«Gilt nicht mehr als Lost Place»: Geister-Raststätte wird belebt

- Die seit 2003 leer stehende Raststätte an der A3 am Walensee wird von Rudolf Hilti gesichert und soll wiederbelebt werden.
- Der Liechtensteiner plant einen Begegnungsort mit Veranstaltungen und einem Bistro – keinen klassischen Autobahn-Stopp.
- Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es noch nicht; die genauen Kosten sind ebenfalls noch offen.
Seit der Schliessung im Jahr 2003 steht die ehemalige Raststätte an der A3 am Walensee leer. Mittlerweile gilt der markante Betonbau mit seinen eingeschlagenen Fenstern und den mit Graffitis übersäten Wänden als einer der bekanntesten Lost Places der Schweiz.
Über Jahre gab es verschiedene Ideen für eine neue Nutzung – passiert ist wenig. Nun soll sich das ändern: Der Liechtensteiner Rudolf Hilti stammt aus der Unternehmerfamilie Hilti. Er gilt als künftiger Eigentümer und will dem Gebäude neues Leben einhauchen.
Und diesmal wird nicht nur über die Zukunft der Raststätte gesprochen. Im Inneren wird seit einigen Monaten aufgeräumt und gesichert. «Wir haben schon eine Menge gemacht», sagt Hilti zu 20 Minuten. Unter anderem seien undichte Stellen geschlossen worden, damit kein Wasser mehr ins Gebäude eindringen könne. Auch die Türen seien mittlerweile verschlossen. «Damit gilt es nicht mehr als Lost Place.»
Pläne stehen, aber Kosten noch unklar
Trotz mehr als zwei Jahrzehnten Leerstand hat Hilti bei der Untersuchung des Gebäudes keine bösen Überraschungen erlebt. Der massive Bau sei grundsätzlich in einem guten Zustand. Schäden gebe es vor allem dort, wo Vandalen gewütet hätten oder über Jahre Wasser eingedrungen sei. «Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen», sagt Hilti. Unerwartete grössere Schäden seien jedoch keine aufgetaucht. Nun gehe man Schritt für Schritt vor: aufräumen, sichern, abdichten und das Gebäude nach und nach wiederherrichten.
Wie teuer das Ganze wird, kann Hilti derzeit noch nicht sagen. «Wir haben uns committed und möchten es herrichten, aber wir haben noch keine genauen Zahlen.» Die Kosten würden vorerst von seiner Seite getragen. Investoren oder Sponsoren, die das Projekt finanzieren, nennt Hilti nicht. Langfristig sei aber das Ziel, weitere spannende Partner für den Ort und das Projekt zu gewinnen.
Kein klassischer Zwischenstopp für Autofahrer
Was aus der ehemaligen Raststätte genau werden soll, ist ebenfalls noch nicht bis ins letzte Detail festgelegt. Hilti schwebt ein Begegnungsort vor. «In Zukunft wird es immer wichtiger, physische Orte zu haben, an denen man sich treffen und diskutieren kann», sagt er. Die ehemalige Raststätte soll deshalb unter anderem für Veranstaltungen und Begegnungen genutzt werden. Auch ein Café oder Bistro ist Teil des Konzepts.
Dass Autofahrer nicht mehr direkt von der A3 auf das Gelände gelangen können, sieht Hilti dabei nicht unbedingt als Nachteil. Im Gegenteil: «Es ist charmant, dass es keine direkte Anfahrt gibt.» Der klassische Reisende, der für zehn Minuten von der Autobahn abfährt und danach weiterfährt, sei ohnehin nicht der Gast, den man suche. Stattdessen sollen Besucher etwa mit dem Velo, zu Fuss oder künftig möglicherweise per Schiff über den Walensee anreisen.
«Wir machen es so schnell, wie es geht. Aber es ist schwierig zu sagen, wie lange es dauern wird.»
Ganz einfach ist das allerdings nicht. Rund um das Gebäude und dessen Erschliessung stellen sich verschiedene behördliche Fragen. Einen konkreten Zeitpunkt für eine Eröffnung will Hilti deshalb noch nicht nennen. «Wir sind dynamisch und machen es so schnell, wie es geht. Aber es ist schwierig zu sagen, wie lange es dauern wird.»
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Bistro statt Luxus-Hotel mit Infinity-Pool
Zuletzt sorgte die Raststätte auch wegen einer ganz anderen Idee für Schlagzeilen. Die Zürcher Kebab-Unternehmer von Ayverdi's sowie weitere Meme-Seiten präsentierten auf Tiktok ihre Visionen für den Lost Place: mit Edel-Kebab, Hotelzimmern und Infinity-Pool samt Rutschbahn Richtung Walensee. Tausende reagierten auf die spektakulären Bilder.
Hiltis Vorstellungen sind deutlich zurückhaltender. Gastronomie könne durchaus eine Rolle spielen, allerdings eher in Form eines Bistros oder als Catering für Veranstaltungen. Im Vordergrund steht für ihn nicht ein Luxuskomplex, sondern ein Ort, der Menschen zusammenbringt.
Hilti schwärmt von der Geister-Raststätte
«Ich finde, der Ort ist irgendwie magisch», sagt Hilti. Vom Gebäude aus habe man eine aussergewöhnliche Aussicht, und der Walensee sei für ihn «einer der schönsten Seen überhaupt». Auch der umstrittene Betonbau selbst hat für Hilti seinen Reiz. Gerade weil die Meinungen darüber auseinandergehen, sei das Gebäude spannend. «Andere wollen es vielleicht abreissen, aber für mich ist es ein denkmalwürdiges Gebäude.»
Hilti bezeichnet die ehemalige Raststätte als einen «ungeschliffenen Diamanten» – einen besonderen Ort, an dem sich etwas Besonderes entwickeln könne. Bis daraus tatsächlich ein öffentlich zugänglicher Treffpunkt am Walensee wird, dürfte es allerdings noch dauern. Einen fixen Zeitplan gibt es nicht.
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Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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