Welche Maßnahme hilft am besten gegen hohe Spritpreise?
Der Dieselpreis hat ein erneutes Rekordhoch erreicht – eine effektive Gegenmaßnahme bleibt bislang aus. Die Bundespolitik sucht wirksame Antworten auf eine anhaltende Frage.
16.09.2026 | 1:56 minBundeskanzler Friedrich Merz hat am Dienstagmittag erneute Entlastungen wegen der hohen Spritpreise angekündigt - wie diese im Detail aussehen sollen, könnte im Lauf des Tages bekannt werden. Damit ist die Debatte zurück, mit welchem Instrument Autofahrerinnen und Autofahrer sowie Unternehmen am besten unterstützt werden sollten. Während in der Koalition mehrere Vorschläge kursieren, mahnen Ökonominnen und Ökonomen zur Vorsicht vor Schnellschüssen mit hohen Streuverlusten.
Wie sollen Bürger bei hohen Spritpreisen entlastet werden? CDU-Generalsekretärin Hoppermann hat in der ZDF-Sendung "maybrit illner" erste Details erläutert.
18.09.2026 | 0:42 minWelche Vorschläge liegen auf dem Tisch der Regierung?
In der Koalition liegen derzeit vier Modelle auf dem Tisch:
- Mehrwertsteuersenkung: Unionsfraktionschef Thorsten Frei plädiert für eine Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Spritpreise per Steuerrabatt senken.
- Direktauszahlung: Reiche hat außerdem mehrfach Direktzahlungen an Geringverdiener vorgeschlagen.
- Übergewinnsteuer: Aus der SPD kommt der Vorschlag, die Gewinne der Mineralölkonzerne zusätzlich zu besteuern.
Welche der Maßnahmen kommt am ehesten bei den Menschen an und was ist überhaupt umsetzbar? Ein Überblick:
Favorit unter den Ökonom*innen: Direktzahlungen
Eine Mehrheit der Fachleute hält eine zielgerichtete Direktzahlung an einkommensschwache Haushalte für das ökonomisch sauberste Instrument. Die Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft, Monika Schnitzer, fordert im ZDF-Interview:
Man müsste wirklich dahin kommen, gezielt zu unterstützen, die, die es wirklich brauchen.
Monika Schnitzer, Vorsitzende Sachverständigenrat Wirtschaft
Ihr Vorschlag: "Dafür bräuchte man ein Instrument, eine sogenannte Direktauszahlung an die Menschen, die es brauchen, auf ihr Konto überwiesen, und zwar in Abhängigkeit von ihrem Einkommen." Das Problem: Die technische Grundlage sei zwar geschaffen, es fehle aber noch an den Kontonummern vieler Menschen und deren Verknüpfung mit Einkommensdaten.
Eine niedrigere Mehrwertsteuer könnte Benzinpreise um 24 Cent senken. "Es ist wieder eine Lösung nach dem Gießkannenprinzip", sagt Wirtschaftsweise Prof. Monika Schnitzer. Sie fordert gezielte Auszahlungen.
17.09.2026 | 6:06 minÄhnlich äußert sich auch der Ökonom Mats Kahl, der aktuell eine Gastprofessur in Madrid bekleidet:
Zielgerichtete Direktzahlungen an besonders belastete Haushalte wären deshalb aus ökonomischer Sicht vorzuziehen, weil sie die Kaufkraft stützen, ohne das Preissignal an der Tankstelle auszuschalten.
Dr. Mats Kahl, Universidad Carlos III in Madrid
Ökonom Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sieht das im Grundsatz genauso, warnt aber vor der Umsetzung: "Direktzahlungen an bedürftige Haushalte sind aus verteilungspolitischer Sicht natürlich wünschenswert. Aber bislang hat das noch nicht geklappt, und ich bin gespannt, ob es künftig klappen wird. In jedem Fall wäre diese Lösung mit hohen Bürokratiekosten verbunden."
Mehrwertsteuersenkung und Tankrabatt: Schnell, aber teuer und ungenau
Die von Unionsfraktionschef Thorsten Frei vorgeschlagene Mehrwertsteuersenkung stößt bei Schnitzer auf klare Ablehnung: "Das würde schnell gehen, aber (...) das kostet sehr viel Geld."
Es ist wieder eine Lösung mit dem Gießkannenprinzip, das heißt, jeder wird unterstützt, der das wirklich braucht, aber auch der SUV-Fahrer, der mit 200 km/h über die Autobahn fährt. Das ist nicht sinnvoll.
Monika Schnitzer, Vorsitzende Sachverständigenrat Wirtschaft
Neben den Kosten gibt es noch mehr Gegenargumente gegen diese Maßnahme:
- Es ist unklar, ob die Senkungen immer vollständig an den Verbraucher weitergegeben werden.
- Besserverdiener werden bevorzugt: Einer Untersuchung zufolge gingen 62 Prozent der Entlastung von 2022 an Haushalte oberhalb des Medianeinkommens.
Am Montag, 14.09.2026 kostete Super E10 im Tagesdurchschnitt knapp 2,29 Euro je Liter – so viel wie nie zuvor. Bundeskanzler Merz stellt angesichts der hohen Preise Entlastungen in Aussicht.
15.09.2026 | 1:21 minPreisdeckel: Warnung vor Warteschlangen und falschen Anreizen
In Frankreich hat der Öl- und Gaskonzern TotalEnergies einen Preisdeckel von 1,99 Euro für Super-Benzin eingeführt. Einen solchen festgelegten Höchstpreis sehen die befragten Ökonomen für Deutschland eher kritisch. "Preisdeckel haben Nebenwirkungen, die die Autofahrer Zeit und Nerven kosten, weil es leicht zu Knappheiten und langen Warteschlangen an den Tankstellen kommen kann", gibt Frondel zu bedenken.
Ralf Dewenter von der Helmut-Schmidt-Universität ergänzt die ökonomische Logik: "Ein Preisdeckel (...) wirkt unmittelbar auf die Preise und kann Verbraucher daher kurzfristig entlasten. Allerdings reduziert er gerade nicht den Anreiz, den Kraftstoffverbrauch zu senken." Auch Schnitzer sieht darin das "falsche Signal".
Übergewinnsteuer: Beliebt in der Theorie, schwierig in der Praxis
Der von Teilen der SPD ins Spiel gebrachten Übergewinnsteuer stehen die Ökonomen überwiegend skeptisch gegenüber. Eine Übergewinnsteuer könne dem Staat zwar kurzfristig Einnahmen bringen, meint Frondel:
Aber das willkürliche Erheben dieser Steuer nach dem Gutdünken des Staates kann Unternehmen abschrecken und langfristig zur Abwanderung und somit weniger Wertschöpfung und Beschäftigung führen.
Dr. Manuel Frondel, RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
Der Spritpreis hat ein neues Allzeithoch erreicht. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller erklärt, wie die Bundesregierung weiteren Kostensteigerungen entgegenwirken könnte.
14.09.2026 | 1:12 minEin weiteres Problem: Es müsste zunächst definiert werden, wann und in welcher Höhe überhaupt ein 'Übergewinn' entsteht. Dazu müsste eine solche Regelung erstmal rechtssicher ausgestaltet und gegebenenfalls vor Gericht durchgesetzt werden.
Grundsätzlich würde das, glaube ich, jedem gut gefallen und das würde einem auch als gerecht erscheinen. Aber da liegt der Teufel im Detail. Einfach wird das nicht.
Monika Schnitzer, Vorsitzende Sachverständigenrat Wirtschaft
Von der Branche selbst kommt erwartungsgemäß deutlicher Widerspruch. Der Sprecher des Wirtschaftsverbands EN2X, Alexander von Gersdorf, erklärte bei phoenix vor Ort: Der große Gewinnsprung der Konzerne sei damit zu erklären, dass Öl auf dem Weltmarkt knapper geworden sei. Für den deutschen Tankstellenmarkt, für den sein Verband zuständig sei, gebe es "keinen Unterschied in den Margen".
phoenix tagesgespräch mit Alexander von Gersdorff (Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V.) zur Energiekrise und der Verantwortung der Mineralölverbände bei der Preisgestaltung.
18.09.2026 | 9:00 minEntlastung des Transportgewerbes kann Preissteigerungen verhindern
Es gibt noch weitere Ideen, die Effekte für die Bevölkerung haben können: eine gezielte Entlastung des Transportgewerbes würde grundsätzlich auch Verbraucher entlasten, da die höheren Kraftstoff- und Transportkosten zumindest teilweise über höhere Warenpreise weitergegeben werden.
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem ZDFheute Xpress am 18.09.2026 ab 08:00 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.