Georgia Juvelis Exiting Later This Year3DNewsДыры в PHP начали использоваться в реальных атаках — подтверждены успешные взломыDeadlineGeorgia Juvelis Leaving As Chief Communications Officer Of AMC Global Media After 19 Years With CompanyZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioEuronewsAnthropic's IPO filing shows off soaring revenues as the company warns of AI's 'risks to humanity'Wirtualna PolskaZarzuty dla Brauna, Polska komentuje doniesienia ws. Orbana [SKRÓT DNIA]BillboardBeyoncé Explains Why Even People Who ‘Can’t Stand’ Her Music Like Her Hair-Care Productsn-tvRichter entscheidet gegen Trump: Entlassung von Epstein- und "Diddy"-Ermittlerin war unzulässig
The Daily Newsstand · Free, Always
Monday, October 26, 2026

«Jeder schlechte Auftritt war gleich das Ende der Welt»

Translate
  • Drei- bis viermal pro Woche steht Alexia Paganini (24) trotz Rücktritt weiterhin auf dem Eis.
  • Von 2018 bis 2022 holte sie jeden Schweizer Meistertitel und startete zweimal an Olympischen Spielen.
  • Rückblickend sagt sie, sie habe alles zu ernst genommen und kleine Erfolge zu wenig gefeiert.
  • 20 Minuten hat mit der Schweizer Eisprinzessin ausführlich gesprochen.

Alexia Paganini lacht, als sie die Redaktion von 20 Minuten besucht und den Hund des Reporters begrüsst. Die 24-Jährige ist bestens gelaunt. Der Schweizer Eiskunstlauf-Star kommt gerade von ihrer Arbeit als Managerin im Marketingbereich einer in Zürich ansässigen Firma.

Paganini ist stylish gekleidet, ihre Augen glänzen vor Freude, als sie die Fotos ihres Lieblings zeigt: «Mein Hund ist leider in New York bei meinen Eltern. Es ist auch eine Pudelmischung.»

Zwischen 2018 und 2022 gewann Alexia Paganini jeden Schweizer Meistertitel.

Zwischen 2018 und 2022 gewann Alexia Paganini jeden Schweizer Meistertitel.IMAGO/AFLOSPORT

«Ich glaube, alle sind einfach wirklich vorsichtig»

Das Treffen mit Paganini findet rund eine Woche nach dem Bekanntwerden eines grossen Skandals im Schweizer Eiskunstlauf statt. So sperrte das Schweizer Sportgericht (TSS) einen Eistänzer für drei Jahre. Er wurde wegen mehrerer Verstösse gegen «die sexuelle und psychische Integrität seiner Eistanzpartnerin» für schuldig befunden. Die Partnerin war zum Zeitpunkt der Taten minderjährig.

Die Taten wiegen schwer. Laut Gerichtsurteil belästigte der Eiskunstläufer seine Partnerin, beging sexuelle Übergriffe und konfrontierte sie mit pornografischem Material. Zudem demütigte und beschimpfte er sie während des Trainings vor anderen. Kurz nach der Veröffentlichung des Skandals lobte Paganini den Mut und die Wehrhaftigkeit des Opfers.

Nun sagt sie: «Im ersten Moment war ich überrascht, aber ganz unerwartet kam es für mich nicht.» Die Schweizer Eisprinzessin sagt, dass Missstände und Gewalt in der Szene oftmals ein offenes Geheimnis seien. Sie erzählt, wie schwer es oftmals sei, frei darüber zu sprechen. «Ich glaube, alle sind einfach wirklich vorsichtig, weil es eine so kleine Community ist.»

So lobt Alexia Paganini ihre Schüler

Die 24-Jährige sagt: «Wenn dich ein Trainer schlecht behandelt, kannst du es den Eltern sagen. Aber manchmal sind die Eltern auch so in einem Tunnel, dass sie dann davon nichts hören wollen.» Paganini bewegt das Thema sehr, sie fordert sie ein Umdenken beim Coaching.

Ihr Motto: den Talenten die Freude vermitteln. Mehr Lob. Sie, die auch schon Kinder trainierte, sagt: «Wenn sie etwas gut machen, sage ich ihnen immer, dass sie stolz auf sich sein sollen. Wenn sie beispielsweise einen neuen Sprung lernen, sage ich: Du solltest dir heute einen Kuchen kaufen.»

Paganini ist es wichtig, den Profis von morgen beizubringen, dass man schon auf kleine Erfolge stolz sein könne. «Denn wenn man ständig so hart arbeitet und nie etwas feiert, dann ist man irgendwann abgestumpft.» Die junge Schweizerin weiss, wovon sie spricht, war sie jahrelang doch der Star im Schweizer Eiskunstlauf.

Zwischen 2018 und 2022 gewann sie jeden Schweizer Meistertitel. An Europameisterschaften gelang ihr viermal der Sprung in die Top 10. 2020 verpasste sie das Podest als Vierte nur hauchdünn. Hinzu startete sie 2018 und 2022 für die Schweiz bei den Olympischen Spielen.

«Ich habe das alles viel zu ernst genommen»

Dann trat sie 2024 mit 22 Jahren zurück. Sie konnte nicht mehr. Sie sagt: «Ich selbst hatte nicht immer die gesündeste Einstellung. Die kam zum Teil von meinen Trainern, zu einem grossen Teil aber auch von mir selbst.» Ganz offen blickt die 24-Jährige zurück.

«Es ist nicht direkt so, dass man sich selbst schlecht behandelt», so Paganini. «Aber wenn man in seinem Sport die Beste sein will, ist man unglaublich diszipliniert und streng mit sich selbst. Für mich gab es damals gar keine andere Möglichkeit. Ich hatte das Gefühl, dass ich so mit mir umgehen muss, um erfolgreich zu sein.»

«Ich habe das alles viel zu ernst genommen», sagt Paganini. Sie habe sich während ihrer Karriere enorm unter Druck gesetzt. «Wenn ich einen schlechten Auftritt hatte, war das für mich gleich das Ende der Welt.» Dabei sei sie eigentlich immer eine gute Wettkampfläuferin gewesen.

Doch ausgerechnet gegen Ende ihrer Karriere habe sie ihre Leistungen trotz guter Vorbereitung nicht mehr abrufen können.

Heute sieht sie vieles gelassener. «Ich hätte die kleinen Erfolge mehr feiern sollen», sagt Paganini. Stattdessen habe sie immer nur an das nächste Ziel gedacht, immer besser werden wollen. «Heute denke ich mir: Eigentlich ist das alles gar nicht so tiefgründig. Am Ende spielt es für andere oft eine viel kleinere Rolle, als man selbst denkt.»

Alexia Paganini liebt das Eiskunstlaufen weiterhin

Bereut hat sie ihren Rücktritt nie. Seit zweieinhalb Jahren lebt sie in Zürich, arbeitet im Marketing und studiert nebenbei. Nach Jahren, in denen sie wegen des Sports ständig den Wohnort wechseln musste, geniesst sie vor allem eines: Stabilität. «Ich musste mir immer wieder einen neuen Freundeskreis aufbauen und neue Lieblingsplätze finden.» Der Stress habe sie damals sogar regelmässig krank gemacht.

Ganz ohne Eiskunstlauf geht es aber nicht. Paganini steht weiterhin drei- bis viermal pro Woche auf dem Eis, tritt bei Art on Ice (4. bis 13. Februar in Freiburg, Davos und Zürich) im Ensemble auf und absolviert kleinere Shows. Den Unterschied zu früher merkt sie vor allem bei Fehlern. Während ein misslungener Sprung im Wettkampf früher eine kleine Katastrophe gewesen sei, könne sie heute darüber hinwegsehen.

Und die Freude ist geblieben. Erst am Tag des Interviews sei ihr ein Sprung gelungen, den sie schon lange nicht mehr geschafft habe. «Danach war meine Laune gleich viel besser», erzählt sie lachend.

Dann streichelt Paganini nochmals den Hund des Reporters. Heute braucht sie keine perfekte Kür und keinen Meistertitel mehr, um glücklich zu sein. Manchmal reichen eben die kleinen Dinge im Leben. Oder wie Paganini sagt: «Little wins.»

Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

View the original on 20 Minuten →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.