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Saturday, October 17, 2026

Walters Risiko mit Schonlau: Hoffnungsträger und Sorgenfall

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Holstein Kiel stoppt zwar Herthas Siegesserie, steckt nach zehn Spielen ohne Dreier aber weiter tief im Keller fest. Ausgerechnet Rückkehrer Sebastian Schonlau wurde zum Symbol der Lage. Und auch neben dem Platz wächst der Druck auf Tim Walter.

Sebastian Schonlau musste in der zweiten Hälfte angeschlagen vom Feld.

Sebastian Schonlau musste in der zweiten Hälfte angeschlagen vom Feld. IMAGO/Ole Jacobsen

Die Einordnung des 0:0 gegen Hertha BSC mündete für Holstein Kiel in einer anspruchsvollen Denksportaufgabe. Die positiven Fakten: Die mit großer Leidenschaft agierenden Störche hatten die imposante Siegesserie des Spitzenreiters gestoppt und durften dank der letztlich glücklichen Nullnummer nach saisonübergreifend neun Punktspielen den Rasen erstmals wieder ohne Gegentor verlassen. Andere Zahlen indes trübten den Blick: Die Nordlichter behalten das unfreiwillige Alleinstellungsmerkmal im deutschen Profifußball (zehn Zweitligapartien in Folge ohne ein Drei-Punkte-Erlebnis) und verharren mit lediglich fünf von möglichen 24 Zählern weiter im tiefen Keller des Bundesliga-Unterhauses.

Speziell eine Personalie geriet am Freitagabend zum Symbol der angespannten Nerven in Kiel: Sebastian Schonlau. Der 32-Jährige feierte sein Startelf-Debüt im Holstein-Trikot. Ein Wagnis von Cheftrainer Tim Walter, schließlich hatte der Routinier letztmals am 18. Mai 2025 über 90 Minuten gespielt: beim Saisonfinale des damaligen Erstligaaufsteigers Hamburger SV (2:3 in Fürth).

8. Spieltag

Schonlau verließ danach die Hanseaten und suchte eine neue Herausforderung in Kanada. Ein Abenteuer ohne Happy End. Denn beim MLS-Klub Vancouver Whitecaps kam der Routinier aufgrund von Verletzungen innerhalb eines Jahres auf nur 25 Pflichtspielminuten. Die Rückkehr in Deutschlands Norden sollte die Wende bringen. Schon zu gemeinsamen Zeiten beim HSV galt Schonlau als wichtigste Führungskraft des damaligen Rothosen-Coaches Walter (Juli 2021 bis Februar 2024). Doch am 10. Juli dieses Sommers folgte im Test gegen den dänischen Erstligisten Sönderjyske der Rückschlag. Bereits nach 16 Minuten endete Schonlaus Comeback wegen einer Muskelverletzung.

Hoffnungsträger musste raus

Gut drei Monate später nun der nächste Versuch - ohne angemessene Wettkampf-Praxis im Vorlauf. Und Walters riskanter Plan, mithilfe seines Vertrauten Schonlau für Ruhe und Stabilität in Reihen der zuletzt zunehmend verunsicherten Störche zu sorgen, schien am Freitagabend tatsächlich aufzugehen. Bis zur 50. Minute, als der Hoffnungsträger wegen einer ohne Fremdeinwirkung erlittenen und noch nicht genau diagnostizierten Muskelblessur am linken Oberschenkel ausgewechselt werden musste. Fortan stockte der Spielaufbau der Kieler, kam die Defensive gegen den Liga-Primus arg ins Wanken.

"Ohne die anderen bei uns schlechter reden zu wollen, 'Bascho' (Schonlaus Spitzname, Anm d. Red.) ist ein unfassbarer Spieler, ein Top-Spieler dieser Liga. Der ist über ein Jahr raus und spielt so eine erste Halbzeit, davor ziehe ich jeden Hut. Ich hoffe, dass seine Verletzung nichts Schlimmes ist", lobte der überragende KSV-Keeper Timon Weiner seinen in den zurückliegenden 17 Monaten vom Pech verfolgten Vordermann.

"In der ersten Halbzeit war es ein komplett anderes Spiel, weil Schonlau auf dem Platz ist. Er gibt allen ein ganz anderes Gefühl. Er kommuniziert und schiebt die Spieler dorthin, wo er sie haben möchte. Diese Qualität ist dann in der zweiten Halbzeit ein bisschen verloren gegangen", resümierte der 50-jährige Walter ob der Schonlau-Verletzung nachdenklich.

Heimsieg als Pflichtaufgabe

Wohlwissend, dass die keineswegs leidenschaftlich formulierten Treueschwüre von Sportchef Olaf Rebbe angesichts der anhaltenden Ergebnis-Krise endlich sind. "Gegen eine Mannschaft, die sieben Spiele in Folge gewonnen hat, war das ein ordentlicher Auftritt. Aber klar ist auch, dass für uns nur Siege zählen, um da unten herauszukommen", erklärte Rebbe bei Sky: "Wir müssen das Spiel noch einmal im Detail ansehen und dann schauen wir, wie es gegen Dresden wird."

Ein Heimsieg gegen Dynamo am kommenden Sonntag dürfte zur Pflichtaufgabe für Walter werden. Dass die Anwesenheit von Ex-Köln-Coach Lukas Kwasniok für spontane Spekulationen sorgte, lockte Rebbe derweil nicht aus der verbalen Reserve. "Wir haben ein öffentliches Stadion. Und da darf jeder kommen und sich ein Spiel anschauen", so der 48-Jährige.

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