«Nicht mehr Herr meiner Lage»: TV-Koch macht Alkoholproblem öffentlich
«Nicht mehr Herr meiner Lage»
TV-Koch macht Alkoholproblem öffentlich
TV-Koch Mirko Reeh spricht offen über sein Alkoholproblem. Nun wolle er Abstand vom Trinken nehmen. In der Gastrobranche wird ab einem gewissen Punkt schnell zu Rauschmitteln gegriffen, wie auch Gastrokönig Michel Péclard weiss.
Publiziert: vor 19 Minuten
Aktualisiert: vor 5 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- TV-Koch Mirko Reeh (49) gesteht Alkoholproblem und strebt Abstinenz an
- In der Gastrobranche gelten Drogen- und Alkoholkonsum als verbreitetes Problem
- Michel Péclard: Nulltoleranz für Drogen, bietet Mitarbeitern Hilfe bei Entzug
«Ich habe für mich erkannt, dass Alkohol in meinem Leben einen Platz eingenommen hat, der mir nicht guttut.» Mit diesem Satz lässt TV-Koch Mirko Reeh (49) im Interview mit Focus online eine Bombe platzen, über die bisher niemand Bescheid wusste. Er habe erkannt, ein Problem mit Alkohol zu haben, und möchte nun davon wegkommen.
Eigentlich habe er immer gern getrunken, doch dann habe er irgendwann gemerkt, dass er nicht mehr «Herr meiner Lage» war. «Das ist für mich ganz wichtig, dass wenn man eine Vorbildfunktion hat, sich immer im Klaren ist, wer da vorn steht. Ich versuche, den Menschen gutes Essen zu liefern und ein charmanter Gastgeber zu sein, aber nicht mit besoffenem Kopf», erklärt Reeh.
Deshalb wolle er nun nach dem Credo der Anonymen Alkoholiker leben: «Heute trinke ich nichts.» Er wisse noch nicht, ob er es auch immer schaffe, doch vorerst sei das sein Plan. Wie lange er schon vom Alkohol weg ist, sagt der TV-Koch nicht.
Alkohol und Suchtmittel keine Seltenheit
Dass Alkohol in der Gastrobranche, vor allem unter Köchen, ein Problem sein kann, thematisierte auch Gordon Ramsay (59) in seiner Sendung «Ramsay's Kitchen Nightmares». In einer Folge spricht er mit dem ehemaligen Ritz-Koch Michael Quinn, der aufgrund seiner Alkoholsucht vom Spitzenkoch in die Obdachlosigkeit fiel und ein Leberversagen erlitt. Auch Gordon Ramsay gab damals zu, Alkoholkonsum gehöre zum «Rock'n'Roll-Image» eines Kochs.
Alkoholsucht – Zahlen und Fakten von Sucht Schweiz
In der Schweiz leben schätzungsweise 250'000 alkoholabhängige Menschen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl der Städte Bern und Lausanne zusammen. Laut Sucht Schweiz haben die Behandlungseintritte aufgrund von Alkohol bis 2018 abgenommen, steigen seither aber wieder an. Im Jahr 2022 haben knapp 40'000 Personen wegen einer Suchtproblematik eine Behandlung in einer ambulanten (64 Prozent) oder stationären (36 Prozent) Suchthilfeeinrichtung aufgenommen. Die Hälfte davon sind hauptsächlich aufgrund einer Alkoholproblematik in Behandlung.
83 Prozent der Schweizer Bevölkerung trinkt ab 15 Jahren Alkohol. Dieser Anteil hat sich in den letzten 30 Jahren kaum verändert.
Menschen mit Alkoholproblem oder -abhängigkeit werden als willensschwach oder unzuverlässig eingestuft und für ihre Abhängigkeit selbst verantwortlich gemacht. Die gesellschaftliche Abwertung und Ausgrenzung stellt für Betroffene eine zusätzliche Bürde dar. Die Stigmatisierung hat weitreichende Folgen: Sie stigmatisieren sich oft selbst und entwickeln ein geringeres Selbstwertgefühl. Deshalb zögern sie die Hilfesuche so lange wie möglich heraus oder verzichten vollständig darauf.
Alkoholmissbrauch kann in allen Gesellschaftsschichten vorkommen, unabhängig von Status und Bildung. Jeder kann von problematischem Alkoholkonsum betroffen sein.
Der funktionale Alkoholkonsum, wie ihn Oliver Baer erlebte, vermittelt der konsumierenden Person den Eindruck, dass sie ihren Konsum unter Kontrolle hat und dass er keine Konsequenzen für sie oder ihre Angehörigen hat. Alkohol wird oft als «Bewältigungsstrategie» eingesetzt, um eine schwierige Phase zu überstehen. Sucht Schweiz gibt zu bedenken, dass Alkohol nie eine gute «Hilfe» ist, um «besser zu funktionieren».
Bei Alkohol kann man recht genaue Angaben machen, was ein risikoarmer Konsum ist. Auf der Website www.alkoholkonsum.ch erfahren Interessierte, wo sie mit ihrem Konsum stehen, wie man es schafft, weniger zu trinken und wo man Unterstützung bekommt, wenn der Alkoholkonsum zu viel wird oder bereits geworden ist.
In der Schweiz leben schätzungsweise 250'000 alkoholabhängige Menschen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl der Städte Bern und Lausanne zusammen. Laut Sucht Schweiz haben die Behandlungseintritte aufgrund von Alkohol bis 2018 abgenommen, steigen seither aber wieder an. Im Jahr 2022 haben knapp 40'000 Personen wegen einer Suchtproblematik eine Behandlung in einer ambulanten (64 Prozent) oder stationären (36 Prozent) Suchthilfeeinrichtung aufgenommen. Die Hälfte davon sind hauptsächlich aufgrund einer Alkoholproblematik in Behandlung.
83 Prozent der Schweizer Bevölkerung trinkt ab 15 Jahren Alkohol. Dieser Anteil hat sich in den letzten 30 Jahren kaum verändert.
Menschen mit Alkoholproblem oder -abhängigkeit werden als willensschwach oder unzuverlässig eingestuft und für ihre Abhängigkeit selbst verantwortlich gemacht. Die gesellschaftliche Abwertung und Ausgrenzung stellt für Betroffene eine zusätzliche Bürde dar. Die Stigmatisierung hat weitreichende Folgen: Sie stigmatisieren sich oft selbst und entwickeln ein geringeres Selbstwertgefühl. Deshalb zögern sie die Hilfesuche so lange wie möglich heraus oder verzichten vollständig darauf.
Alkoholmissbrauch kann in allen Gesellschaftsschichten vorkommen, unabhängig von Status und Bildung. Jeder kann von problematischem Alkoholkonsum betroffen sein.
Der funktionale Alkoholkonsum, wie ihn Oliver Baer erlebte, vermittelt der konsumierenden Person den Eindruck, dass sie ihren Konsum unter Kontrolle hat und dass er keine Konsequenzen für sie oder ihre Angehörigen hat. Alkohol wird oft als «Bewältigungsstrategie» eingesetzt, um eine schwierige Phase zu überstehen. Sucht Schweiz gibt zu bedenken, dass Alkohol nie eine gute «Hilfe» ist, um «besser zu funktionieren».
Bei Alkohol kann man recht genaue Angaben machen, was ein risikoarmer Konsum ist. Auf der Website www.alkoholkonsum.ch erfahren Interessierte, wo sie mit ihrem Konsum stehen, wie man es schafft, weniger zu trinken und wo man Unterstützung bekommt, wenn der Alkoholkonsum zu viel wird oder bereits geworden ist.
Für den Zürcher Gastrokönig Michel Péclard (57) herrscht in seinen Betrieben absolute Nulltoleranz, was den Konsum von Rauschmitteln angeht. Gegenüber Blick erklärt er allerdings: «Alkohol ist bei uns gar nicht so ein Thema – sondern Koks. Das ist tatsächlich ein massives Problem. Wenn ich vom Drogenkonsum eines Mitarbeiters erfahre, gehe ich mit ihm essen und stelle ihn dann irgendwann zur Rede.» Es sei tatsächlich schon vorgekommen, dass Personen so von ihrer Sucht losgekommen seien. «Und sonst zahle ich ihnen den Entzug.»
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