Besuch in Paris – Papst Leo XIV. und die französische Laizität

Der Besuch: Das Oberhaupt von weltweit 1.4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken hat mit rund 800'000 Gläubigen eine Messe auf der Place de la Concorde und den Champs-Elysées gefeiert. Der Besuch von Papst Leo XIV. ist nicht nur ein religiöses Grossereignis, sondern auch ein Test für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in einem Land, das wie kaum ein anderes an seiner Laizität festhält.
Die Symbolik: Es ist die erste offizielle Papstreise nach Frankreich seit dem Besuch von Benedikt XVI. im Jahr 2008. Auf dem Programm stehen Treffen mit Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast, ein Besuch der Unesco in Paris, eine Vesperfeier in Notre-Dame, eine Jugendveranstaltung im Stade de France sowie Stationen in Lourdes und Metz. In Frankreich ist ein Papstbesuch ein symbolträchtiges Ereignis: Das Land gilt einerseits als älteste Tochter der Kirche, andererseits als eines der konsequent laizistischen Länder Europas. Gerade deshalb hat der Papstbesuch weit über die katholische Gemeinschaft hinaus politische und gesellschaftliche Bedeutung.
Laizität: Die französische Laïcité beschreibt die strikte Trennung von Staat und Religion. Sie geht auf das Gesetz von 1905 zurück, das die Vorrechte der katholischen Kirche beendete und den Staat zu religiöser Neutralität verpflichtete. Religion gilt seither als Privatsache. Staatliche Institutionen dürfen keine Religionsgemeinschaft bevorzugen, gleichzeitig garantiert der Staat die Religionsfreiheit. Die Laizität ist bis heute ein zentraler Bestandteil der französischen Republik und prägt Debatten über religiöse Symbole, den Platz des Islams in der Gesellschaft oder die Rolle der Kirchen im öffentlichen Raum.
Frankreichs Paradox: Der Besuch macht ein französisches Paradox sichtbar: Frankreich ist gleichzeitig ein säkularer Staat und ein Land mit tiefen christlichen Wurzeln. Viele Feiertage, Kathedralen und Traditionen gehen auf das christliche Erbe zurück. Orte wie Notre-Dame de Paris oder Lourdes gehören zu den wichtigsten religiösen Stätten Europas. Und die grosse öffentliche Aufmerksamkeit für den Papst an diesem Samstag zeigt, dass religiöse Fragen trotz sinkender Kirchbindung weiterhin einen Platz im nationalen Selbstverständnis haben.
Macrons Haltung: Präsident Macron hat den Papst am Flughafen Orly empfangen, und dieser durfte im Elysée-Palast seine erste Rede halten. Kritiker sehen darin einen Verstoss gegen die Laizität. Macron entgegnet, die französische Laizität lehne Religion nicht ab. Sie schütze die Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben. Während zahlreiche Politikerinnen und Politiker an der grossen Messe teilnahmen, hat Macron als Staatschef dies aber nicht getan – ausdrücklich im Namen der Laizität.
Botschaft Papst Leos XIV.: In Frankreich verbindet der Papst mehrere Botschaften. Er wirbt für Frieden und Versöhnung in Europa, erinnert an die christlichen Wurzeln des europäischen Einigungsprojekts und setzt sich für die Würde jedes Menschen ein, besonders von Migranten und gesellschaftlich Ausgegrenzten. Mit seinen Besuchen in der Maison Bakhita, einem Zentrum für Menschen im Exil, sowie in Lourdes und Metz unterstreicht er die Bedeutung von Solidarität, Hoffnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Seine Reise ist damit nicht nur eine Visite bei den französischen Katholiken, sondern auch ein Appell an Europa und die französische Gesellschaft insgesamt.
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