«Er schrieb überbordend» – Der Schweizer Autor Gerold Späth ist gestorben

«Mit Gerold Späth verlieren wir einen grossen Erzähler» schrieb der Lenos Verlag am Donnerstag zum Tod des Autors. Gestorben ist Späth am 14. Oktober.
Bereits mit seinem Debüt «Unschlecht» legte Späth 1970 ein literarisches Glanzstück vor. Die Geschichte eines kauzigen Erben, dessen Vermögen samt Insel im See die Begehrlichkeiten seiner Mitbürger weckt, knüpfte an den barocken Schelmenroman an.
Mit dem Buch gewann er den renommierten Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. «Das Buch zeichnet sich durch burleske Episoden aus, die Sprache ist von Helvetismen und Wortneuschöpfungen durchzogen», meint SRF-Literaturexperte Michael Luisier. Man spüre eine grosse Lust an der Sprache und am Fabulieren.
Späth stellte sich als Autor vor, dessen Bücher «von barocker Fülle, Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie» geprägt sind. So formulierte es der Lenos Verlag. Michael Luisier bekräftigt: «Er war ein Autor, der überbordend schreibt.»
Späth habe die Extreme des Lebens thematisiert: «auf der einen Seite sehr derbe Komik, pure Lebenslust – auf der anderen Seite das Bewusstsein von Vergänglichkeit und Tod», so Luisier.
Schweizer Enge und Doppelmoral
An dem Monumentalwerk «Commedia» von 1980, mit dem Gerold Späth bekannt wurde, sehe man dieses Zusammenspiel aus Komik und Melancholie: «Späth lässt die Bewohner einer fiktiven Schweizer Kleinstadt zu Wort kommen, die ungefiltert sagen, was ihnen gerade durch den Kopf geht.» Dabei entstehe ein Mosaik aus Sehnsüchten, Obsessionen, Lebenslügen und Triumphen, das Einsamkeit, soziale Enge und unerfüllte Träume sichtbar macht.
Geboren wurde Gerold Späth 1939 in eine Orgelbauerdynastie in Rapperswil am oberen Zürichsee. Rapperswil sei der Ort, in dem seine Geschichten wohnten, habe Späth einmal gesagt, so Michael Luisier. In seinen Werken prangerte Gerold Späth wiederholt die Enge, die Selbstgerechtigkeit und die Doppelmoral der «heilen» Schweizer Welt an. Man nannte ihn einen «neuen Rabelais», «modernen Grimmelshausen» oder «Schweizer Boccaccio».
Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 15.10.2026, 17:10 Uhr. ; sda/gert/wids
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