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Thursday, October 15, 2026

Evangelikale vor den Midterms – «Präsident Trump hat seine Versprechen gehalten»

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Donald Trump passt in vieler Hinsicht nicht zum moralischen Ideal konservativer Christen. Trotzdem stimmten 2025 81 Prozent der weissen evangelikalen Protestanten für ihn. Vor den Midterms erklärt der einflussreiche Starprediger Franklin Graham, warum er zu Trump hält.

Franklin Graham

Evangelikaler Prediger

Franklin Graham ist einer der bekanntesten evangelikalen Prediger der USA. Sein Vater Billy Graham prägte den amerikanischen Evangelikalismus über Jahrzehnte und erreichte mit seinen Grossveranstaltungen und Medienauftritten ein Millionenpublikum.

Franklin Graham leitet heute die Billy Graham Evangelistic Association und die Hilfsorganisation Samaritan’s Purse, die 2025 über ein Budget von 1.37 Milliarden Dollar verfügte. Er selbst predigt weltweit vor grossen Menschenmengen; zu einer zweitägigen Veranstaltung in Lima kamen 2026 über 90’000 Menschen.

Graham unterstützt Donald Trump seit Jahren. Bei Trumps Amtseinführungen 2017 und 2025 sprach er ein Gebet.

Die Grahams und ihr Einfluss

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  • Bild 1 von 5. Evangelist Billy Graham (rechts) und sein Sohn, Reverend Franklin Graham, bei einer Billy-Graham-Veranstaltung am 12. Juni 2003 in Oklahoma City, Oklahoma. Bildquelle: Getty Images / David Hume Kennerly.

    Zwei ältere Männer in Anzügen sitzen nebeneinander, umgeben von einer Menschenmenge in blauer Kleidung.
  • Bild 2 von 5. Billy Graham bei einer Predigt 1960 während seines achttägigen National Capital Crusade im Griffith Stadium in Washington, D.C vor 16'000 Menschen. Der US-amerikanische Evangelist Billy Graham gilt als einer der einflussreichsten christlichen Prediger des 20. Jahrhunderts. Bildquelle: Getty Images / Bettmann.

  • Bild 3 von 5. Billy Graham erreichte mit seinen Grossveranstaltungen ein Massenpublikum und wurde zu einer der bekanntesten evangelikalen Stimmen der USA. Bildquelle: Getty Images / Toronto Star / Graham Bezant.

  • Bild 4 von 5. Franklin Graham im Gespräch mit Donald Trump. Der Evangelist gehört seit Jahren zu den prominenten Unterstützern des US-Präsidenten. Bildquelle: Reuters/Evelyn Hockstein.

  • Bild 5 von 5. Franklin Graham steht am Mikrofon. Die Gruppe von Männern am rechten Bildrand sind Billy Graham und die ehemaligen US-Präsidenten George H. W. Bush, Jimmy Carter und Bill Clinton (von l. nach r.). Sie beteten zusammen an der Einweihungsfeier der Billy Graham Library am 31. Mai 2007 in Charlotte, North Carolina. Bildquelle: Getty/Davis Turner.

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SRF News: Sie haben bei Donald Trumps Amtseinführung gesagt, Gott habe ihn eingesetzt.

Franklin Graham: Ich glaube, die Bibel lehrt, dass jede Autorität von Gott kommt. Nebukadnezar, wohl der grösste König der Geschichte, war ein gottloser Mann, der Schreckliches tat. Trotzdem nannte Gott ihn «meinen Diener».

Unterstützen deshalb so viele Evangelikale Trump?

Wir hatten noch nie einen Präsidenten wie Donald Trump. Er ist ein Phänomen. Er zieht die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich. Ich glaube, dass er das Beste für die USA, für unsere Kinder und unsere Zukunft will.

Nehmen die Evangelikalen Trumps moralische Widersprüche in Kauf, weil er Ihnen politischen Einfluss verschafft?

Ich glaube nicht, dass wir unsere moralischen Werte opfern. Ich jedenfalls nicht. Wenn ich mit Präsident Trump nicht einverstanden bin, melde ich mich persönlich bei ihm.

Antwortet er?

Ja. Ich habe ihn etwa auf seine Sprache angesprochen: «Herr Präsident, Sie müssen solche Wörter nicht benutzen.» Er sagte, er brauche Kraftausdrücke, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Ich antwortete: «Das geht auch ohne.» Er lacht darüber, aber er weiss, wie ich dazu stehe.

Sie sagen, die USA seien historisch stark christlich geprägt und Gläubige müssten ihren Glauben in der Politik nicht ablegen. Wie unterscheiden Sie das von «Christian Nationalism»? Sind Sie ein christlicher Nationalist?

Ich bin Christ und ich bin Amerikaner. Der Begriff «christlicher Nationalismus» stammt aus meiner Sicht von den Linken. Er klingt negativ und wird verwendet, um Menschen mit christlichen Überzeugungen zu diskreditieren. Sicher, viele Menschen wünschen sich, dass der christliche Glaube wieder mehr Einfluss hat. Aber die USA waren immer ein säkularer Staat.

«Christian Nationalism» bezeichnet die Vorstellung, dass die christliche und amerikanische Identität eng zusammengehören und der Staat christliche Werte besonders berücksichtigen sollte. Der Begriff ist nicht mit evangelikalem Christentum gleichzusetzen.

Laut dem Public Religion Research Institute (PRRI) gehören rund ein Drittel der US-Bevölkerung zu den Anhängern oder Sympathisanten solcher Vorstellungen. Unter weissen evangelikalen Protestanten und Protestantinnen sind es 67 Prozent.

Besonders nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 rückte der Begriff stärker in den Fokus. Kritiker sehen Christian Nationalism dort als problematisch, wo eine christliche Identität zum Massstab für nationale Zugehörigkeit oder staatliche Ordnung wird. Studien finden zudem einen Zusammenhang mit geringerer Unterstützung demokratischer Normen.

Was ist für die USA die grössere Gefahr: Polarisierung oder der Bedeutungsverlust evangelikaler Anliegen?

Ich gehe auf den zweiten Punkt ein. Nehmen wir das Thema Abtreibung: Die Frage des Lebens ist seit 40 Jahren ein sehr wichtiges Thema. Präsident Trump konnte Roe v. Wade aufheben. Damit liegt die Verantwortung heute wieder bei den einzelnen Bundesstaaten und nicht beim Bund. Ich halte das für richtig. Präsident Trump hat seine Versprechen gehalten.

Ähnlich ist es bei der gleichgeschlechtlichen Ehe. Und wenn zwei Männer heiraten wollen?

Wir leben in einem freien Land. Sie können das tun. Aber ich würde sie warnen, wie alle Menschen, die aus meiner Sicht Sünde begehen. Gott wird eines Tages darüber richten. Ich würde nicht mit dem Finger auf Homosexuelle zeigen, sondern sie aus Nächstenliebe warnen.

Warum verbindet der Glaube die Menschen in den USA nicht stärker?

Wie ist es denn in der Schweiz? Sie haben eine grosse religiöse Tradition, denken Sie an die Reformation. Auch das hat die Menschen nicht unbedingt geeint.

Heute spaltet Religion die Schweiz weniger. Religion ist stärker Privatsache und hat weniger politischen Einfluss.

Aber wird die Schweiz dadurch besser? Das ist die Frage. Als Christ bin ich kein Politiker. Viele Menschen denken, ich sei politisch aktiv, aber eigentlich bin ich das nicht.

Aber Sie haben grossen Einfluss.

Ich äussere mich zu moralischen Fragen. Politiker werden deshalb oft wütend, aber Fragen des Glaubens sind für mich moralische Fragen.

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