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Saturday, October 31, 2026

Weshalb die Super League extrem löchrig ist

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Der FC Thun ist auf Rekordkurs! Bloss ist das keine gute Neuigkeit für die Berner Oberländer. Bleibt ihre Abwehr so löchrig wie bis anhin, knacken sie bis Saisonende die Marke von 100 Gegentoren, mit der der FC Winterthur zuletzt einen historischen Negativwert aufgestellt hat.

Kleiner Lichtblick für den Meister: Er ist nicht der Einzige in der Liga mit Problemen in der Defensive. Das beweist der Blick auf die Zahlen der Datenfirma Statsbomb, die über 300 Ligen vermisst. Laut ihr sind die Abwehrreihen der Super League nicht bloss ein wenig wacklig. Sie gehören zu den schlechtesten dieser Welt.

Das ist nicht als Übertreibung gemeint. Wer etwa Mannschaften finden will, die sich seltener auskontern lassen als Basel oder Thun, muss mit der Lupe suchen. Über 99 Prozent der Teams in der Datenbank unterbinden Konter erfolgreicher als Basler und Thuner.

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Andere Beispiele: 98 Prozent der Teams in der Datenbank lassen ganz allgemein weniger gegnerische Chancen zu als Luzern, Vaduz oder Thun. Bei 97 Prozent kommt der Gegner seltener zum freien Schuss als bei GC.

Es gibt Ausreisser nach oben. Sion gehört weltweit zu den besten 20 Prozent bei der Unterbindung von Kontern. Ansonsten stehen die Walliser zusammen mit Lugano im internationalen Vergleich immerhin im Mittelfeld. Die Young Boys zeigen aufsteigende Tendenz. Der Rest der Liga schafft es nicht über das schlechteste Fünftel hinaus.

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Warum ist das so? Für Sven Christ (52) haben die Abwehrprobleme der Super-Ligisten vor allem mit der Art Fussball zu tun, die heute gespielt wird. «Früher verteidigte man oft mit zwei Verteidigern gegen einen Angreifer – oder mit drei gegen zwei. Das ist vorbei. Dadurch fallen viel mehr Tore», sagt der ehemalige Innenverteidiger, der bei Verband und Liga für Entwicklung und Controlling der Nachwuchs-Leistungszentren zuständig ist.

Hohes Pressing, Spieler, die auf dem ganzen Platz eins gegen eins verteidigen, viele Positionswechsel und Teams, die konsequent von hinten heraus flach aufbauen: Das ist eine explosive Mischung in beide Richtungen. «Verlierst du im Aufbauspiel den Ball, bekommst du Probleme. Schaffst du es aber, dich herauszukombinieren, gerät der Gegner in Schwierigkeiten, weil die Absicherung fehlt», erklärt Christ.

Der weltweite Trend – und die Schweizer Besonderheit

Die Spielart liegt international im Trend, was auch in der Champions League zu vielen Toren führt. Zum Beispiel beim spektakulären 5:4 zwischen Paris St-Germain und Bayern München im Halbfinal der letzten Saison.

Philippe Montandon (44) aber verweist zusätzlich auf ein paar Schweizer Besonderheiten. «Wir sind eine Ausbildungsliga», sagt der einstige Verteidiger, «wir ermutigen die Jungen, dass sie auch mal Fehler machen dürfen.» Wo aber aus taktischen Gründen die Absicherung fehlt, werden aus Fehlern rasch Tore.

Kommt dazu, dass hohes Pressing und flacher Spielaufbau viel Können und Präzision in der Ausführung erfordern. Voraussetzungen, die nicht alle Spieler in der Super League erfüllen. Die Schwierigkeit des hohen Bällejagens sehe man derzeit in Thun, findet Montandon: «Wenn du bei so viel Risiko nicht konsequent verteidigst, wird es schwierig.»

Beim flachen Spielaufbau stellt er Ähnliches fest: «Da müssen alle deine Spieler gut am Ball sein – auch der Goalie. Diese Qualität ist bei gewissen Kadern in der Breite nicht so vorhanden.»

Die Trainer stehen unter Druck

Sprich: Nur wenige Teams der Super League sind mit so viel Talent gesegnet, dass sie den modernsten Fussball aus der Königsklasse nachspielen können. Warum also lassen die Trainer nicht einen etwas konservativeren Fussball mit mehr Absicherung spielen?

Weil die Klubs sie nicht lassen, meint Christ: «In der Super League sucht niemand einen Defensivpapst. Die Fans sehen lieber ein 5:4 als ein 1:0. Wer als Trainer angestellt werden will, muss offensiv spielen lassen.»

Und dann ist da noch die Seite der Spieler. Blick-Experte Pascal Schürpf (37) sagt: «Verteidiger müssten eigentlich in erster Linie verteidigen können. Aber es zählt heute mehr, wenn ein Innenverteidiger tolle linienbrechende Pässe im Aufbauspiel hat oder ein Aussenverteidiger spektakuläre offensive Flügelläufe und Assists macht.»

Verteidigen allein reicht nicht mehr für eine Karriere

Diese Analyse bestätigt Christ: «Verteidiger werden auch heute noch ausgebildet. Aber die Defensivwerte allein reichen nicht mehr für eine Karriere.» Oder anders gesagt: «Wenn ich als Verteidiger 20 Zweikämpfe gewinne, aber wenig zum Offensivspiel beitrage und nur dreimal nach vorne renne, bin ich nicht interessant. Umgekehrt aber schon.»

Interessant zu sein, ist gleichbedeutend mit Chancen auf einen Auslandtransfer – was einen Einfluss auf mögliche Transfererlöse hat. Und damit auf das Interesse der Schweizer Vereine, welche Sorte von Verteidigern sie gern einsetzen und fördern möchten.

Trainer, die unter Druck sind, offensiv spielen zu lassen. Spieler mit mässiger Qualität, für deren Fehler es keine Absicherung gibt. Dazu Klubs und Nachwuchsverteidiger, für die das Offensivspiel mehr Anreize bietet als die Abwehrarbeit. In der Super League herrschen die idealen Voraussetzungen für eine Torflut.

Und das werde sich auch nicht so schnell ändern, sagt Christ voraus: «Früher sagte man: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Das hat sich verändert.» Für Fans, die in den Stadien auf Spektakel hoffen, eigentlich gute Neuigkeiten.

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Mannschaft

SP

TD

PT

1

FC Lugano

FC Lugano

11

25

31

2

BSC Young Boys

BSC Young Boys

11

17

25

3

FC Sion

FC Sion

11

7

22

4

FC Zürich

FC Zürich

11

-3

17

5

Servette FC

Servette FC

11

2

16

6

FC St. Gallen

FC St. Gallen

11

-4

16

7

FC Basel

FC Basel

11

-3

14

8

FC Luzern

FC Luzern

11

-6

12

9

FC Thun

FC Thun

11

-11

10

10

FC Vaduz

FC Vaduz

11

-1

9

11

Grasshopper Club Zürich

Grasshopper Club Zürich

11

-13

9

12

FC Lausanne-Sport

FC Lausanne-Sport

11

-10

6

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