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Sunday, October 4, 2026

"Das wäre ein unglaubliches Zeichen" - Kuhn über ein NFL-Franchise in Europa

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London gilt seit Jahren als Zentrum der internationalen Expansion der NFL. Geht es nach Markus Kuhn, hat Deutschland den britischen Markt mittlerweile allerdings überholt. Im exklusiven Interview mit football-world erklärt der ehemalige NFL-Profi, warum er den deutschen Markt inzwischen für attraktiver hält.

Doch Kuhn blickt noch deutlich weiter in die Zukunft. Der EFA-Präsident kann sich langfristig sogar ein festes NFL-Team oder eine komplette Division in Europa vorstellen - warnt gleichzeitig aber vor zu großen Erwartungen an den zeitlichen Rahmen.

Kuhn sieht Deutschland vor London

Seit 2007 trägt die NFL regelmäßig Regular-Season-Spiele in London aus. Entsprechend eng ist die Verbindung zwischen der Liga und dem britischen Markt.

Der deutsche bezweifelt allerdings, dass London deshalb weiterhin die Nummer eins außerhalb der USA ist. "Ich glaube nicht, dass London der wichtigste Markt ist."

Dass dort weiterhin besonders viele internationale NFL-Spiele stattfinden, führt der EFA-Präsident auch auf die historische Entwicklung zurück. "Natürlich finden dort die meisten internationalen Spiele statt. Das ist aber zum Teil auch historisch gewachsen. London hat in dieser Hinsicht einen gewissen Bestandsschutz, weil die NFL dort schon sehr lange aktiv ist."

Mittlerweile stellt sich für ihn sogar die Frage, ob die Anzahl der London Games noch zur tatsächlichen Nachfrage passt. "Vielleicht sind es inzwischen sogar ein bisschen zu viele Spiele."

Als Indikator nennt er unter anderem die unterschiedliche Nachfrage nach Tickets. Während Tickets für Spiele in Deutschland teilweise extrem begehrt sind, sei die Situation in London nicht immer vergleichbar.

"Der bessere und attraktivere Markt"

Auch andere Kennzahlen sprechen aus Kuhns Sicht mittlerweile für Deutschland. "Wenn du dir die Zuschauerzahlen, das Interesse und auch die Merchandise-Zahlen anschaust, glaube ich, dass Deutschland beziehungsweise der DACH-Raum mittlerweile der bessere und attraktivere Markt ist."

Einen direkten Konkurrenzkampf zwischen Deutschland und Großbritannien will Kuhn daraus allerdings nicht machen. Vielmehr zeige die Entwicklung, welche Stellung sich Deutschland innerhalb der internationalen NFL-Strategie erarbeitet habe. "Die Zahlen zeigen aus meiner Sicht einfach, wie stark sich der deutsche Markt entwickelt hat."

NFL Europe zeigte früh das deutsche Potenzial

Für Kuhn kommt diese Entwicklung nicht völlig überraschend. Bereits die NFL Europe hatte gezeigt, wie groß das Interesse an American Football in Deutschland sein kann. In ihrer letzten Saison 2007 kamen fünf der sechs Franchises aus Deutschland. Lediglich die Amsterdam Admirals waren außerhalb der Bundesrepublik angesiedelt. Dass die NFL nach dem Ende des Wettbewerbs zunächst London zum Zentrum ihrer europäischen Strategie machte, hält Kuhn dennoch für nachvollziehbar.

Die gemeinsame Sprache und die Verbindung zwischen New York und London hätten den Einstieg erleichtert. "Der gesamte Einstieg war wahrscheinlich unkomplizierter, als direkt wieder nach Deutschland zurückzugehen." Das Potenzial des deutschen Marktes sei jedoch bereits damals sichtbar gewesen. "Schon damals konnte man also sehen, wie groß das Interesse an American Football in Deutschland war."

Seine Einschätzung fällt deshalb eindeutig aus. "Deshalb glaube ich, dass Deutschland heute wahrscheinlich der attraktivste internationale Markt der NFL ist."

Ein NFL-Spiel weniger in London, eines mehr in Deutschland?

London bleibt für Kuhn trotzdem ein bedeutender Standort. Insbesondere die Jacksonville Jaguars haben über Jahre eine enge Verbindung zur britischen Hauptstadt aufgebaut und regelmäßig Heimspiele nach London verlegt.

An der grundsätzlichen Verteilung der International Games könnte sich aus Kuhns Sicht langfristig dennoch etwas ändern. "Ich persönlich könnte mir mittelfristig vorstellen, dass London vielleicht ein Spiel weniger bekommt und dafür ein weiteres Spiel nach Deutschland kommt."

Eine Forderung an die Liga soll das allerdings nicht sein. "Am Ende weiß die NFL sehr genau, was sie tut."

Warum funktioniert Football gerade in Deutschland?

Warum Deutschland eine derartige Begeisterung für American Football entwickelt hat, kann selbst Kuhn nicht eindeutig erklären. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es dafür den einen konkreten Grund gibt. Vielleicht hat es auch etwas mit unserer Kultur zu tun."

Ein Fundament wurde für ihn bereits durch die NFL Europe gelegt. "Was wir auf jeden Fall wissen, ist, dass die NFL Europe bereits gezeigt hat, dass die Deutschen American Football mögen."

Hinzu kommt eine vergleichsweise lange Football-Tradition. Deutschland gehört für Kuhn innerhalb Europas zu den etabliertesten Märkten und besitzt gleichzeitig ein vergleichsweise hohes sportliches Niveau.

Eine mögliche Erklärung sieht er zudem in der besonderen Mischung des Sports. "Vielleicht mögen wir Deutschen auch diese Kombination aus der Physis und teilweise Brutalität des Sports auf der einen Seite und dieser extrem taktischen Komponente auf der anderen."

Eine endgültige Antwort hat aber auch Kuhn nicht. Für ihn ist stattdessen vor allem das Ergebnis entscheidend. "Was man aus meiner Sicht klar sagen kann: Deutschland besitzt international beim Football-Hype eine außergewöhnliche Stellung."

NFL-Team oder sogar Division in Europa?

Doch wie weit kann die internationale Entwicklung der NFL tatsächlich gehen? Commissioner Roger Goodell hat in der Vergangenheit immer wieder über die langfristige Expansion der Liga gesprochen. Auch ein dauerhaftes Team oder eine größere NFL-Präsenz in Europa gehört zu den Szenarien, über die diskutiert wird.

Kuhn hält eine solche Entwicklung grundsätzlich für vorstellbar. Dabei verweist er allerdings darauf, in welchen Zeiträumen die NFL bei derartigen Projekten denkt. "Roger schaut bei solchen Themen sehr weit in die Zukunft."

Ankündigungen oder Gedankenspiele dürften deshalb nicht zwangsläufig als kurzfristige Pläne verstanden werden. "Wenn er über bestimmte Entwicklungen spricht, können das Dinge sein, die vielleicht erst in zehn Jahren relevant werden." Kuhn sieht darin eine grundsätzliche Stärke der NFL. "Die NFL macht solche Dinge nicht überstürzt."

Kuhn kann sich NFL-Division vorstellen

Genau deshalb schließt Kuhn auch das derzeit wohl größte internationale Szenario nicht aus. "Ich kann mir schon vorstellen, dass wir irgendwann tatsächlich ein NFL-Team oder vielleicht sogar eine Division in Europa haben werden."

Kurzfristig rechnet er damit allerdings nicht."Ich glaube aber, dass das noch Zeit braucht." Sollte dieser Schritt irgendwann tatsächlich erfolgen, wäre er für Kuhn weit mehr als nur die nächste Stufe der International Series.

Ein festes Team würde schließlich voraussetzen, dass ein europäischer Markt nicht nur einmal pro Jahr ein ausverkauftes NFL-Spiel tragen kann. Die Fanbasis müsste groß genug sein, um eine Franchise über eine komplette Saison hinweg zu unterstützen. "Für den europäischen Football wäre das natürlich ein unglaubliches Zeichen."

Denn spätestens dann wäre aus einzelnen NFL-Gastspielen eine dauerhafte Präsenz geworden. Und wenn Kuhns Einschätzung zum deutschen Markt zutrifft, dürfte Deutschland bei den Diskussionen über die langfristige Zukunft der NFL in Europa eine entscheidende Rolle spielen.

>> Exklusiv: Kuhns Plan mit der EFA

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