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Wednesday, October 14, 2026

Mit fünf Jahren fährt Emily mit 100 km/h: Wie geht das?

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  • Die fünfjährige Luzernerin Emily fährt Rennkart, der Schweizer Motorsportverband sperrt sie bis Ende 2027.
  • Kinderarzt Oskar Jenni hält frühe Spitzenleistungen durch intensives Training für möglich, sieht das Kartfahren aber kritisch.
  • Sportmediziner Florian Schaub nennt Schädel-Hirn-Traumata und Überhitzung als Risiken, hält Kartsport aber nicht pauschal für zu gefährlich.

Mit dem Kart über die Rennstrecke flitzen, riskante Kurven meistern und im richtigen Moment blitzschnell reagieren: Die fünfjährige Emily ist ein Ausnahmetalent. Dass der Schweizer Motorsportverband die junge Luzernerin bis Ende 2027 sperrt, sorgte schweizweit für Aufsehen.

Doch der Fall wirft noch ganz andere Fragen auf: Wie kann ein fünfjähriges Kind überhaupt ein Kart bei hoher Geschwindigkeit beherrschen, während Gleichaltrige teilweise noch mit Stützrädern Fahrrad fahren? Was passiert bei solchen Geschwindigkeiten, laut Aussagen von Emilys Vater ist sie teils mit fast 100 km/h unterwegs, im Körper eines Kindes? Welche Belastungen wirken auf Nacken, Wirbelsäule und Muskeln – und kann ein Kind in diesem Alter Gefahren schnell genug erkennen und darauf reagieren?

Die Kinderärzte Oskar Jenni und Florian Schaub erklären, was ein Kind in diesem Alter bereits leisten kann, welche körperlichen Risiken der Kartsport birgt und wann die intensive Förderung eines Talents problematisch werden kann.

«Kinder können durch intensives Training aussergewöhnliche Fähigkeiten entwickeln»

Dass Emily bereits auf der Kartbahn unterwegs ist, während andere Kinder im gleichen Alter etwa im Strassenverkehr Geschwindigkeiten und Distanzen noch nicht zuverlässig einschätzen können, ist für Kinderarzt Oskar Jenni vom Universitäts-Kinderspital Zürich kein Widerspruch. «Kinder können durch intensives Training schon früh aussergewöhnliche Fähigkeiten in bestimmten Bereichen entwickeln», sagt er. Der Strassenverkehr sei dagegen völlig unvorhersehbar – dort könnten Kinder mit der Einschätzung von Geschwindigkeiten und Gefahren weiterhin überfordert sein.

Kinder entwickelten sich zudem sehr unterschiedlich. Treffe grosses Talent auf frühes und intensives Training, seien in einzelnen Tätigkeiten weit überdurchschnittliche Leistungen möglich. Das bedeute jedoch nicht, dass die übrige Entwicklung des Kindes ebenfalls entsprechend weit fortgeschritten sei.

Das Kartfahren in einem derart jungen Alter sieht Jenni dennoch kritisch. Entscheidend sei auch, ob tatsächlich die Freude und das Wohl des Kindes im Vordergrund stünden oder ob der Sport zunehmend zum «Projekt elterlicher Ambitionen» werde. Wer bereits sehr früh viel Zeit in eine einzige Tätigkeit investiere, habe weniger Raum für andere wichtige Erfahrungen und Interessen.

«Bei Kindern wirken andere Hebelkräfte»

Pauschal für zu gefährlich hält Florian Schaub, Sportmediziner am Universitäts-Kinderspital Zürich und an der Universitätsklinik Balgrist, Kartsport für Fünfjährige nicht. «Man muss sich allerdings bewusst sein, dass auf den Körper eines Kindes andere Kräfte wirken als auf den eines Erwachsenen.» So sei etwa der Kopf im Verhältnis zum Körper grösser, ein Helm verstärke die Hebelwirkung auf den Nacken zusätzlich. Umso wichtiger seien ein passender Helm und ein optimal angepasster Sitz. Gerade bei sehr kleinen Kindern könne es allerdings schwierig sein, geeignete Ausrüstung zu finden. Und weil sie schnell wachsen, müsse diese laufend angepasst werden.

Das grösste medizinische Risiko sieht Schaub bei Unfällen: «Ein Schädel-Hirn-Trauma ist wohl die grösste Gefahr in diesem Sport.» Hinzu komme die Gefahr der Überhitzung: Schutzkleidung im Rennsport sei warm, Kinder könnten sich an Hitze schlechter anpassen als Erwachsene.

Dass Fünfjährige Rennen fahren, sei hierzulande zwar ungewöhnlich, in anderen Ländern aber durchaus verbreiteter. «Andernorts findet man es vielleicht genauso ungewöhnlich, dass bei uns bereits Dreijährige auf Skis stehen», sagt Schaub. Entscheidend sei deshalb nicht allein das Alter, sondern auch der Entwicklungsstand des Kindes, die Ausrüstung und der Trainingsumfang. Grundsätzlich sei Sport gerade für kleine Kinder wichtig und gut, doch auch Schaub betont: «In diesem Alter sollte er in erster Linie ein Hobby bleiben. Kinder sollten genügend Zeit haben, auch andere Interessen zu entdecken, statt bereits ausschliesslich auf ein sportliches Ziel hinzutrainieren.»

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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