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Tuesday, October 6, 2026

Preis für Comedy und Kabarett – Clownin ohne rote Nase: Judith Bach gewinnt Salzburger Stier 2027

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«Ich stand gerne ganz vorn, weil ich die Kleinste war – aber auch, weil ich eine Rampensau war.» So beschreibt Judith Bach ihre ersten Bühnenerfahrungen im Krippenspiel. Ihre Spielfreude hat die Kabarettistin, Schauspielerin und Musikerin auch mit über 40 Jahren nicht verloren. «Wenn das Publikum sitzt und nichts sagen kann, ich aber schon, das ist super!»

Person in weissem Hemd spielt Klavier und lacht.
Legende: Entertainerin am Flügel: Bühnenfigur Claire verspielt sich auch mal gerne. Regina Jäger

Für die Bühne hat Judith Bach Claire erfunden: «Eine Clownin, aber ohne rote Nase, dafür mit rutschendem Rock.» In das Kostüm mit zu grossem Rock, roter Krawatte und toupiertem Haar schlüpft Judith Bach seit Beginn ihrer künstlerischen Karriere. «Den Rock habe ich vor 18 Jahren bei Vögele gekauft. Ich habe nur ein Exemplar und spiele darin drei- bis viermal die Woche. Ich wasche den nie!», sagt sie und lacht.

Zusammen mit Stéfanie Lang gründete sie nach der Ausbildung an der Schauspielschule Accademia Teatro Dimitri das Duo Luna-tic. Bis heute touren die beiden in den Figuren von Fräulein Claire und Mademoiselle Olli. Für ihre Claire liess sich Judith Bach von der deutschen Sängerin, Kabarettistin und Feministin Claire Waldoff inspirieren. Mit Bubikopf, Krawatte und Berliner Schnauze eroberte sie das Publikum der 1920er-Jahre.

Bühne als Rettung

Seit 2018 tritt Judith Bach auch solo auf. Am Klavier sitzend, erzählt sie als Claire «alleene» von Besuchen bei ihrer Oma Fritz auf dem Friedhof oder der Rebellion in ihrer Teeniezeit: «Ich war zu nichts zu gebrauchen – und zu allem fähig!» Claire besticht nicht nur mit liebenswürdiger Flapsigkeit, sondern auch mit poetisch-philosophischem Tiefgang: «Wohin geht die Musik, wenn man sie gehört hat?» oder «Wie wählt man, was man wählt?», fragt sie ins Publikum.

Claire ist eine Frau, die sagt: Mir ist egal, wie ich aussehe, mir ist egal, was andere von mir denken.

Dass ihr Körper ihr Arbeitswerkzeug werden würde, war nicht immer sicher. Als junge Frau hatte Judith Bach mit Magersucht zu kämpfen. Gerettet haben sie ihre innere Rampensau – und die Regisseurin eines Jugendtheaterprojekts.

«Keine Therapeutin konnte mich zum Essen bringen, aber diese Regisseurin schon. Sie sagte zu mir: Judith, wenn du auf die Bühne willst, dann musst du gesehen werden. Und wenn du gesehen werden willst, dann musst du essen.» Der Entscheid für ihre Bühnenfigur sei ein weiterer Teil ihrer Emanzipation. «Claire ist eine Frau, die sagt: Mir ist egal, wie ich aussehe, mir ist egal, was andere von mir denken. Icke bin icke.»

Fragen statt Urteilen

Mit ihrem Alter Ego teilt Judith Bach das Interesse für die Ängste und Wünsche des Menschen. «Ich frage mich immer: Warum sagt jemand etwas? Wo kommt er her? Was ist seine Not?» Deswegen drehten sich ihre Bühnenprogramme nicht um Politik, sondern um Philosophie. «Es geht nicht um richtig oder falsch, ja oder nein, böse oder gut. Diese Kriterien finde ich oberflächlich. Mich interessiert, was darunter liegt.»

Zu erforschen, was unter der Bühnenfigur Claire liegt, das ist ein Projekt, das Judith Bach in der nahen Zukunft anpacken möchte. Nach sechs Duo- und drei Soloprogrammen in dieser Rolle möchte sie den rutschenden Rock in Pension schicken und als Judith Bach auftreten. «Ich bin sehr gespannt – vielleicht wird's etwas weniger lustig, vielleicht aber auch nicht.»

Zuerst aber werden Judith Bach und ihre Bühnenfigur Claire ausgiebig gefeiert – und zwar mit der Auszeichnung Salzburger Stier 2027.

Der Salzburger Stier ist der renommierteste Preis für Kabarett, Comedy und Satire im deutschen Sprachraum. Jedes Jahr vergeben öffentlich-rechtliche Radiosender in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz drei Preise.

Zum ersten Mal wurde er 1982 in Salzburg verliehen.

Schweizer Preisträgerinnen und Preisträger:

  • 2027: Judith Bach
  • 2026: Markus Schönholzer
  • 2025: Lisa Christ
  • 2024: Dominik Muheim
  • 2023: Dominic Deville
  • 2022: Fatima Moumouni & Laurin Buser
  • 2021: Joachim Rittmeyer (Ehrenstier)
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