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Tuesday, October 27, 2026

Bericht der Weltwetterorganisation: Immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre

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Aus einem Schornstein tritt Qualm aus

Stand: 27.10.2026 • 10:00 Uhr

Immer mehr Treibhausgase sammeln sich in der Atmosphäre. Das zeigt ein neuer Bericht der Weltwetterorganisation. Offenbar erholt sich die Natur von Hitze und Trockenheit nicht so schnell wie erwartet.

Von Nadine Gode, ARD-Klimaredaktion und Sandra Biegger, ARD-Studio Genf

Es ist eine Entwicklung, die sich seit Jahrzehnten fortsetzt: Jahr für Jahr reichern sich immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre an. Auch 2025 sind die Konzentrationen von Kohlendioxid (CO2), Methan und Lachgas weiter gestiegen, zeigt der neue Bericht der Weltwetterorganisation (WMO). Seit 1990 hat sich der Einfluss langlebiger Treibhausgase auf die Erderwärmung um 56 Prozent verstärkt. Dadurch bleibt immer mehr Wärme im Klimasystem zurück.

Überraschend sei das nicht, sagt Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Besorgniserregend allerdings schon. Denn nicht nur die Konzentrationen steigen weiter. Auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Treibhausgase über längere Zeiträume in der Atmosphäre ansammeln, hat zugenommen. "Die Tatsache, dass die Wachstumsrate eher steigt als fällt, zeigt, dass wir nicht genug tun", so Zaehle.

Steigender Energieverbrauch weltweit

Der mit Abstand größte Treiber dabei: CO2. Seit 1990 sei das, was den Klimaantrieb verstärkt habe, zu 80 Prozent CO2 gewesen. Wenn dieses Problem nicht angegangen werde, werde der Klimawandel nicht gestoppt, so Zaehle.

Verantwortlich dafür ist vor allem die Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas. Überall gelangt dabei weiter Kohlenstoff in die Atmosphäre.

Das zu ändern, bleibe eine große Herausforderung, sagt Dagmar Kubistin vom Deutschen Wetterdienst. "CO2 greift in unser tägliches Leben ein. Wir sehen global, dass Länder sich weiterentwickeln: Wirtschaftswachstum, Industrialisierung und auch der Energieverbrauch steigt weltweit. Die regenerativen Energien werden immer mehr, aber sie sind halt noch nicht so weit, um das wirklich insgesamt aufzufangen", so Kubistin. Das müsse sich rasch ändern.

Die Natur kommt nicht mehr hinterher

Denn während Wälder und Ozeane zwar einen Teil des Kohlenstoffdioxids wieder aufnehmen, bleibt ein anderer über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende im Klimasystem zurück. Und diese natürlichen Helfer geraten zunehmend unter Druck.

Landökosysteme - also etwa Wälder, Böden und Pflanzen - absorbieren normalerweise etwa ein Viertel der menschlichen CO2-Emissionen. Doch bei zunehmend großer Hitze und Trockenheit funktioniert das immer schlechter. So auch während des starken El Niño 2023/2024. Das regelmäßig wiederkehrende Klimaphänomen hat natürliche Ursachen und tritt unabhängig vom menschengemachten Klimawandel auf. Allerdings kann die Erderwärmung die damit verbundene Hitze und Trockenheit zusätzlich verschärfen.

Viele tropische Regionen litten in der Zeit unter den extremen Wetterbedingungen. Pflanzen konnten weniger CO2 aufnehmen, Waldbrände setzten zusätzlich Kohlenstoff frei. Nach Angaben der WMO stieg die Kohlenstoffkonzentration 2024 außergewöhnlich stark an, mehr als in jedem anderen Jahr seit Beginn der Messungen. Und obwohl im Folgejahr 2025 kein El Niño aktiv war, stieg die CO2-Konzentration weiterhin stark an.

Ein klares Warnsignal, sagt Oksana Tarasova, Atmosphärenphysikerin bei der WMO. "Die Systeme haben keine Zeit zur Erholung. Wenn sie sich nicht erholen können, bleibt mehr und mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre - und treibt weitere Veränderungen an", sagt sie.

Die WMO rechnet damit, dass extreme Wetterphänomene zukünftig häufiger auftreten oder stärker ausfallen werden. Natürliche CO2-Senken wie Wälder und Moore würden so weiter geschwächt und künftige Klimaschutzbemühungen weiter erschwert werden.

Energiewende bringt neue Treibhausgase mit

Auch die Energiewende hat Nebenwirkungen, zeigt der WMO-Bericht. So meldet die Organisation einen Rekordanstieg beim Treibhausgas Schwefelhexafluorid (SF6), das unter anderem in elektrischen Schaltanlagen eingesetzt wird, um Funken zu vermeiden. Es ist rund 24.000-mal so klimawirksam wie CO2, über 100 Jahre betrachtet, und bleibt über Jahrtausende in der Atmosphäre. Es kommt in der Luft aktuell allerdings auch nur als winziger Bestandteil vor.

Für Atmosphärenforscher Zaehle ist SF6 kein Argument gegen die Energiewende. Die CO2-Einsparungen würden die zusätzlichen Klimawirkungen deutlich überwiegen, auch wenn es nicht immer ganz einfach sei. "Natürlich kann man auch da aufpassen, dass dieses Gas nicht entweicht", so Zaehle.

Methan: Wo Klimaschutz schnell wirken könnte

Während CO2 den langfristigen Verlauf der Erderwärmung bestimmt, gilt Methan als besonders wichtiger Hebel für die nächsten Jahrzehnte. Es erwärmt die Erde über 20 Jahre hinweg etwa 80-mal so stark wie Kohlenstoffdioxid, bleibt aber deutlich kürzer in der Atmosphäre. Kubistan erklärt: "Bei Methan ist es die Erdgas- und Ölindustrie, die einen großen Anteil ausmacht. Zusätzlich aber auch die Landwirtschaft, also Wiederkäuer oder der Reisanbau."

Abhängig von Temperatur und Niederschlag seien es zudem Feuchtgebiete, die das Gas freisetzten. Die WMO schätzt, dass etwa 35 Prozent der Methanemissionen aus natürlichen Quellen stammen. Rund 65 Prozent dagegen seien menschengemacht. Für Zaehle liegt hier ein kurzfristig schnelles Einsparpotenzial: "Wenn man kurzfristig etwas machen will, dann muss man sich das Gas vornehmen, das kurzfristig in der Atmosphäre reagiert - das ist Methan."

Bei den fossilen Emissionen könne man durch Schließung von Methanlecks und Reduktion von Verlusten relativ schnell relativ viel erreichen. Und auch die Landwirtschaft bietet Ansatzpunkte - etwa bei Fütterung, Tierbeständen und der Frage, wie viel Fleischkonsum tatsächlich nötig sei.

Auf politischer Ebene könnte es hierbei jedoch zu Verzögerungen kommen: Die EU-Kommission will Teile ihrer Methanverordnung um ein Jahr verschieben. Das Europaparlament hat sich inzwischen sogar für drei Jahre ausgesprochen. Betroffen sind Vorgaben zur Überwachung und Meldung von Methanemissionen bei importiertem Öl, Gas und Kohle.

Was die Politik tun muss

Der Bericht aus Genf soll als wissenschaftliche Grundlage für die Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya dienen. Dort wird im November darüber verhandelt, wie Staaten ihre Klimaziele erreichen wollen. Aus Sicht von Forschenden sind die Aufgaben klar: weniger CO2 aus der Energieversorgung, Verkehr und Industrie. Weniger Methan durch undichte Gasleitungen und die Landwirtschaft. Und weniger Lachgas durch gezielteren Einsatz von Dünger.

Gleichzeitig brauche es zuverlässige Messungen, um Veränderungen in der Atmosphäre zu erkennen und um zu überprüfen, ob Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich wirken. "Wir müssen alle Hebel, die wir haben, sinnvollerweise in Gang setzen", fasst Zaehle zusammen. Die Europäische Union sei eigentlich auf einem guten Weg, dürfe diesen Weg aber nicht verlassen.

Die neuen WMO-Zahlen zeigen, dass sich der Trend fortsetzt: mehr Treibhausgase, mehr Wärme, stärker belastete natürliche Senken. Wie schnell die Politik reagiert und wie konsequent sie vorhandene Lösungen umsetzt, entscheidet mit darüber, ob die Natur noch mithalten kann.

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