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Tuesday, September 29, 2026

Weltwirtschaftsforum in Davos: Wirbel um angebliche Attentatspläne auf Trump

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Trump beantwortet beim WEF in Davos im Januar 2026 Fragen von Journalisten.

Stand: 29.09.2026 • 06:00 Uhr

Während des Weltwirtschaftsforums in Davos gingen Ermittler dem Verdacht nach, dass ein Anschlag auf US-Präsident Trump geplant sein könnte. Eine Mitarbeiterin des Forums wurde festgenommen - doch kam wieder frei.

Stefanie Dodt

Am 21. Januar 2026 geht um 10:57 Uhr nach Recherchen des ARD-Studios Genf und der Mediengruppe Tamedia folgende E-Mail bei der US-Botschaft in Bern ein: "Wir wollen Sie darüber informieren, dass es eine dringliche Bedrohung des Lebens von Präsident Trump in Davos gibt." In fehlerhaftem Englisch fährt der anonyme Absender fort: Eine Mitarbeiterin des Weltwirtschaftsforums (WEF) sei eine iranische Agentin. "Wir verfügen über verlässliche Informationen, wonach sie eine Operation koordiniert hat, um den Präsidenten zu ermorden, während er das WEF besucht."

Donald Trump sitzt zu diesem Zeitpunkt bereits in der Air Force One in Richtung Schweiz und landet gut eineinhalb Stunden später in Zürich, um von dort mit dem Hubschrauber weiter nach Davos zu fliegen. Zwei Tage zuvor hatte das WEF verkündet, den iranischen Außenminister Abbas Araghchi von der Konferenz in Davos wieder auszuladen, und gab damit steigendem Druck nach - Kritiker hatten gefordert, dem Iraner dort keine Bühne zu bieten.

Die Bundesanwaltschaft nimmt die Warnung "sehr ernst", sie eröffnet ein Verfahren wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen für einen Mord und wird "sofort aktiv", so ein Sprecher in einer Stellungnahme. Denn die Mitarbeiterin existiert tatsächlich. Die Frau mit iranischen Wurzeln, die seit Jahren in einem westlichen Land lebte, arbeitet zu diesem Zeitpunkt erst seit rund dreieinhalb Monaten in der IT-Abteilung der Zentrale des Weltwirtschaftsforums in Genf.

Stundenlanges Verhör

Am Abend nach Eingang der anonymen E-Mail sind nur wenige Mitarbeiter auf dem Gelände der WEF-Zentrale in Genf, während sich beim Forum in Davos alles um Trumps Äußerungen zu Grönland und seine Gespräche mit dem NATO-Generalsekretär dreht. Der Sicherheitsdienst bittet die Frau zur Rezeption, dort wartet die Kantonspolizei. Um 18:05 Uhr wird sie in Handschellen gelegt und anschließend sechs Stunden lang verhört, bis um 02:40 Uhr am Morgen. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Während des Verhörs durchsucht die Bundeskriminalpolizei den Arbeitsplatz der IT-Expertin, insbesondere ihren Spind. Die Ermittler beschlagnahmen ein Dienst- und ein Privathandy sowie ihren Dienstcomputer, analysieren ihre Profile in den sozialen Medien. Nichts darauf gibt Hinweise auf eine Agentinnentätigkeit. Dennoch wird die Frau nach Ende des Verhörs nicht auf freien Fuß gesetzt.

Der US-Präsident bleibt schließlich mehr als 24 Stunden in Davos, präsentiert der Welt erstmals seinen sogenannten Friedensrat und trifft den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Das Verfahren wird eingestellt

23 Stunden und 55 Minuten nach der Festnahme wird die Frau wieder auf freien Fuß gesetzt. Genau 23 Minuten, nachdem der US-Präsident in Zürich die Regierungsmaschine in die USA bestiegen hat.

Die Ermittlungen laufen weiter - und liefern keine Hinweise auf ein Mordkomplott. Vier Monate später kündigt die Bundesanwaltschaft der Entlassenen an, sie stelle das Strafverfahren ein. Der Verdacht habe sich nicht bestätigt, "das traf auf alle Aspekte der Anschuldigung zu, weshalb das Verfahren eingestellt wurde", so ein Sprecher gegenüber der ARD und Tamedia.

Den Ermittlungen zufolge war die Frau nicht für das Forum in Davos akkreditiert und hatte keinen Zugang zu den Sicherheitsprotokollen. Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher: Die WEF-Mitarbeiterin ist keine Agentin des iranischen Regimes.

Kündigung nach Haftentlassung

Am Tag, nachdem die Frau aus der Haft freikommt, entlässt das Weltwirtschaftsforum sie fristlos. Der Grund: Sie habe gegen interne Vertraulichkeitsrichtlinien verstoßen. Warum genau sie entlassen wurde, ist unklar.

Die Recherchen zeigen: Das WEF gab den Ermittlern gegenüber an, dass die Entlassung in keinem Zusammenhang mit den anonymen Beschuldigungen stand. Auf Anfrage will sich das WEF nicht dazu äußern und antwortet schriftlich: "Das World Economic Forum kommuniziert nicht über vertrauliche Personalfragen."

Die Frau fordert daraufhin die Erstattung ihrer Anwaltskosten und weitere Entschädigungen in Höhe von mehr als 130.000 Euro. Die Bundesanwaltschaft weist einen Großteil der Forderungen ab. Sie bekommt etwa die Hälfte der Anwaltskosten sowie eine Entschädigung für ihre Verhaftung zugesprochen. Das Weltwirtschaftsforum zahlt ihr noch vier weitere Monate Gehalt aus und schließt eine Stillschweigevereinbarung mit ihr.

Auf Anfrage der ARD und von Tamedia wollen sich weder sie noch ihr Anwalt äußern. Wer die anonyme E-Mail verschickte, ist unklar. Den Ermittlungen zufolge ist der Account nur Minuten vor dem Abschicken bei einem Schweizer Anbieter eröffnet und seither nicht mehr benutzt worden. Bei der Genfer Staatsanwaltschaft läuft nun ein Strafverfahren wegen falscher Anschuldigung.

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