Würden Schweizer Firmen mit Sieg der Demokraten profitieren?

- Die ersten knapp zwei Jahre von Trumps zweiter Amtszeit haben auch die Schweiz stark beschäftigt.
- Insbesondere die umgekrempelte US-Handelspolitik traf die Schweiz. Trump setzte Zölle als Instrument ein, um politische und wirtschaftliche Ziele zu erreichen.
- Die Zollpolitik wird er wohl auch nach den Midterms fortsetzen, sagt Rahul Sahgal, CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer.
- Er erwartet nach den Midterms eine weitere Zollankündigung des US-Präsidenten.
US-Präsident Donald Trump hat die USA in den knapp zwei Jahren seiner zweiten Amtszeit umgekrempelt. Jetzt stehen Zwischenwahlen an. Die US-Wählerinnen und -Wähler geben bei den Midterms traditionell ein Urteil über die bisherige Regierungsarbeit ab.
Auch für Schweizer Unternehmen hat sich seither einiges verändert – von Zollpolitik bis hin zu Deregulierung. Rahul Sahgal, CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, spricht im Interview über die grössten Herausforderungen, Chancen und über das, was nach den Midterms zu erwarten ist.
Was war für die Schweizer Wirtschaft der folgenreichste Entscheid seit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus?
Gefühlt sicherlich die Zölle von 39 Prozent, die im August 2025 verhängt wurden. Glücklicherweise konnten wir diese nach etwa vier Monaten wieder loswerden. Insgesamt würde ich die Umkrempelung der US-Handelspolitik hervorheben sowie die Deregulierung. Die USA sind der Ort, an dem Schweizer Firmen in den letzten Jahren erfolgreich gewachsen sind. Mit Trumps Zollpolitik wurde der Marktzugang infrage gestellt. Die Handelspolitik wurde zum Instrument für die nationale Sicherheit, für die Migrationspolitik, das Haushaltsdefizit und die Reindustrialisierung. Das traf Schweizer Unternehmen.
Weiter wichtig für die Schweizer Wirtschaft war die Verabschiedung des «One Big Beautiful Bill Act», kurz OBBBA, der die USA steuerlich und regulatorisch attraktiver gemacht hat, sowie die Ausnahme der US-Firmen von der OECD-Mindeststeuer.
Wurde die Schweiz von der US-Handelspolitik überrascht?
Dass Trump mit Zöllen arbeiten würde, war erwartet worden, und die Unternehmen hatten sich entsprechend vorbereitet. Das sieht man etwa an der Investitionsliste über 200 Milliarden Franken, die Schweizer Unternehmen an Investitionen in den USA bis 2028 zugesagt haben. Überraschend war wohl die Vehemenz, mit welcher er diese Handelspolitik durchzieht.
Heute gelten allgemeine Zölle von 12,5 Prozent auf Schweizer Waren. Wie hart trifft das die Unternehmen?
Die derzeitigen Zölle treffen vor allem Unternehmen, denen «Made in Switzerland» wichtig ist, und ganz allgemein Firmen, die hauptsächlich in der Schweiz produzieren und einen bedeutenden Absatz in den USA erwirtschaften. Oft sind das KMU oder etwa die Uhrenbranche. Global betrachtet, betreffen die US-Zölle etwa fünf bis zehn Prozent der Schweizer Exporte. Eine Vielzahl der grossen Schweizer Firmen ist weniger betroffen, etwa weil sie lokal in den USA produzieren, im Dienstleistungssektor tätig sind oder von Ausnahmebestimmungen profitieren.
Unabhängig vom Zolltarif macht insbesondere die Unsicherheit beziehungsweise die fehlende Planbarkeit den Firmen zu schaffen. Es herrscht eine gewisse Unruhe im System. Wir erwarten eine weitere Zollankündigung nach den Midterms.
Was erwarten Sie da? Hat die Schweiz in Washington genügend Verhandlungsmacht?
Wir sind viel kleiner als die USA. Die Schweiz ist für die USA als Exportmarkt mit 3 Prozent des Absatzes nicht entscheidend. Die Diskussion um Gegenzölle, die nach den 39 Prozent aufkam, schiesst meines Erachtens am Ziel vorbei. Damit machten wir den Schweizer Produzenten das Leben nur noch schwerer.
Ein echtes Druckmittel haben wir nicht. Aber die Schweiz ist eine wichtige Investorin in den USA, besonders in der Forschung und Entwicklung, schafft hochwertige Arbeitsplätze und ist ein offener, verlässlicher Partner für US-Firmen. Weiter unterstützen wir die USA in vielen anderen Bereichen, beispielsweise beim Aufbau eines Lehrlingswesens, und sind gemäss unabhängigen Umfragen einer der beliebtesten Auslandsinvestoren.
Veränderte sich in Bezug auf die Zölle etwas, wenn die Demokraten bei den Midterms beide Kammern gewinnen würden?
Selbst eine «Blaue Welle» würde an den Zöllen erst einmal nichts ändern. Trump erhebt Zölle mit seiner Exekutivmacht, nicht über den Kongress. Die Demokraten haben Vorlagen angekündigt, um die gesetzlichen Grundlagen aufzuheben, auf die Trump seine Zölle stützt. Doch auch wenn diese von beiden Kammern angenommen würden, hat der Präsident ein Vetorecht, es bliebe wohl Symbolpolitik.
Wie wichtig sind Senat und Repräsentantenhaus?
Der Ausgang im Senat ist relevant, weil er unter anderem Kaderpersonal, Richter und Botschafter bestätigen muss, welche ihrerseits einen signifikanten Einfluss haben, beispielsweise auf die Handels- und Steuerpolitik der USA. Völkerrechtliche Verträge, wie unser revidiertes Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, liegen legislativ ausschliesslich in der Kompetenz des Senats. Das Repräsentantenhaus ist für das Budget – und damit auch für mögliche weitere Shutdowns – verantwortlich und kann Untersuchungen einleiten, wie es beispielsweise die Demokraten gegen die Trump-Administration androhen.
Worauf muss sich die Wirtschaft im Handelsbereich in den nächsten zwei Jahren einstellen?
Trump muss sich keiner Wiederwahl mehr stellen und wird weiterhin – und womöglich intensiver – mittels Exekutivmacht operieren. Neben den generellen Zöllen werden weiterhin sektorspezifische Zölle im Namen der nationalen Sicherheit proklamiert werden, etwa im Bereich Drohnen, Medtech oder Robotik. Auf der anderen Seite erwarten wir, dass das System verfeinert wird und Produkte, bei denen eine Abhängigkeit vom Ausland besteht, selektiv ausgenommen werden. Kaffee ist ein Beispiel dafür.
Wie gross ist der Druck der USA auf die Schweizer Pharmakonzerne, Produktion und Investitionen stärker in die USA zu verlegen?
Die USA sind der mit Abstand grösste und profitabelste Pharmamarkt der Welt und auch für die grossen Schweizer Pharmafirmen der bedeutendste. Gleichzeitig haben die USA die Pharmaindustrie als strategisch wichtig erkannt. Sie möchten ihre Abhängigkeiten vom Ausland reduzieren sowie von der Forschung, Entwicklung und Wertschöpfung der Industrie profitieren. Heute produzieren die grossen Schweizer Pharmas bereits etwa 80 Prozent des US-Bedarfs an Medikamenten in den USA. Jetzt geht es darum, die verbleibenden 20 Prozent dort aufzubauen.
Für die Schweiz ist das insofern relevant, als sie sich vor dem Hintergrund dieses geopolitischen Kräftespiels zunehmend bemühen muss, für Pharmafirmen attraktiv zu bleiben. Die Schweiz repräsentiert kaum ein Prozent des globalen Medikamentenmarktes, profitiert hingegen überproportional von den Investitionen, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Innovationen, qualifizierten Arbeitsplätzen und Steuerbeiträgen dieser Firmen.
Trump will die Medikamentenpreise in den USA senken. Welche Folgen hätte das für Novartis, Roche und Co.?
Die Gleichung der Pharmabranche ist relativ einfach: Werden die Medikamente in ihrem wichtigsten Markt günstiger, erwirtschaften sie weniger Gewinn. Weniger Gewinn heisst weniger Investitionen in Forschung und Entwicklung, was wiederum weniger Innovation und neue Medikamente bedeutet.
Ist die Abhängigkeit Schweizer Unternehmen vom US-Markt gestiegen?
Ja, wenn man so will. Unternehmen gehen dorthin, wo sie Chancen sehen. Die USA sind in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen, deshalb hat es Schweizer Firmen immer stärker in diesen Markt gezogen – im Gegensatz etwa zum europäischen Umland oder China.
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Wenn eine Partei beide Kammern kontrolliert, können Gesetzesvorlagen einfacher ausgearbeitet werden. Das präsidiale Veto bleibt wie gesagt jedoch in jedem Fall bestehen.
Was bleibt für die Schweiz unabhängig vom Ausgang der Midterms die grösste Herausforderung?
Die Herausforderung, zwischen den wirtschaftlichen Blöcken balancieren zu müssen, wird meines Erachtens zunehmen. Bereits relevant ist das für Unternehmen mit sensiblen Gütern oder im Verteidigungsbereich. Sie müssen sich abstimmen zwischen den Regeln und Interessen der USA, Chinas und der restlichen Welt. Auch die EU wird immer aktiver, ihre Souveränität in den Bereichen Wirtschaft, Verteidigung und Energie zu stärken. Da gilt es, ein wachsames Auge zu haben und die Schweizer Interessen aktiv, pragmatisch und konsequent wahrzunehmen.
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Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.
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