Umstrittenes Regime – Wie Aserbaidschan mit Schweizer Hilfe sein Image poliert

Rund 200 Künstlerinnen und Künstler aus Aserbaidschan treten am Montag im Auditorium Stravinsky in Montreux auf. Das Konzert ist Teil des «Septembre Musical» und wird mit dem aserbaidschanischen Kulturministerium organisiert.
«Das ist kein Kulturanlass», sagt Joel Veldkamp von der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI). Dem Regime gehe es darum, sich reinzuwaschen von Menschenrechtsverletzungen, ergänzt Sarkis Shahinian, Co-Präsident der Gesellschaft Schweiz-Armenien.
Ethnische Säuberung?
Im Zentrum der Kritik steht der Umgang Aserbaidschans mit der armenischen Bevölkerung von Bergkarabach. 2023 übernahm Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Mehr als 100'000 Menschen flohen nach Armenien.
Menschenrechtsorganisationen werfen Aserbaidschan schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Land in verschiedenen Fällen verurteilt.
SRF-Korrespondent: «Ethnische Säuberung in Bergkarabach»
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Calum MacKenzie, SRF-Korrespondent für Russland und den Südkaukasus: «Das aserbaidschanische Regime ist sehr repressiv und ist in den letzten Jahren nur strikter geworden. Auch der Konflikt mit Armenien hat Aserbaidschans Ruf geschadet. Völkerrechtlich gesehen hatte Baku einen Anspruch auf das umstrittene Gebiet Bergkarabach, aber das entschuldigt nicht, dass Aserbaidschan dort vor drei Jahren effektiv eine ethnische Säuberung der armenischen Bevölkerung durchgeführt hat. Mit sportlichen und kulturellen Engagements will das Regime sein Image aufbessern.
Konzerte oder Sponsoringverträge dürften kaum jemanden dazu bringen, vor aserbaidschanischen Menschenrechtsverletzungen die Augen zu verschliessen. Europäische Unternehmen und Staaten tun das vielmehr, weil Aserbaidschan Öl und Gas exportiert. Europa versucht, von russischem Öl und Gas wegzukommen; Aserbaidschan ist einer der wichtigsten neuen Handelspartner. Je mehr Aserbaidschan in Europa Geschäfte macht, desto lauter wird die Kritik. In diesem Kontext muss man verstärkte Sportswashing-Bemühungen sehen.»
Für Veldkamp ist es deshalb problematisch, wenn im Festivalprogramm steht, man wolle «5000 Jahre aserbaidschanischer Kultur» feiern. Die Formulierung erinnere an die Darstellung des Regimes, mit der die Vertreibung der Armenier gerechtfertigt werde. Aserbaidschan behaupte, die Armenier seien erst vor rund 150 Jahren in die Region gekommen. Dabei seien sie seit Jahrtausenden vor Ort.
Die Organisatoren des Septembre Musical wollen sich auf die politische Auseinandersetzung nicht einlassen. Ihnen gehe es um die Musik – unabhängig von der Politik in den Herkunftsländern der Künstler, schreiben sie auf Anfrage. Geldzahlungen aus Baku habe das Festival nicht erhalten.
Es ist nicht die beste Lösung, von der FIS so einen Destinationspartner zu bekommen.
Im kommenden Februar findet in Crans-Montana die Ski-Weltmeisterschaft statt. Aserbaidschan gehört zu den Hauptsponsoren. Die Partnerschaft wurde vom Internationalen Skiverband FIS abgeschlossen.
Im Wallis sorgt das für Irritationen. Didier Défago, Chef des Organisationskomitees, sagt: «Es ist nicht die beste Lösung, von der FIS so einen Destinationspartner zu bekommen.»
Für Shahinian nutzt Aserbaidschan auch den Sport für seine Imagepflege: «Aserbaidschan will sich mit dem Sport maskieren.»
FIS verweist auf Sport und Kommerz
Die FIS weist den Vorwurf zurück. Generalsekretär Urs Lehmann sagt: «Wir haben einen Code of Ethics, der auch für Partner gilt. Wir schauen uns genau an, mit wem wir zusammenarbeiten.»
Auf die Frage nach den Menschenrechtsvorwürfen sagt Lehmann: «Selbstverständlich sind wir nicht einverstanden mit sämtlichen politischen Vorgängen und Entscheiden. Jedoch geht es bei uns um den Sport. Es geht um Tourismus. Und es geht auch um Kommerz.»
Für Shahinian erklärt gerade diese kommerzielle Ausrichtung, weshalb Aserbaidschan in der Schweiz stark auf Sport und Kultur setzt. «Die Schweiz ist stark auf Geld ausgerichtet. Aserbaidschan hat das verstanden.»
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