«Sie war komplett weg – es war angsteinflössend»

- Die Schwedin Caroline Andersson stürzt an der Strassen-Rad-WM in Montreal schwer und verliert das Bewusstsein.
- Sie hat ein gebrochenes Schlüsselbein und ist hart auf den Kopf gefallen, ist aber ansprechbar und bei Bewusstsein.
- Marlen Reusser verpasst eine Medaille knapp und belegt den vierten Platz.
Der bei der Rad-WM in Montreal schwer gestürzten Caroline Andersson geht es den Umständen entsprechend gut. Das sagte der schwedische Nationaltrainer Lucas Persson dem Sender SVT. «Sie ist ansprechbar und bei Bewusstsein. Das ist sehr positiv», sagte Persson. «Sie wird noch immer untersucht. Wir wissen aber, dass sie ein gebrochenes Schlüsselbein hat. Zudem ist sie hart auf den Kopf gefallen.»
Andersson war in einen Massensturz etwa 94 Kilometer vor dem Ziel verwickelt. Die 25-Jährige lag zunächst regungslos und mit blutüberströmtem Gesicht auf dem Asphalt. «Als wir zu ihr kamen, war sie bewusstlos. Sie war komplett weg. Es war angsteinflössend, man weiss einfach nicht, was man in diesem Moment tun soll», berichtete Persson.
Worauf sollte der Fokus nach einem Massensturz bei einem WM-Rennen am stärksten liegen?
Zwei Sanitäter waren schnell am Ort des Geschehens und legten Andersson eine Halskrause an. Ihre Teamkollegin Julia Borgström war von dem Sturz so mitgenommen, dass sie das Rennen nicht fortsetzen konnte. Hemmungslos weinend stieg die 25-Jährige im Zielbereich auf der Avenue du Parc vom Rad. «Ihr geht es wieder gut. Sie ist froh, dass Caroline reden kann», sagte Persson.
Blasi kritisiert Risiko
Neben Andersson war auch die Australierin Lauretta Hanson ins Spital gebracht worden. Die 31-Jährige hatte nach dem Crash lange regungslos auf dem Asphalt gelegen. Über ihren Zustand gab es zunächst keine weiteren Informationen. Laut australischen Medienberichten soll Hanson später wieder bei Bewusstsein gewesen sein.
Die Titelverteidigerin Magdeleine Vallieres aus Kanada, die WM-Zweite Niamh Fisher-Black aus Neuseeland, Kim le Court aus Mauritius sowie das spanische Top-Talent Paula Blasi waren ebenfalls in den Sturz involviert – und büssten dadurch ihre Medaillenchancen ein.
«Als wir auf den Rundkurs gekommen sind, wurde es verrückt. Da wurde viel zu hohes Risiko gegangen», sagte Blasi nach ihrer Aufgabe. Vallieres und Fisher-Black gaben das Rennen später ebenfalls auf. Und auch die Schweiz verpasste eine WM-Medaille, auch wenn die Fahrerinnen das Rennen zu Ende fahren konnten.
Das sagt Marlen Reusser
Marlen Reusser belegte am Ende den vierten Platz. Der Massensturz riss das Schweizer Team auseinander, Reusser kämpfte sich aber zurück. Nach dem Rennen sagte sie: «Ich glaube, ich habe wirklich den entscheidenden Moment dieses Rennens verpasst, und das ist meine Schuld.»
Und: «Danach war es super schwierig, weil niemand wirklich gefahren ist. Die anderen Fahrerinnen sind eher um den zweiten Platz gefahren. Ich wollte nicht um Geld fahren. Ich wollte gewinnen oder nach Hause zurückkehren.»
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
Robin Carrel (rca) ist Journalist und Leiter der Sportredaktion bei 20 minutes, wo er seit 2011 tätig ist. Er arbeitet ausserdem für lematin.ch.
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