Zurich Film Festival – Die Elon-Musk-Doku «Musk»: Ausführlich, aber ohne Tiefgang

Zuerst war da Elon Musks Auseinandersetzung mit Regisseur Alex Gibney und die Androhung rechtlicher Schritte gegen die Veröffentlichung des Dokumentarfilms über ihn.
Dann wundert sich ein Branchenblatt, ob der Verleiher möglicherweise kalte Füsse bezüglich des Kinostarts bekommen habe: Denn obwohl «Musk» mit Blick auf die kommende Filmpreissaison lanciert wird, fehlt weiterhin ein Startdatum ausserhalb Nordamerikas.
Zuletzt sorgten nun abgelehnte Werbeanzeigen für Schlagzeilen. Youtube, Meta oder X lehnen eine bezahlte Verbreitung des Trailers zunächst ab. Anscheinend, so vermerkt es Nick Shumaker, Produzent des Films, vor der Schweizer Premiere am Zurich Film Festival, weil Posts zu «Musk» fälschlicherweise als politische Werbung eingestuft werden.
Viel Lärm um wenig Neues
Doch wie so oft bei Filmen, die im Vorfeld polarisierende Reaktionen hervorrufen: Wer sich «Musk» tatsächlich anschaut, stellt fest, dass auch hier nur mit Wasser gekocht wird.
Anstatt mit grossen Enthüllungen aufzuwarten, blickt Gibney vier Stunden lang auf die grossen Stationen, in die Musk während der vergangenen 25 Jahre verwickelt war: Tesla, SpaceX, die Übernahme von Twitter, sein politischer Kurswechsel und vieles mehr.
Es werden die bekannten Kontroversen aufgerollt: Martin Eberhard, einer der Tesla-Mitgründer, der sich mit Musk über die Frage stritt, wer sich Gründer nennen darf. Teslas Fahrassistenzsystem «Autopilot» und die tödlichen Unfälle, die damit in Verbindung gebracht wurden. Musks wiederholte Versprechen, Menschen zum Mars zu bringen. Oder die Frage, ob seine Regierungsinitiative DOGE tatsächlich die angekündigten Einsparungen erzielen konnte.
Das alles ist ausführlich besprochen, aufwändig recherchiert und mit Interviews jener Menschen angereichert, die sich für den Film vor die Kamera getraut haben.
Was – aber nicht warum
Doch Erklärungen für Musks Verhalten oder ein tiefergehendes Psychogramm liefert der Film kaum. Ist Musk ein brillanter Ingenieur oder ein begnadeter Verkäufer seiner eigenen Visionen? Kommt sein politischer Kurs und seine Unterstützung für die politische Rechte aus Überzeugung, wirtschaftlichem Opportunismus, oder weil er so für seine Social-Media-Posts mehr Likes bekommt? Gibney findet keine befriedigenden Antworten.
Der Film bleibt grösstenteils auf der «Was-hat-Musk-gemacht?»-Stufe, anstatt sich auf die «Warum-macht-Musk-das?»-Ebene zu begeben. Und die am Schluss in den Raum gestellte Theorie, dass Musk es vielleicht selbst nicht genau weiss, wirkt dabei ebenfalls wie eine Ausrede.
«Musk» in den Schweizer Kinos
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«Musk» läuft am 29. September und 4. Oktober noch zweimal am Zurich Film Festival. Ein regulärer Kinostart ist bislang nicht bekannt.
So ist «Musk» letztlich vor allem für jene spannend, die Musks Geschichte bisher nur aus der Distanz verfolgt haben. Wer seine Unternehmen, politischen Aktivitäten und Kontroversen bereits seit Jahren verfolgt, bekommt während der vier Stunden dagegen vergleichsweise wenig Neues.
Im Gespräch vor dem Screening bezeichnet Nick Shumaker jene Menschen, die sich trotz möglicher Konsequenzen für ein Gespräch mit Gibney entschieden haben, als «mutig». Darunter sind Musks erste Ehefrau Justine, die Influencerin Ashley St. Clair sowie sein entfremdeter Vater Errol. Irgendwie eine kuriose Einschätzung. Denn auch sie erzählen im Film kaum Bahnbrechendes oder Enthüllendes.
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