Festivalsommer – Yoga, Fitness, Kurzkonzerte: Open Air Gampel erfindet sich neu

Das Jubiläum: Das Open Air Gampel wird 40. Was einst als kleines Rockfestival angefangen hat, gehört heute zu den grössten Musikfestivals der Schweiz. Nach zwei finanziell schwierigen Jahren setzen die Verantwortlichen nun auf ein neues Konzept: Die Konzerte dauern teilweise nur noch 45 Minuten. Das Gelände wird kompakter, die beiden Hauptbühnen stehen nebeneinander. Dazu kommen Yoga, Fitness und Fahrradkaraoke. Aus dem «klassischen» Musikfestival wird also zunehmend ein Festival für Begegnungen, Spiele und Sport.
Das Problem: Die Festivalbranche hat sich verändert – und Gampel muss sich mit ihr verändern. «Wenn man im Festivalmarkt überleben will, muss man sich massiv hinterfragen», sagt Medienchef Olivier Imboden. Das gehe allen Festivals so. Das Publikum habe andere Erwartungen und Bedürfnisse als früher. Die Neuorientierung passiert also nicht freiwillig.
Generation Z feiert nüchtern: Ein Treiber dieser Entwicklung ist das veränderte Konsumverhalten der jüngeren Generation. Das Gesundheitsbewusstsein steigt, der Alkoholkonsum sinkt. «Einen Vollsuff, wie wir ihn früher hatten, gibt es heute praktisch nicht mehr», so Imboden. Der Bierkonsum auf dem Gelände habe sich mehr als halbiert. Spiel, Spass, Sport seien gewünscht. «Es ist Wahnsinn, was man alles bereitstellt, damit die Leute rund um die Uhr eine Beschäftigung haben.»
Finanzieller Druck: Der finanzielle Druck auf die Veranstalter ist gross. Das Publikum kaufe Tickets immer kurzfristiger, was die Planung extrem erschwere, sagt Imboden. Gleichzeitig würden die Gagenforderungen internationaler Acts steigen, weil diese im Streaming-Zeitalter ihre Einnahmen vermehrt bei Liveauftritten generieren müssen. Trotzdem gibt sich Imboden vorsichtig optimistisch: Die Festivalfinanzen seien einigermassen stabil, eine schwarze Null am Ende der Rechnung sei für das Jubiläumsjahr realistisch.
Der Walliser Abend: Eine der auffälligsten Neuerungen betrifft den Festivalauftakt. Am ersten Abend standen dieses Mal ausschliesslich Walliser Acts wie die «Genderbüebu» auf der Bühne, obwohl drei Viertel des Publikums aus der Deutschschweiz kommen. «Die Walliser Festfreude ist bekannt, die Leute wollen mit uns feiern», sagt der Medienchef. Für SRF-Musikredaktor Claudio Landolt ist dieser Entscheid zwar nicht besonders innovativ, aber volksnah und nachvollziehbar. «Das Festival setzt damit auf Walliser Image und boomende Volksmusik; zudem kostet es sie sicher weniger, als Bands aus Amerika einzufliegen.»
Party hat Tradition: Für Musikredaktor Landolt ist die aktuelle Transformation ohnehin nur die logische Fortsetzung der Gampel-DNA. Das Festival habe seinen Schwerpunkt schon vor Jahren verschoben: «Das Gampel ist schon länger eine Chilbi. Es trägt die Party ja sogar im Slogan «Iischi Party» – die Aushängeschilder sind aber immer noch die Musikacts.»
Das Festival in zehn Jahren: Wohin die Reise langfristig geht, weiss auch der Medienchef nicht. Olivier Imboden glaubt zwar fest an die Zukunft des Open Air im Wallis, schliesst aber radikale Veränderungen nicht aus. In Deutschland gebe es bereits ein Festival ganz ohne Bands. Vielleicht sei dies die Zukunft. Eines ist für ihn klar: «Die hohen Gagen der grossen Bands machen uns alle fertig.»
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 20.08.2026, 17:30 Uhr ; lana;thon;brus;noes
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