Keiner will mit Lawrow aufs «Familienfoto»

- Wegen Bedenken der Europäer gibt es in Atlanta kein Gruppenfoto der G20-Aussenminister.
- Rubio sagt das Bild ab, Polens Aussenminister Sikorski und Wadephul lehnen ein Foto mit Lawrow ab.
- Wadephul sagt, der Westen sei mit Russland derzeit keine «Familie», die Gespräche seien aber sachlich verlaufen.
Beim G20-Aussenministertreffen in Atlanta ist eine Annäherung zwischen Russland und dem Westen nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Spannungen bleiben gross. Das zeigte sich auch daran, dass das sonst übliche gemeinsame Gruppenfoto der Aussenminister abgesagt wurde. Ein Bild, auf dem die europäischen Vertreter gemeinsam mit Russlands Aussenminister Sergei Lawrow zu sehen gewesen wären, sollte es ausdrücklich nicht geben.
Lawrow beklagte auch fehlende Fortschritte in den Beziehungen zu den USA. Trotz einer Vereinbarung zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin über russische Diesellieferungen in die Vereinigten Staaten sei keine wirkliche Entspannung zu erkennen. Washington halte an bestehenden Sanktionen fest und habe zusätzliche Strafmassnahmen gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft verhängt. Auch die Europäer kritisierte Lawrow scharf. Sie versuchten, sich in die Friedensverhandlungen über die Ukraine einzumischen.
Besonders deutlich wurde der diplomatische Konflikt beim Thema Gruppenfoto. US-Aussenminister Marco Rubio sagte das traditionelle «Familienfoto» mit allen Teilnehmern ab, nachdem mehrere europäische Vertreter offenbar Bedenken gegen ein gemeinsames Bild mit Lawrow geäussert hatten. Der polnische Aussenminister Radoslaw Sikorski hatte sich laut Medienberichten ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Auch der deutsche Aussenminister Johann Wadephul machte klar, dass es kein Foto geben werde, auf dem die europäischen Partner gemeinsam mit Lawrow zu sehen seien.
«Familienfoto»-Diplomatie
Lawrow warf Wadephul daraufhin «Familienfoto-Diplomatie» vor. Es gehe den Europäern offenbar mehr darum, wie sie auf einem solchen Bild aussähen und wer neben ihnen stehe, als um die eigentlichen politischen Fragen. Wadephul hielt dagegen: Der Begriff Familienfoto vermittle ein Gefühl von Eintracht und Zusammengehörigkeit. Eine solche Familie sei der Westen mit Russland derzeit nicht.
Trotz kontroverser Positionen seien die Gespräche in Atlanta sachlich verlaufen, sagte Wadephul. Ein Durchbruch bei den zentralen Konfliktthemen wurde allerdings nicht erwartet. Auch ein gemeinsames Abschlussstatement der G20-Aussenminister dürfte ausbleiben. Das Treffen gilt als Vorbereitung auf den Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami, zu dem auch Putin eingeladen ist. Ob der Kremlchef teilnimmt, ist bislang offen.
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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