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Thursday, September 24, 2026

Böses Erwachen nach OP – Misslungene Operation, Patientin trägt die Kosten

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«Der Arzt hat die Form meiner Beine versaut», erinnert sich Nathalie Pontes zurück an die misslungene Operation vor sechs Jahren. Die Fitnessinstruktorin litt an der Lipödem-Krankheit. Das sind hormonbedingte, übermässige Fettablagerungen an Armen und Beinen, welche sich oft schwer anfühlten.

Dagegen hilft die Liposuktion, welche die Fettzellen absaugt. Bei der Operation in Kreuzlingen TG habe der deutsche Arzt viel zu viel Fett abgesaugt, erzählt Nathalie Pontes.

Das Resultat: unförmige Beine und Brandflecken: «Diese Marmorierung ist ein Zeichen mangelnder Durchblutung. Die komplette Fettentnahme hatte zur Folge, dass das Blut nicht mehr fliessen konnte und die Haut unterversorgt war», erklärt die betroffene Patientin.

Sorgfaltspflicht verletzt

Cédric George ist plastischer Chirurg mit 40 Jahren Berufserfahrung. Er studiert für die eingeschaltete Patientenorganisation (SPO) das Dossier von Nathalie Pontes. Dazu gehört auch ein kantonsärztliches Gutachten, das den kritisierten Arzt entlastet.

Trotzdem ist für Cédric George klar: Er hätte Frau Pontes in ihrem Zustand nicht operiert. Seine Begründung: «Die Beschwerden sind nachher unter Umständen grösser als vorher und das kann nicht das Ziel einer Behandlung sein.»

In diesem Sinn sei übertherapiert worden, weil viel zu viel Fett entfernt worden sei, erklärt Cédric George. Er kommt zum Schluss: Die Sorgfaltspflicht sei durch den Arzt verletzt worden.

Patientin muss 50'000 Franken selber bezahlen

Die fatale Operation hat auch finanziell massive Folgen für Nathalie Pontes: Die nötigen Korrekturoperationen bei einem anderen Arzt gehen mit 30'000 Franken gehörig ins Geld. Der Eingriff selbst kostete 20'000 Franken.

Nathalie Pontes will Schadenersatz und kontaktiert via Rechtsschutz die Patientenorganisation SPO. Der mandatierte Patientenrechtsanwalt fordert Schadenersatz vom Arzt, genauer gesagt von dessen obligatorischer Haftpflichtversicherung, der AXA.

«Kassensturz» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Aber: Die AXA lehnt die Deckung ab. Die Begründung: Man habe dem Arzt die Haftpflichtversicherung gekündigt. Aus Datenschutzgründen macht die AXA gegenüber SRF keine weiteren Angaben zum Fall.

Haftpflichtversicherung AXA zahlt nicht

Zum Zeitpunkt der fatalen Operation war der Arzt noch bei der AXA versichert. Die Versicherung zahlt aber trotzdem nicht. Mit Hinweis auf ein verbreitetes Versicherungsprinzip, nach dem die aktuelle Versicherung zum Zeitpunkt der Schadenanmeldung für die Deckung zuständig ist.

Wie kann man sich gegen Ärztepfusch wehren?

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  • Rechtschutzversicherung abschliessen, sonst kann es sehr teurer werden.
  • Patientenschutzorganisationen kontaktieren: Diese können den Fall einschätzen und haben Kontakt zu Fachärzten und Patientenanwältinnen.

Das Problem: Der Arzt von Nathalie Pontes hatte nach der AXA keine Haftpflichtversicherung mehr. Eine Nachfolgeversicherung gibt es nicht.

Nathalie Pontes versteht die Welt nicht mehr: «Jetzt muss ich als geschädigte Patientin das Leid und den finanziellen Druck tragen. Dazu bin ich nicht bereit.» Irgendjemand müsse doch jetzt in die Verantwortung gezogen werden.

Arzt operiert ohne Bewilligung

Nathalie Pontes könnte noch eine weitere Fährte aufnehmen und mit ihren Schadenersatzforderungen direkt auf den verantwortlichen Arzt zugehen. Seinen aktuellen Wohnort kennen die Behörden des letzten Wohnkantons (SH) allerdings nicht.

Bekannt sind dafür seine Schulden. Gemäss dem aktuellen Betreibungsregisterauszug gibt es nicht getilgte Verlustscheine von über einer Million Franken. Brisant: Der Arzt hat auch nach der Kündigung der Haftpflichtversicherung noch über zwei Jahre seine Berufsausübungsbewilligung. «Kassensturz» konfrontiert ihn per Mail mit den Vorwürfen. Aber unsere Fragen bleiben auch nach Wochen unbeantwortet.

Dass ein Arzt über zwei Jahre ohne obligatorische Haftpflichtdeckung praktiziert haben soll, versteht Nathalie Pontes nicht.

Thurgauer Aufsichtsbehörde in der Kritik

Im konkreten Fall liegt die Aufsichtspflicht beim Thurgauer Amt für Gesundheit. SRF konfrontiert die zuständige Kantonsärztin Agnes Burkhalter mit dem Fakt, dass der Arzt ohne obligatorische Haftpflichtversicherung noch über zwei Jahre habe praktizieren können.

Die Thurgauer Kantonsärztin rechtfertigt sich: «Eine lückenlose Überprüfung ist kaum möglich, auch wenn wir die Haftpflichtdeckung monatlich abfragen würden.» Eine permanente Überwachung sämtlicher gesetzlicher Berufspflichten sei weder verhältnismässig noch realistisch.

Autohaftpflicht als Vorbild

Kündigt eine Versicherung einem Arzt dessen Haftpflicht-Police, erfahren das die kantonalen Aufsichtsbehörden in der Regel nicht. Eine unbefriedigende Situation, findet der Nationalrat und Patientenanwalt Rémy Wyssmann.

Der SVP-Politiker hat diesen Sommer eine Motion eingereicht, welche von den Haftpflichtversicherungen eine Meldung verlangt, wenn sie einer Arztperson die Police kündigen.

So wie es bei der Autohaftpflicht längst der Fall ist: «Ist ein Auto nicht mehr versichert, muss man es schnellstmöglich aus dem Verkehr ziehen, sonst hat man eine tickende Zeitbombe.»

Haftpflicht-Ansprüche nach Arztfehlern

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Auch im Normalfall, wo eine Haftpflichtdeckung existiert, ist es für die betroffenen Patientinnen alles andere als einfach, Schadenersatz zu erhalten. Bis ein Haftpflichtfall abgeschlossen ist, dauert es manchmal bis zu 20 Jahren.

Das sei sehr zermürbend für die Betroffenen von Ärztefehlern, sagen gleich mehrere Patientenanwältinnen und Anwälte gegenüber «Kassensturz».

Martin Lutz, Vorstandsmitglied der Patientenstelle der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt stellt fest: «Es ist wahnsinnig schwer, die Ansprüche von Patienten gegenüber Haftversicherungen durchzusetzen, weil da die Versicherungsbranche ziemlich aufgerüstet hat im Arzt-Haftungsrecht.»

Um eine Sorgfaltspflichtverletzung nachzuweisen, brauche man immer einen anderen Arzt, welcher den Fall begutachte. Auch das Erstellen solcher Gutachten und Gegengutachten benötigt viel Zeit.

Die Motion von Rémy Wyssmann wird bald im Parlament behandelt. Nathalie Pontes bringt der Vorstoss nichts. Ihr Arzt war zum Zeitpunkt der OP noch versichert. Sie ist gänzlich unverschuldet in die Versicherungslücke gefallen.

Spielen die Haftpflichtversicherungen auf Zeit?

«Kassensturz» konfrontiert den Versicherungsverband SVV mit dem Vorwurf, sie würden auf Zeit spielen. Der Branchenverband lehnt ein Interview ab und schreibt: Der Vorwurf greife zu kurz. Haftpflichtfälle seien häufig komplex und erforderten eine sorgfältige Prüfung. Bevor eine Entschädigung festgelegt werden könne, müssten die Haftungsfrage und die Höhe des Schadens geklärt sein.

Auch grosse Arzthaftpflicht-Versicherungen wie Allianz, Axa, Helvetia, Mobiliar und Zurich weisen auf Anfrage von «Kassensturz» den Vorwurf zurück, man spiele auf Zeit.

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